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Fünf Lektionen aus der Politmonitor-Umfrage
Politik 4 Min. 16.11.2020

Fünf Lektionen aus der Politmonitor-Umfrage

Premierminister Xavier Bettel (DP) und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) stehlen dem grünen Koalitionspartner derzeit weitgehend die Show.

Fünf Lektionen aus der Politmonitor-Umfrage

Premierminister Xavier Bettel (DP) und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) stehlen dem grünen Koalitionspartner derzeit weitgehend die Show.
Foto: LW
Politik 4 Min. 16.11.2020

Fünf Lektionen aus der Politmonitor-Umfrage

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Meinungsumfragen sind wie Parfüm, lautet ein gängiges Sprichwort. Welche Schlussfolgerungen sich aus dem aktuellen Politmonitor ableiten lassen.

1. Der Höhenflug der Regierung ist beendet

Die Regierung hat ihren Vertrauensbonus aus dem Frühjahr teilweise verspielt: Zwischen März und April stellten neun von zehn Wählern der Regierung eine gute Note aus - mittlerweile sind es nur noch sechs von zehn. Das Corona-Management der Koalition wird mittlerweile weitaus kritischer gesehen als noch während der ersten Pandemiewelle. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer bewertet die Arbeit der Regierung als „schlecht“. Weniger als die Hälfte findet, dass die aktuellen Corona-Maßnahmen „genau richtig“ sind.

Dennoch lassen die Ergebnisse des Politmonitor darauf schließen, dass Blau-Rot-Grün weiterhin Vertrauen bei der Mehrheit der wahlberechtigten Einwohner genießt. Manch Regierung im Ausland würde sich wohl ähnlich hohe Zustimmungswerte wünschen.

2. Déi Gréng lassen ordentlich Federn

Déi Gréng haben wegen der alles überschattenden Corona-Krise Schwierigkeiten, mit ihren Themen bei der Bevölkerung durchzudringen. François Bausch, Henri Kox, Carole Dieschbourg und Co. müssen daher im Politmonitor Federn lassen: Nur 22 Prozent der befragten Grün-Wähler finden, dass die Regierung derzeit „sehr gute Arbeit“ leistet. Im Frühjahr waren es noch 57 Prozent.

Eine mögliche Ursache: Das grüne Kernthema Klimawandel ist in der öffentlichen Debatte zum Nebenaspekt degradiert worden – obwohl die Folgen der Erderwärmung nach wie vor weltweit spürbar sind. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) macht sich um die Folgen des Klimawandels Sorgen, im Frühjahr waren es noch 57 Prozent. 

Mehr dazu unter Zufriedenheit mit Corona-Management sinkt

3. Die sozialen Folgen der Krise machen sich mehr und mehr bemerkbar

Mehr als die Hälfte der Befragten empfinden ihren Alltag mit Corona und dessen Konsequenzen mittlerweile als Belastung. Rund zwei Drittel der Befragten ist der Meinung, dass die sanitäre Krise viele soziale Ungleichheiten provoziert habe. Frauen und jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren schlägt die aktuelle Lage besonders stark aufs Gemüt. Untersuchungen weisen daraufhin, dass besonders Familien aus prekären Verhältnissen und mit Migrationshintergrund unter der Situation leiden. Auch der Statec beobachtet Brüche in der Gesellschaft: Besonders unter Stress stehen jene 150.000 Arbeitnehmer, die in den Bereichen Handel, Gesundheit und Pflege sowie der Reinigungsbranche dem Virus an vorderster Front begegnen. 

4. Wohnungsnot schlägt Corona-Angst

Ein Problemfeld liegt den Menschen sogar noch mehr im Magen als die Corona-Krise: Der Zugang zu leistbarem Wohnraum. Fast acht von zehn Befragten bereiten die immer schneller steigenden Immobilienpreise Kopfzerbrechen. Das sind vier Prozent weniger als noch vor einem Jahr, dennoch ist die Wohnungskrise nach wie vor die Sorge Nummer eins in diesem Land. Interessant auch: Am wenigsten – wenngleich immerhin noch 70 Prozent – ist die Wohnungsnot für DP-Wähler ein Thema, gefolgt von CSV-Wählern (74 Prozent).  

5. Das Monument Asselborn bröckelt, Jungpolitiker holen auf

Jahrelang thronte Außenminister Jean Asselborn auf der Beliebtheitsskala ganz oben. Seine verbale Kraftmeierei scheint aber nicht mehr bei allen gut anzukommen – die Politik der ruhigen Hand von Parteikollegin Paulette Lenert steht derzeit offenbar höher im Kurs. Besonders Asselborns Attacken gegen den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz riefen zuletzt auch in Luxemburg Unmut hervor. Insgesamt büßte der LSAP-Politiker sieben Prozentpunkte gegenüber der letzten Umfrage vom Juli dieses Jahres ein. Kein anderer Politiker muss einen derartigen Verlust hinnehmen - ein Denkmal beginnt zu wackeln. 

Bei den Jungpolitikern segeln momentan vor allem „Gutschein-Minister“ Lex Delles (DP) und der hyperaktive Pirat Sven Clement mit günstigem Wind. Bei der CSV drängen Serge Wilmes und der amtierende Generalsekretär Paul Galles nach vorne. Aber wie heißt es so schön: „Umfragen sind wie Parfüm. Man soll daran riechen, aber nicht trinken.“  

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