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Fred Keup im Porträt: Vom Lehrer zum Polit-Aktivist
Politik 4 Min. 03.06.2015

Fred Keup im Porträt: Vom Lehrer zum Polit-Aktivist

Der Sekundarschullehrer und zweifache Familienvater Fred Keup engagiert sich seit Wochen für eine Ablehnung des Ausländerwahlrechts beim Referendum am 7. Juni.

Fred Keup im Porträt: Vom Lehrer zum Polit-Aktivist

Der Sekundarschullehrer und zweifache Familienvater Fred Keup engagiert sich seit Wochen für eine Ablehnung des Ausländerwahlrechts beim Referendum am 7. Juni.
Foto: Lex Kleren
Politik 4 Min. 03.06.2015

Fred Keup im Porträt: Vom Lehrer zum Polit-Aktivist

Eine Überraschung hat das Referendum bereits jetzt und unabhängig des Resultats hervorgebracht: Der Aufstieg des Geografielehrers Fred Keup zum medial präsenten "Chef-Nein-Sager" zeigt, wie sich die sonst von Parteien bestimmte politische Debatte verselbstständigen kann. Ein Porträt eines unverhofften Wortführers.

Von Christoph Bumb

Wer ist Fred Keup? Vor einigen Wochen war der heute als Wortführer der Nein-Sager beim Referendum in den Medien omnipräsente Sekundarschullehrer nur seinen Freunden und Bekannten ein Begriff. So soll es auch nach dem 7. Juni wieder sein. Keup scheut eigentlich das Rampenlicht. Er sieht sich nur als „einer von vielen“, die sich von der „medialen Meinungsmacht“ für die Einführung des Ausländerwahlrechts gestört fühlten und nur deshalb politisch aktiv wurden. Seine Mission endet aber an diesem Sonntag – oder vielleicht auch nicht ...

Fred Keup ist ein Phänomen. Nicht unbedingt im Sinn eines eindrucksvollen, bedeutenden oder allein durch seine Präsenz mitreißenden Charakters. Es ist eher der Fakt, dass der politisch bisher eher unbedarfte 35-jährige Sekundarschullehrer aus Kehlen innerhalb weniger Wochen zum Polit-Aktivisten aufgestiegen ist, der ihn zur Ausnahmeerscheinung macht. Keup ist von diesem kuriosen, selbst für ein kleines Land wie Luxemburg ungewöhnlichen Aufstieg selbst überrascht. „Das war alles nicht geplant“, sagt er. Und das glaubt man ihm sofort.

Vom Facebook-Aktivisten zum gefragten Ansprechpartner

Alles hat mit einer Webseite angefangen, die dann zur Facebook-Gruppe wurde und schnell Hunderte „Likes“ erhielt. Mit der Zeit schafften die improvisierten Aktivisten von „Nee2015.lu“ aber den Sprung aus der virtuellen in die „reale“ Welt. Heute ist Keup, der im Gespräch einen durchaus entspannten, überlegten und fast schon schüchternen Eindruck macht, ein gefragter Mann. Er ist fast täglich unterwegs, um an Debatten teilzunehmen oder seine Flyer zu verteilen. Die Medien des Landes laden ihn zu Interviews oder Streitgesprächen ein. Und auch bei der ausländischen Presse ist er mittlerweile ein genehmer Ansprechpartner.

Warum das alles? Keup, der aus Kehlen stammt, in Mamer wohnt und am Escher Lycée Technique Geografie lehrt, hat auf diese Frage eine einfache Antwort parat. „Ich fühlte mich von der geballten Meinungsmacht und der unausgeglichenen Stimmung im Land gestört“, sagt er und meint die Kampagne für das Ausländerwahlrecht im Hinblick auf das Referendum am 7. Juni. Das Nein-Lager hätte anfangs außerhalb der Parteien in der Chamber kein Forum in der Debatte gehabt, so Keup. Dies wollte er ändern. Und man kann jetzt schon sagen, dass ihm das durchaus gelungen ist.

