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Geförderte Wohnungen: Vergabesystem soll geändert werden
Politik 2 Min. 08.11.2019

Geförderte Wohnungen: Vergabesystem soll geändert werden

Guy Entringer ist seit 2008 Direktor der SNHBM.

Geförderte Wohnungen: Vergabesystem soll geändert werden

Guy Entringer ist seit 2008 Direktor der SNHBM.
Foto: Anouk Antony
Politik 2 Min. 08.11.2019

Geförderte Wohnungen: Vergabesystem soll geändert werden

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Der Direktor des staatlichen Bauträgers SNHBM will nächtliche Campieraktionen von Wohnungsbewerbern künftig verhindern. Die Auswahlkriterien werden überarbeitet.

Die Société nationale des habitations à bon marché (SNHBM) bereitet ein neues Vergabesystem für staatlich geförderte Wohnungen vor. Die Änderungen bei den Auswahlkriterien sollen nächste Woche dem Verwaltungsrat vorgelegt werden, erklärte der Direktor der SNHBM, Guy Entringer, am Freitagmorgen bei RTL. So sollen Familien mit mehr Kindern bei der Vergabe von Häusern und größeren Wohnungen bevorzugt behandelt werden. Auch Bewerber mit einem persönlichen Bezug zur jeweiligen Gemeinde sollen vorgereiht werden. 

Angesprochen auf das nächtliche Campieren von Wohnungsinteressenten Anfang Oktober vor dem Geschäftssitz des öffentlichen Bauträgers, sagte Entringer, dass solche Situationen künftig vermieden werden sollen: "Das Vergabesystem hat zehn Jahre lang tip-top funktioniert. Nun ist es an seine Grenzen gestoßen und wird geändert." Man dürfe jedoch nicht verallgemeinern, so der SNHBM-Direktor. Das Projekt in Alzingen, das zu der Campieraktion geführt habe, sei preislich sehr attraktiv gewesen. Ein Haus mit vier Schlafzimmern sei für 455.000 Euro angeboten worden, also weit unter dem Marktpreis. In anderen Teilen des Landes sei der Andrang auf subventionierte Wohnungen nicht so groß. 

Politik soll intervenieren

In Bezug auf die steigenden Immobilienpreise wollte Entringer nicht bewerten, ob sich eine Preisblase in Luxemburg gebildet habe. Für Wohnungssuchende, die nur wenige finanzielle Mittel zur Verfügung hätten, sei die Situation jedoch "ernst". Die Nachfrage nach Wohnraum sei, auch aufgrund des Bevölkerungswachstums, sehr hoch. Zudem seien ausländischen Investoren die attraktiven Renditen, die sich in Luxemburg erzielen lassen, nicht entgangen.


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Entringer zufolge könnte die Politik in den Markt eingreifen, um die Nachfrage zu drücken. Eine Möglichkeit wäre, den Immobilienmarkt für "bestimmte Investoren unattraktiver" zu machen, so der SNHBM-Direktor. Die SNHBM bemühe sich für ihren Teil, das Angebot an subventionierten Wohnungen zu erhöhen. Dafür brauche es allerdings Zeit. Dieses Jahr habe man den Bau von 300 Wohneinheiten eingeleitet, nächstes Jahr würden es etwas weniger sein. "Wir verfügen momentan über genügend Grundstücke."

Entringer ging noch auf eine andere Problematik ein: Es werde immer schwieriger, die geplanten Bauprojekte umzusetzen, weil es an Fachkräften im Bausektor fehle. "Das stellt uns vor große Probleme." Für verschiedene Ausschreibungen habe man kein einziges Angebot von einer Firma erhalten. Entringer hofft, dass die Zusammenarbeit mit dem neuen Wohnungsbauminister Henri Kox genau so gut weiterlaufe wie unter seiner Vorgängerin Sam Tanson. Die Regierung wolle Gesetze ändern und etwa mithilfe eines Spezialfonds Grundstücke im Land aufkaufen, um langfristig mehr Wohnraum zu schaffen.


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