Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Forderungen der Lehrer- und Schülervertreter an Claude Meisch
Politik 4 Min. 28.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Forderungen der Lehrer- und Schülervertreter an Claude Meisch

Lehrer, Eltern und Schüler blicken der Schulöffnung mit gemischten Gefühlen entgegen.

Forderungen der Lehrer- und Schülervertreter an Claude Meisch

Lehrer, Eltern und Schüler blicken der Schulöffnung mit gemischten Gefühlen entgegen.
Foto: Guy Jallay
Politik 4 Min. 28.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Forderungen der Lehrer- und Schülervertreter an Claude Meisch

Kinder des Zyklus 1 sollen zu Hause bleiben können und die Primaner sollen in der Woche des 4. Mai zwischen direktem und Fernunterricht wählen können, fordern die Lehrergewerkschaften und Schülerorganisationen.

(mig/C.) Lehrergewerkschaften, Elternvertreter und Schülervertreter treibt eine große Sorge um: Wie soll die Sicherheit und Gesundheit von Lehrenden und Lernenden sichergestellt werden?

Am Dienstag haben Schülerorganisationen und Gewerkschaften Bildungsminister Claude Meisch (DP) in einer gemeinsamen Stellungnahme dazu aufgerufen, die Schüler der Abschlussklassen "nicht dazu zu verpflichten, am Unterricht vom 4. bis 8. Mai physisch teilzunehmen". Man begrüße die geplanten sanitären Maßnahmen, um die Sicherheit der Schüler zu erhöhen. "Nichtsdestotrotz sollen die Schüler der Abschlussklassen nicht entgegen ihrer Ängste und Bedenken dazu gezwungen werden, sich durch den Aufenthalt im öffentlichen Transport oder in der Schule einem Infektionsrisiko kurz vor ihren Abschlussexamina auszusetzen." Verfasst ist die Stellungnahme von den Organisationen ACEN, AGESS, APESS, CNEL, Féduse/CGFP, SEW/OGBL und UNEL.


Liveticker: Päischtcroisière abgesagt
Nun ist es offiziell: Im Jahr 2020 wird keine Päischtcroisière stattfinden. Alle aktuellen Infos zur Krise im Ticker.

Die Gewerkschaft SPEBS-CGFP (Syndicat du personnel de l’Éducation nationale oeuvrant spécifiquement dans l’intérêt des élèves à besoins éducatifs spécifiques) richtete sich derweil Anfang der Woche in einem offenen Brief an den Bildungsminister mit dem Vorwurf, nicht in die Beratungen über die Wiederaufnahme des Schulunterrichts mit einbezogen worden zu sein. Das Syndikat weist darauf hin, dass es im Umgang mit Schülern, die besondere Bedürfnisse haben, äußerst schwierig sei, die Sicherheitsvorgaben des Ministeriums einzuhalten - die Abstandsregel zum Beispiel sei unter diesen besonderen Bedingungen kaum umsetzbar, da ein enger Kontakt bei solchen Schülern die Regel sei. Auch Atemschutzmasken seien problematisch, da beispielsweise schwerhörige Schüler zum Verständnis die Mundbewegungen ihrer Bezugspersonen sehen müssen.  

Das Syndicat national des enseignants (SNE) ist prinzipiell mit der Öffnung der Grundschulen einverstanden, sofern alle sicherheitsrelevanten Fragen geklärt sind. Das sei aber noch nicht der Fall. "Bei den Lehrern herrscht Verunsicherung und Angst, weil sie keine Informationen zur Wiederaufnahme des Schulbetriebs haben", sagte der Vorsitzende Patrick Remakel auf Nachfrage des "Luxemburger Wort" am Montag. 

SNE: Kein Unterricht im Zyklus 1 

Der SNE fordert überdies, den Unterricht im Zyklus 1 (die unter Sechsjährigen) nicht wieder aufzunehmen. Die Gewerkschaft wehrt sich auch gegen das Filmen des Unterrichts für Schüler, die aus Sicherheitsgründen zu Hause bleiben müssen. "Lehrer dürfen nicht dazu gezwungen werden", so Remakel. In diesen beiden Punkten sei man sich mit dem Bildungsminister noch uneins. Remakel fordert eine zügige Klärung dieser Punkte. 

Die Lehrergewerkschaft SEW/OGBL ist überzeugt, dass das Sicherheitskonzept in den Schulen, vor allem aber in den Maisons relais, in der geplanten Form gar nicht umsetzbar ist, "weil das dafür notwendige Personal fehlt", so der Vorsitzende Patrick Arendt am Dienstag auf Nachfrage des "Luxemburger Wort". "Das muss man auch so kommunizieren und die Maßnahmen dann an die Realität anpassen." 