"Ich bin nur einer von vielen"

„Wenn man sich für das Nein ausspricht, wird man schnell als Extremist, Rassist oder Ähnliches abgestempelt“, behauptet Keup. Er erzählt auch von Anfeindungen und sogar offenen Drohungen gegen ihn und seine Mitstreiter. Alles in allem sei die Debatte für ihn bisher aber „zum Glück in zivilisierten Bahnen verlaufen“. Die vereinzelten radikalen bis rassistischen Äußerungen auf der Plattform „Nee2015.lu“ verurteilt er. „Wir wollen das nicht und löschen jegliche Kommentare, die für uns zu weit gehen.“

Andererseits wehrt er sich auch gegen die immer wieder aufkommenden „Vorverurteilungen“ seitens des „Ja“-Lagers. „Manche Leute wollen alle Gegner des Ausländerwahlrechts in die rechte, irrationale oder ungebildete Ecke drängen“, sagt er. Er hat gar eine „breite Front“ ausgemacht, die den Gegnern in der Debatte mit dem Generalverdacht des Rassismus „einen Maulkorb verpassen wollen“. Dabei sei er „nur einer von vielen“, die sich „mit nüchternen Argumenten“ gegen die „fundamentale und folgenreiche“ Reform des Wahlrechts aussprechen.

"Mir liegt die Zukunft des Landes am Herzen"

Sein Diskurs baut dabei nicht zuletzt auf einem Gegensatz zwischen der „Elite“ (laut Keup den geschlossenen Befürwortern des Ausländerwahlrechts in Politik, Medien und Wirtschaft) und der „Mehrheit im Volk“ auf. Ganz unbescheiden bezeichnet sich „Nee2015.lu“ nämlich selbst als die „politische Mitte“ des Landes. Auf Nachfrage sagt Keup auch, dass er sich keiner bestimmten Partei zugehörig fühlt. Auch würde er sich nicht unbedingt als „Patriot“ bezeichnen. „Mir liegt die Zukunft des Landes am Herzen“, formuliert er seine politische Grundüberzeugung. „Ich will nur vor den Konsequenzen warnen, die die Einführung eines Wahlrechts unabhängig der Nationalität auf mittelfristige Sicht gesehen mit sich bringen würde.“

"Das war alles nicht geplant": Fred Keup ist innerhalb von wenigen Wochen zum medial präsenten „Chef-Nein-Sager“ avanciert.
"Das war alles nicht geplant": Fred Keup ist innerhalb von wenigen Wochen zum medial präsenten „Chef-Nein-Sager“ avanciert.
Foto: Lex Kleren

Persönlich habe er dabei auch durchaus Verständnis für die Argumente der Pro-Seite. Er habe nichts gegen Ausländer und auch nichts gegen eine stärkere politisch-soziale Integration von Nicht-Luxemburgern. Bei allem Fortschritt müsse man aber die „Sorgen und Nöte der hier schon seit langem lebenden Menschen ernst nehmen“. Dabei gehe es auch nicht nur um die Luxemburger Identität, die Keup vor allem an der luxemburgischen Sprache festmacht, sondern auch um die Frage, ob das Land das unbegrenzte Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum auf Dauer aushalten könne. „In anderen Ländern, etwa der Schweiz, spricht man diese Probleme ganz offen an, warum nicht bei uns?“, fragt er sich.

Was passiert mit seiner Kampagne nach dem 7. Juni? Im Grunde sei seine Mission dann beendet, sagt der verheiratete Familienvater von zwei kleinen Kindern. Seine Frau und seine Freunde hätten ihn bisher immer sehr unterstützt, würden aber auch erwarten, dass sich sein plötzlicher Politaktivismus ab kommender Woche wieder in Grenzen hält. Ein weiteres Engagement will er aber dann doch nicht kategorisch ausschließen. Er werde weiter für seine Ideale eintreten, etwa wenn es um die Frage der Nationalitätenreform geht. Eine politische Karriere in einer Partei sei allerdings nicht sein Fall – „zumindest nicht in den nächsten zehn Jahren“.


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