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Flüchtlingspolitik: Viel Platz im Abschiebezentrum
Politik 3 Min. 18.07.2017

Flüchtlingspolitik: Viel Platz im Abschiebezentrum

 Die "Structure d’hébergement d’urgence au Kirchberg" wurde in der ehemaligen Halle 6 der Ausstellungshallen in Kirchberg eingerichtet.

Flüchtlingspolitik: Viel Platz im Abschiebezentrum

Die "Structure d’hébergement d’urgence au Kirchberg" wurde in der ehemaligen Halle 6 der Ausstellungshallen in Kirchberg eingerichtet.
Foto: Pierre Matgé
Politik 3 Min. 18.07.2017

Flüchtlingspolitik: Viel Platz im Abschiebezentrum

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Seit die "Structure d’hébergement d’urgence au Kirchberg" am 1. April ihre Tore eröffnet hat, wurden 239 Personen, die keine Chance auf Asyl haben, dort untergebracht. 113 haben sich auf Nimmerwiedersehen verabschiedet.

(DS) - Weil die regulären Flüchtlingsunterkünfte überlastet waren, hat die Regierung Anfang des Jahres in der ehemaligen Halle 6 der Ausstellungshallen auf Kirchberg eine neue Struktur aufgebaut, die "Structure d’hébergement d’urgence au Kirchberg" (SHUK). Dort werden Migranten untergebracht, die keine Chance auf Asyl haben und deshalb in ihre Heimatländer oder aber in die europäischen Länder zurückgeschickt werden, in denen sie ihren ersten Asylantrag gestellt hatten.

Am 1. April nahm das Abschiebezentrum den Betrieb auf. Seither wurden 239  Personen dort untergebracht. Allerdings konnten nicht alle außer Landes gebracht werden: 37 Personen wurden erst gar nicht vorstellig und weitere 113 haben das SHUK verlassen und sind seither nicht mehr zurückgekehrt.

Seit Anfang des Jahres haben laut Außenminister Asselborn 1.211 Personen in Luxemburg um Asyl gebeten.
Seit Anfang des Jahres haben laut Außenminister Asselborn 1.211 Personen in Luxemburg um Asyl gebeten.
Foto: Anouk Antony

"Diejenigen, die trotz Vorladung nicht erscheinen oder diejenigen, die das Zentrum verlassen und nicht mehr zurückkommen, werden unverzüglich bei der Polizei gemeldet", erklärte Außen- und Immigrationsminister Jean Asselborn am Dienstag gegenüber Journalisten. Wenn die Polizei sie ausfindig machen kann, werden sie bis zur ihrer endgültigen Abschiebung in das "Centre de rétention" gebracht, weil sie sich illegal im Land aufhalten.  Das "Centre de rétention" verwaltet übrigens das SHUK. 

Das SHUK ist als  halboffene Struktur konzipiert, das heißt, die Insassen werden nicht eingesperrt. Sie dürfen das Zentrum zwischen 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends verlassen. Nur die Nacht müssen sie  in der Halle verbringen. Im Durchschnitt bleiben sie 31 Tage in der ehemaligen Ausstellungshalle. 

Diejenigen, die trotz Vorladung nicht erscheinen, oder diejenigen, die das Zentrum verlassen und nicht mehr zurückkommen, werden unverzüglich bei der Polizei gemeldet."

59 Insassen

Dort, wo noch bis Ende 2016 eine Notaufnahme für Flüchtlinge untergebracht war, ist es im Moment recht leer. Am Dienstag lebten gerade einmal 59 Männer im SHUK. Bei den meisten von ihnen handelt es sich laut Aussagen des Außenminister um so genannte "Dubliners", die bereits in anderen europäischen Ländern um Schutz gebeten hatten. Viele von ihnen kommen aus Marokko, Georgien, Algerien oder aber aus Albanien.

Nachdem die Notunterkunft aufgegeben worden war, wurde die Halle neu eingerichtet. Heute gibt es insgesamt vier Blöcke, die voneinander abgetrennt sind, um den abgelehnten Asylbewerbern etwas mehr Privatsphäre zu geben. In jedem Block stehen vier bzw. fünf Zelte mit jeweils zwölf Betten. Bei voller Belegung bietet das SHUK Platz für 216 Personen.

In den Zelten gibt es Wifi-Anschluss und Steckdosen zum Aufladen der Handys. Direkt vor der Halle befinden sich die Sanitäranlagen und die Container mit den Waschmaschinen und den Trocknern, die die Insassen zu jeder Zeit nutzen können. In der Halle gibt es neben den Zelten noch einen Aufenthaltsraum, wo sie Tischtennis oder Kicker spielen können.

"Zu größeren Vorfällen kam es seit April noch nicht", erklärt die Direktorin der "Structure d’hébergement d’urgence", Nora Scholtes. Insgesamt verlaufe der Alltag in dem Zentrum problemlos.

143 Asylbewerber im Juni

Im Rahmen der Visite des SHUK gab Außenminister Jean Asselborn auch die neusten Flüchtlingszahlen bekannt. Im Juni haben 143 Personen einen Antrag auf Asyl gestellt, 56 weniger als noch im Mai. Seit Jahresanfang hat die Immigrationsbehörde 1.211 Flüchtlinge registriert. 57 kamen aus Afrika, 35 aus Asien und 51 aus den verschiedenen europäischen Ländern. Das größte Kontingent stellten die Albaner (18), gefolgt von den Serben (15) und den Syrern (15).

Der Flüchtlingszustrom aus Syrien hat deutlich nachgelassen und auch  aus dem Irak und aus Afghanistan kamen nur noch zwei Asylbewerber. Über das ganze Jahr gesehen, stellen die Syrer mit 200 Antragstellern aber weiterhin die größte Flüchtlingsgruppe.

Seit Januar hat die Immigrationsbehörde 1.848 Dossiers abschließend bearbeitet. 475 Personen wurden als Flüchtlinge anerkannt (25,7 Prozent). 351 Antragstellern wurde das Flüchtlingsstatut verwehrt. 861 Personen fielen unter das Dublin-III-Abkommen, das heißt, sie werden in die Länder zurückgeschickt, in denen sie zum ersten Mal um Asyl gebeten hatten.


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