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Flavio Becca: Uhrenprozess hat begonnen
Politik 2 Min. 12.01.2021

Flavio Becca: Uhrenprozess hat begonnen

Flavio Becca sieht sich derzeit vor Gericht mit der Frage konfrontiert, warum der Erwerb zahlreicher Luxusuhren durch ihn und seine Firmen nicht nachvollzogen werden kann.

Flavio Becca: Uhrenprozess hat begonnen

Flavio Becca sieht sich derzeit vor Gericht mit der Frage konfrontiert, warum der Erwerb zahlreicher Luxusuhren durch ihn und seine Firmen nicht nachvollzogen werden kann.
Foto: Guy Jallay/LW-Archiv
Politik 2 Min. 12.01.2021

Flavio Becca: Uhrenprozess hat begonnen

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Im Geldwäscheprozess gegen Flavio Becca dreht sich am ersten Verhandlungstag alles um die Art der Anschaffung von über 800 Luxusuhren.

Am Dienstag musste sich der Unternehmer Flavio Becca vor der 12. Strafkammer am hauptstädtischen Bezirksgericht präsentieren. Dem 58-Jährigen werden Missbrauch von Unternehmensvermögen und Geldwäsche vorgeworfen. Konkret geht es um den Erwerb von 842 Luxusuhren im Wert von knapp 18 Millionen Euro, der auch nach dem ersten Verhandlungstag noch ziemlich undurchsichtig erscheint. 

Becca erklärte, dass seine Familie bereits in der dritten Generation Armbanduhren sammele. Ein Teil der kostspieligen Zeitmesser sei in seinem Namen und ein anderer über mehrere seiner Firmen erworben worden. Auf die Frage des Richters, ob auch Becca selbst einige der Armbanduhren im Geschäft gekauft habe, meinte dieser, dass dies durchaus der Fall gewesen sein könnte. 

Rücksicht auf Radsport 

Nach Becca war es am ersten Zeugen, seine Aussage zu machen. Dabei handelte es sich um einen der für die Ermittlungen zuständigen Polizisten, der mittlerweile pensioniert ist. Er gab Erklärungen zum Vorgehen der Polizei ab. Diese wurde Anfang 2011 mit den Ermittlungen beauftragt, nachdem der Steuerverwaltung Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren. Die zu Beccas Unternehmensimperium gehörenden Firmen Europoint, Eurofoot und Eurofresh hatten mehrere Transaktionen als „Frais de cadeaux“ verbucht, wollten aber nicht verraten, an wen diese Geschenke gegangen waren. Daraufhin reichte die Steuerverwaltung Klage ein und die Polizei wurde Anfang 2011 mit einer Untersuchung beauftragt. Es sollte allerdings bis zum 20. September 2011 dauern, bis es an mehreren Orten zu Hausdurchsuchungen kam. 

Diese ziemlich lange Zeitspanne wurde damit begründet, dass in der Presse Gerüchte kursierten, dass auch das damals existierende Radsportteam Leopard Trek involviert sei. Obwohl es dafür keine Beweise gab, habe man entschieden die Durchsuchungen  erst nach der Tour de France durchzuführen, um die sportlichen Aussichten der Schleck-Brüder nicht zu gefährden. 

Bei der Durchsuchung habe man in einem geschützten Raum etwas mehr als 600 Uhren gefunden. Problematisch sei gewesen, dass diese sich nicht mehr in den ursprünglichen Kisten, sondern in Schubladen befanden. Deswegen hätten die Uhren nicht immer genau identifiziert werden können, weil sich das entsprechende Zertifikat normalerweise in der Schachtel und die Seriennummer im Innern des Gehäuses befänden. 

200 Uhren in der Familie verteilt 

Nach genauerer Überprüfung der Rechnungen sei dann aufgefallen, dass nicht etwas mehr als 600, sondern über 800 Uhren von den Firmen gekauft wurden. Becca habe auf Nachfrage bestätigt, dass rund 200 Uhren in der Familie verteilt wurden. Dabei handelte es sich jedoch um weniger kostbare Exemplare. 


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Schwieriger gestaltete sich die Rückverfolgung des Erwerbs der Uhren. Diese wurden bei rund 70 Händlern, vorwiegend aus dem Ausland, gekauft. Wegen des hohen Aufwands habe man sich auf die zehn größten Händler beschränkt. Diese hätten sich zumeist wenig kooperativ gezeigt. Bei einem Händler aus Paris habe auf der Rechnung lediglich „Marchandise enlevée“ gestanden, angeblich auf Bitte eines Mitarbeiters von Becca. Obwohl dieser gegenüber der Polizei zunächst jeden Kontakt bestritten hatte, stellte sich später heraus, dass es doch zu einem E-Mail-Austausch gekommen war. 

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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