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Generalvikar Leo Wagener: "Vor großen Herausforderungen"
Leo Wagener zählt auf die Mitarbeit und das Engagement eines jeden Kirchenmitglieds.

Generalvikar Leo Wagener: "Vor großen Herausforderungen"

John Lamberty
Leo Wagener zählt auf die Mitarbeit und das Engagement eines jeden Kirchenmitglieds.
Politik 2 Min. 19.02.2015

Generalvikar Leo Wagener: "Vor großen Herausforderungen"

Seit Mittwoch hat die Erzdiözese Luxemburg einen neuen Generalvikar. Wie sieht Leo Wagener seine Rolle in einer Kirche, die in Luxemburg mehr denn je im Wandel ist?

(TJ) - Seit Mittwoch hat die Erzdiözese Luxemburg einen neuen Generalvikar. Leo Wagener tritt die Nachfolge von Erny Gillen zu einem - wie er selbst sagt - für die Glaubensgemeinschaften höchst spannenden Moment an.

Bistum, Gesetzgeber und Regierung seien jetzt -  wenige Wochen nach der Unterzeichnung der Konvention zwischen Regierung und Glaubensgemeinschaften zu gleichen Teilen gefordert, das Abkommen in einem positiven Geist umzusetzen. Wagener sieht hierin eine seiner vorrangigen Aufgaben. Dies sagte er am Donnerstagmorgen im Interview auf Radio RTL.

Seine Erfahrung als Seelsorger - Wagener ist seit 26 Jahren Pfarrer und amtierte in Diekirch, Steinbrücken und Bonneweg - will er als "Mann der Basis und der Pastorale" nutzen. Der neue Generalvikar scheut sich nicht, teils kritische und moderne Überlegungen anzustellen. So ist er beispielsweise kein Verfechter des Zölibats, eine Einstellung, die auch einige seiner Priesterkollegen teilen.

Lebendige Gemeinschaft als Ziel

Erny Gillen hatte die Trennung von Kirche und Staat als "tiefen und schmerzhaften Einschnitt" bezeichnet. Sein Nachfolger teilt diese Auffassung, besonders was den Wegfall des Religionsunterricht in den Schulen anbelangt.

Auch die künftige Nutzung der Kirchengebäude macht Leo Wagener Sorgen, wobei er auf die Mobilität der engagierten Menschen setzt, sollten einzelne Kirchen entsakralisiert werden.

"Ich bin nicht befugt, den Gemeinden vorzuschreiben, was sie mit Gebäuden tun sollen", so Wagener auf die Frage, was denn mit den nicht mehr von der Kirche genutzten seiner Auffassung geschehen soll.

Wagener versteht die Kirchenfabriken und ihren Protest gegen ihre Abschaffung, dennoch müsse man das Abkommen, das der Erzbischof mit der Regierung unterschrieben hat, einhalten. 

Als größte Herausforderung sieht der Generalvikar jedoch den Erhalt einer lebendigen Kirchengemeinschaft. Jeder einzelne Katholik solle sich positiv mit in die Gemeinschaft einbringen: "Christ sein bedeutet nicht, diese zu konsumieren, sondern mit dem Herzen mitzuarbeiten".

Laien mit einbinden

Derzeit gibt es noch knapp über 100 Pfarrer. Leo Wagener ist sich sehr wohl bewusst, dass diese Zahl innerhalb der kommenden 10 bis 20 Jahre drastisch zurückgehen wird. Gerade deshalb vertraut der Generalvikar auf das Engagement und die Motivation der jungen Geistlichen.

Zudem bestehe die Kirche nicht nur auf der Arbeit der geweihten Mitarbeiter, sonder auf jedem einzelnen Mitglied, also auch der Laien. Insgesamt sähe er die Kirche gern missionarischer, was auch dem Wunsch von Papst Franziskus entspricht.


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