Der SEW schlägt deshalb vor, auf das Splitting in A- und B-Gruppen zu verzichten und die Schüler im normalen Klassenverband zu unterrichten. Auf diese Weise könnten die verbleibenden sechs Schulwochen pädagogisch sinnvoller genutzt und Lernstoff effizienter aufgearbeitet werden, "dies natürlich im Respekt mit den sanitären Regeln", so Arendt.


Kinderärzte erwarten eine Welle von Eltern, die ein Attest haben wollen, damit ihre Kinder nicht zur Schule gehen müssen.
Kinderärzte: "Müssen lernen, mit dem Virus zu leben"
Viele Eltern wollen ihre Kinder aus Angst vor einer Ansteckung nicht zur Schule schicken und werden versuchen, ein Attest vom Kinderarzt zu bekommen.

Der SEW plädiert des Weiteren dafür, die Schulpflicht im Zyklus 1 aus sanitären Gründen aufzuheben, weil Lernen ohne Körperkontakt in dieser Altersgruppe nicht möglich sei, so der SEW-Vorsitzende. Für Kinder, die nicht zu Hause betreut werden können, sollte man die Klassen öffnen.

Wie der SNE ist auch der SEW skeptisch, was das Live-Streamen des Unterrichts betrifft. Das sei aus Datenschutzgründen fragwürdig, man bewege sich auf dünnem Eis. "Der Klassenraum ist ein geschützter Raum und muss ein geschützter Raum bleiben", so Patrick Arendt. Für den Heimunterricht von vulnerablen Kindern müssten andere Lösungen gefunden werden. 

Féduse: "Werden komplett ignoriert"

Am Wochenende hatte sich auch die Lehrergewerkschaft Féduse in einem Presseschreiben beklagt, von Bildungsminister Claude Meisch trotz ihrer repräsentativen Kraft "als Dialogpartner komplett ignoriert" zu werden. Nach einer langen "Funkstille" habe die Gewerkschaft erst am Freitag die Information erreicht, dass das Schuljahr für das Lehrpersonal in der Sekundarschule bis zum 17. Juli verlängert werden soll. 

Dies sei weder im Vorfeld mit der Gewerkschaft besprochen worden, noch sei man über die üblichen Kanäle darüber informiert worden. Die Gewerkschaft der Sekundarschullehrer empfindet dies als "großen Vertrauensbruch". Man sei nicht grundsätzlich gegen einen schrittweisen Anlauf des Schulbetriebs, allerdings gebe es noch viele unbeantwortete Fragen. Ein klärendes Gespräch mit Bildungsminister Claude Meisch sei daher dringend nötig.

Nationale Elternvertretung

Die nationale Elternvertretung (Fondamental und Secondaire) unter Präsident Alain Massen ist prinzipiell für eine Schulöffnung, sofern der Gesundheitsschutz gewährleistet ist. Die Entscheidung müsse auf wissenschaftlich-sanitären Kriterien beruhen, nicht auf ökonomischen, so die nationale Elternvertretung.  

Sie fordert das Tragen - "dans la mesure du possible" - von Schutzmasken auch im Klassensaal und Ausnahmen für kleine Kinder und Kinder mit spezifischen Bedürfnissen, "weil es schwierig bis unmöglich ist, den Mund- und Nasenschutz bei diesen Kindern umzusetzen", so Massen auf Nachfrage des "Luxemburger Wort". Bei Kindern bis sechs Jahre sollen die Eltern entscheiden können, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken oder nicht.    

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

"An geregelten Unterricht ist nicht zu denken"
Bildungsminister Claude Meisch (DP) ist um Beschwichtigung bemüht, doch die Infektionslage in den Schulen ist besorgniserregend, unabhängig davon, ob sich inner- oder außerhalb der Schule angesteckt wird.
Obwohl die Infektionszahlen steigen, sieht Bildungsminister Claude Meisch (DP) keine Notwendigkeit, an seinem Drei-Stufen-Plan etwas zu ändern.
Claude Meisch: "Wie im Science-Fiction-Roman"
Am 4. Mai betreten die ersten Schüler nach sieben Wochen "Hausarrest" erstmals wieder ihre Schule. Doch nichts wird so sein, wie es mal war. Ein Interview mit Bildungsminister Claude Meisch (DP).
Ungewohntes Bild: Alle Schüler und Lehrer müssen mit dem Mundschutz zur Schule und dürfen ihn nur im Klassenraum ablegen. Das gilt für Grund- und Sekundarschüler.
SNE fordert Verbesserungen im Grundschulwesen
Die Lehrergewerkschaft SNE hat sich bei ihren Mitgliedern umgehört, wo der Schuh drückt. Die Gewerkschaft hat die Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge in einem Lastenheft gebündelt und am Mittwoch vorgestellt.
Primärschule Cycle 4 in Lallingen Esch Alzette. Foto: Guy Wolff