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Führungswechsel beim Handwerkerverband: Der Pragmatiker
Politik 17.03.2015

Führungswechsel beim Handwerkerverband: Der Pragmatiker

Michel Reckinger ist der einzige Kandidat für den Vorsitz des Handwerkerverbands. Er wird am Dienstagabend in geheimer Wahl bestimmt.

Führungswechsel beim Handwerkerverband: Der Pragmatiker

Michel Reckinger ist der einzige Kandidat für den Vorsitz des Handwerkerverbands. Er wird am Dienstagabend in geheimer Wahl bestimmt.
Gerry Huberty
Politik 17.03.2015

Führungswechsel beim Handwerkerverband: Der Pragmatiker

Michel Reckinger hat große Pläne. Als zukünftiger Präsident des Handwerkerverbands will er zwei Kompetenzzentren schaffen, in denen Beschäftigte des Handwerkssektors weitergebildet werden.

(mig) - Michel Reckinger ist 47 Jahre alt und führt in vierter Generation das Familienunternehmen Reckinger Alfred in Ehleringen. Er ist der einzige Kandidat für den Posten des Vorsitzenden des Handwerkerverbands, der am Dienstag in geheimer Wahl bestimmt wird.  Der aktuelle Vorsitzende Norbert Geisen gibt sein Amt nach 20 Jahren ab.

Reckinger bezeichnet sich selbst als Pragmatiker. "Alle Handwerker sind Pragmatiker", sagt er im LW-Interview. "Wir brauchen keine Sonntagsreden und keine Arbeitsgruppen, in denen so viele Menschen sitzen, dass die Redezeit pro Person auf zwei Minuten begrenzt wird." Handwerker brauchen vielmehr Lösungen, "damit die Betriebe unter fairen Bedingungen arbeiten können".

Auf ein Projekt ist Reckinger besonders stolz, weil er an dessen Ausarbeitung maßgeblich beteiligt war. Er möchte Weiterbildungsmöglichkeiten schaffen, zunächst für Beschäftigte des Handwerkssektors, damit sie fit werden für die immer anspruchsvoller werdenden Anforderungen in ihren Berufen, dann aber auch für Schulabbrecher, für Schüler, die die herkömmliche Schulausbildung nicht schaffen, und für junge Menschen, die eine Umschulung machen möchten.

Passieren soll das in zwei Kompetenzzentren, im Technikbereich und im Bereich der Ausbauberufe (Parachèvement). Finanziert wird die Weiterbildung durch Beitragszahlungen der Unternehmen, die diese Weiterbildungsstätten kostenlos nutzen dürfen.

Ihren Ursprung hat die Idee in der Feststellung, dass die traditionelle schulische Berufs- und Technikerausbildung ein Desaster ist, "weil die meisten Schüler, die diese Bildungswege wählen, von den Programmen völlig überfordert sind", wie Reckinger erzählt. "Eigentlich brauchen wir die guten Schüler, doch die gehen in andere Lehrgänge. Wir bekommen die Schüler, die die Ausbildung nicht schaffen."

Die Weiterbildung in den Kompetenzzentren unterscheidet sich von der herkömmlichen Initialausbildung dahingehend, dass die jungen Menschen z.B. keine Französisch- oder Mathematikkurse, also keine theoretischen Kurse belegen, sondern vor allem eine praktische Ausbildung erhalten, die sie zu Spezialisten in Teilbereichen macht, anstatt, wie in der traditionellen Ausbildung, umfassend für den gesamten Berufsbereich ausgebildet zu werden. Die Weiterbildung führt zu einer Zertifizierung, nicht zu einem Diplom.

Reckinger zufolge steht dieses Konzept nicht in Konkurrenz zur herkömmlichen Schulausbildung, sondern bildet parallel einen zweiten, effizienten Bildungsweg, "der dazu beitragen wird, Schulabbrecher aufzufangen und Klassenwiederholungen zu vermeiden".


Das ausführliche Interview mit Michel Reckinger lesen Sie in der Dienstagsausgabe des "Luxemburger Wort".



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