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Fondation Idea über „unschuldige Lügen“ zur Wohnungsmarktsituation
Politik 3 Min. 28.06.2022
Wohnungsbaupolitik unter der Lupe

Fondation Idea über „unschuldige Lügen“ zur Wohnungsmarktsituation

Mit ihrem Sammelband „La politique du logement“ möchte die Fondation Idea die Debatte über die Lage auf dem Luxemburger Wohnungsmarkt am Laufen halten und für mehr Klarheit sorgen.
Wohnungsbaupolitik unter der Lupe

Fondation Idea über „unschuldige Lügen“ zur Wohnungsmarktsituation

Mit ihrem Sammelband „La politique du logement“ möchte die Fondation Idea die Debatte über die Lage auf dem Luxemburger Wohnungsmarkt am Laufen halten und für mehr Klarheit sorgen.
Foto: Gerry Huberty
Politik 3 Min. 28.06.2022
Wohnungsbaupolitik unter der Lupe

Fondation Idea über „unschuldige Lügen“ zur Wohnungsmarktsituation

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Fondation Idea räumt in einem neuen Sammelband mit „gängigen, aber falschen Glaubenssätzen über die reale Wohnungsmarktsituation“ auf.

Der von der Handelskammer 2013 initiierte Thinktank Idea befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema Wohnungsbau und hat schon etliche Publikationen dazu herausgegeben. „Wir stellen fest, dass wir sehr erfolgreich waren, was unsere Vorhersagen in diesem Bereich betrifft, aber leider nicht sehr erfolgreich in Sachen Überzeugung“, sagte Michel-Edouard Ruben, Senior Economist bei Idea am Dienstag bei einer Pressekonferenz. 

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt bereite den Menschen große Sorgen, „aber wir stellen fest, dass die Problematik nicht unbedingt verstanden wird“, so Ruben. 


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Um für mehr Klarheit in der Debatte zu sorgen, hat die Fondation Idea einen Sammelband (La politique du logement) herausgegeben, mit Texten zu relevanten Aspekten. Sie dienen als Grundlage für eine öffentliche Debatte, die Idea am 6. Juli mit Wohnungsbauminister Henri Kox (Déi Gréng) führen wird und die für jedermann zugänglich ist. Der Sammelband kann kostenlos auf der Internetseite von Idea heruntergeladen werden

Die tatsächliche Wohnungsmarktsituation ist vielen nicht bekannt und wird häufig nicht besonders gut verstanden.

Michel-Edouard Ruben, Idea

Unschuldige Lügen 

Im ersten Beitrag möchten die Verantwortlichen des Thinktanks mit gängigen, aber aus ihrer Sicht falschen Glaubenssätzen in Bezug auf die Wohnungsmarktsituation aufräumen. Ruben bezeichnet sie als „unschuldige Lügen“, die in den Debatten ständig wiederkehren. 

Ein solcher Glaubenssatz lautet: Die Gesamtsituation ist sehr schlecht. Idea erinnert daran, dass der Staat jedes Jahr rund 800 Millionen Euro an Hilfen ausgibt, um den Kauf eines Eigenheims zu ermöglichen, dass die Hälfte der Eigentümer keinen Bankkredit zu tilgen hat und etwa 52 Prozent in einer unterbelegten Wohnung leben. Wenn es also im Statec-Bericht (Travail et cohésion sociale, 2021) heißt, acht von zehn Haushalten hätten finanzielle Sorgen wegen ihrer Wohnsituation, dann scheine das etwas übertrieben, heißt es in dem ersten Beitrag. 

Attraktiver Wohnort 

Idea relativiert die Aussage, in Luxemburg fehlten mehrere Zehntausend Wohnungen und dass aus diesem Grund immer mehr Einheimische sich im Grenzgebiet niederlassen. Wenn das stimmen würde, hätten Zehntausende Menschen kein Dach über dem Kopf, zitierte Ruben aus dem Sammelband.

Die Fondation Idea hat die Zahlen zur demografischen Entwicklung analysiert und festgestellt, dass sich zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 10.000 Luxemburger im Grenzgebiet der drei Nachbarländer und im gleichen Zeitraum 21.000 Ausländer in Luxemburg niedergelassen haben. Idea schließt daraus, dass Luxemburg eher ein attraktiver Wohnort ist als ein unbezahlbarer, der mehr und mehr verlassen wird. 


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Bis 2026 sollen die öffentlichen Bauträger 4.420 erschwingliche Wohnungen fertigstellen. Das geht aus dem Bericht 2021 des Wohnungsbauspezialfonds hervor.

Ein dritter Glaubenssatz, den Idea infrage stellt, ist die Aussage, dass die Probleme gelöst seien, wenn mehr gebaut würde. Aufgrund der starken demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung Luxemburgs sei nicht davon auszugehen, dass der massive Bau von Wohnungen einen Impakt auf die Preisentwicklung haben werde. 

700.000-Einwohnerstaat wird 2026 Realität

In Bezug auf die demografische Entwicklung müsste der 700.000-Einwohnerstaat 2026 Wirklichkeit werden, schreibt Idea und beruft sich dabei auf Projektionen des Statec. 7.340 Wohnungen seien pro Jahr nötig, um diese Entwicklung zu begleiten. Das seien 30 Prozent mehr als pro Jahr an Baugenehmigungen erteilt würden, gibt der Thinktank zu bedenken. 

Im Sammelband listet Idea eine Reihe von Vorschlägen an die politisch Verantwortlichen auf. Die Stiftung rät zu einer Evaluierung und Rationalisierung der staatlichen Fördergelder, zu einer kohärenten Steuerpolitik und sie fordert Reglementierungen, die den Zugang zu Wohnraum fördern

Eine starke wirtschaftliche Entwicklung wird möglich sein, aber mit anderen Maßnahmen als in den vergangenen 30 Jahren.

Vincent Hein, Idea

Im Herbst wird Idea eine größere Studie veröffentlichen, „an der wir seit zwei Jahren arbeiten“, so Vincent Hein von Idea. Sie befasst sich mit der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bis 2050. Entwickelt werden zwei Modelle, verbunden mit der Frage der Flächennutzung, der Frage also, inwiefern Luxemburg diese Entwicklung vom territorialen Standpunkt her schafft.

„Wir werden Lösungen vorschlagen, beim Wohnungsbau, der Mobilität, der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und der ökologischen Transition“, erklärte Hein. „Eine starke wirtschaftliche Entwicklung wird möglich sein, aber mit anderen Maßnahmen als in den vergangenen 30 Jahren.“ 


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Mit Blick auf die Wahlen 2023 will Idea Muriel Bouchet zufolge für weitere Denkanstöße sorgen – mit Beiträgen unter anderem zur energetischen Transition, zur Bildung und zum Rentensystem.

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