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"Finger weg von Afghanistan ist keine Option"
Politik 2 Min. 25.08.2021
Asselborn und Bausch

"Finger weg von Afghanistan ist keine Option"

Verteidigungsminister Bausch (l.) und Außenminister Asselborn betonten die notwendige internationale Zusammenarbeit.
Asselborn und Bausch

"Finger weg von Afghanistan ist keine Option"

Verteidigungsminister Bausch (l.) und Außenminister Asselborn betonten die notwendige internationale Zusammenarbeit.
Foto: Anouk Antony
Politik 2 Min. 25.08.2021
Asselborn und Bausch

"Finger weg von Afghanistan ist keine Option"

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Der Außenminister und der Verteidigungsminister informierten die Presse über den Stand der Evakuierungsmission aus Kabul.

Am Mittwoch um 13 Uhr traten Außenminister Jean Asselborn und Armeeminister François Bausch vor die Presse um über den laufenden Evakuierungseinsatz aus Afghanistan zu berichten. Zuvor hatte Premier Bettel aus dem Ministerrat zu den Themen Covid und Hochwasser berichtet. 

Asselborn erklärte, insgesamt 15 Flüchtlinge mit Ziel Luxemburg seien mittlerweile sicher in Melsbroek gelandet. Darunter befänden sich sieben von neun Menschen, die auf der „Luxemburger Evakuierungsliste“ standen, unter anderem eine Luxemburger Familie mit drei Kindern. Die beiden anderen Personen der Liste seien in den Niederlanden bzw. in Frankreich gelandet. Ebenfalls in Melsbroek angekommen sei eine Richterin, die in Afghanistan in akuter Lebensgefahr war, mit ihrer Familie. 


TOPSHOT - In this handout image courtesy of the US Marine Corps, Families begin to board a US Air Force Boeing C-17 Globemaster III during an evacuation at Hamid Karzai International Airport, Kabul, Afghanistan, August 23, 2021. (Photo by Samuel RUIZ / US MARINE CORPS / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / SAMUEL RUIZ / US MARINE CORPS " - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Flüchtige aus Luxemburg gut in Europa gelandet
Die Flüchtlinge mit Luxemburger Bezug sind gut in Europa angekommen. Insgesamt ist die Rede von 15 Menschen.

Die Luxemburger Botschaft hat einen Bus bereitgestellt, der die Gruppe nach Luxemburg fährt, dort kümmere sich dann die Direction de l'immigration um sie.

Asselborn wie auch Verteidigungsminister Bausch betonten, dass die Situation in Kabul extrem kompliziert und nur durch gute internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit Belgien und den Niederlanden, aufzulösen war. „Das Problem waren nicht Flugzeuge oder Plätze in Flugzeugen, sondern der Zugang zum Flughafen“, so Asselborn. „Die Familie ist dreimal zum Flughafen gefahren und zweimal weggeschickt worden, mit allen Konsequenzen, vor allem für die Kinder.“ 

Erst in der Nacht von Montag auf Dienstag sei es dann mit Hilfe aus Belgien gelungen, den Menschen Treffpunkte zu nennen und sie in den Airport zu holen, wo sich dann alles wegen der nötigen Personenkontrollen weiter verzögert habe. 

„Nicht ans Luxemburger Image gedacht“

Bausch erklärte die Logistik hinter der Evakuierung, ebenfalls im europäischen Kontext. „Das kam in den vergangenen Tagen etwas kurz: Luxemburg ist eingebettet in eine europäische Struktur, die nur zusammen etwas erreichen kann“, so der Verteidigungsminister. 


143 Privatleute aus 30 Gemeinden des Landes haben bislang Beihilfen angefragt.
100 Millionen Euro für Überschwemmungsopfer vorgesehen
Premierminister Bettel zieht erste Zwischenbilanz des Hochwassers mit Schadensschätzungen. Eine Analyse mit Verbesserungen wird in zwei Wochen vorgestellt.

Es stelle sich nicht die Frage nach nationalen Interessen oder wem genau welches Flugzeug gehöre: „Wir haben in Zusammenarbeit mit sieben Ländern  10.000 Menschen in einer Woche evakuieren können, unter extremen Bedingungen“ sagte Bausch und machte klar: „Wir haben in den letzten neun Tagen an vieles gedacht, aber nicht an Luxemburgs Image“. Zurzeit befinden sich noch zwei Luxemburger, ein Offizier der Armee und ein Mitarbeiter des Außenministeriums, in Islamabad, wo sie bei der Koordination aushelfen. Sie sollen in den nächsten Tagen nach Luxemburg zurückkehren. 

„Finger weg!“ ist keine Option

Jean Asselborn erinnerte an den historischen Kontext der Afghanistan-Mission. Es sei 2001 das erste Ziel gewesen, Kabul zu stabilisieren, den Afghanen die Möglichkeit zu geben, ihr Land zu befrieden. Seit 2004 habe das Land eine moderne Verfassung, auch sonst seien die Elemente für ein stabiles Land vorhanden gewesen. Vielleicht sei das europäische Modell des „nation building“ nicht so einfach wie gedacht auf Länder wie Afghanistan zu übertragen. 

Wir haben Frauen Selbstvertrauen gegeben, so dass sie sich nicht von 'Leuten mit Bart' sagen lassen wollen, wie sie zu leben haben.

Asselborn wurde deutlich: „Die Alternative hätte in den vergangenen 20 Jahren aber auch nicht 'Finger weg!' lauten können!“ Diese 20 Jahre, die mit großen Opfern verbunden waren - Asselborn nennt 4.000 gefallene westliche Soldaten - seien nicht umsonst gewesen: „Wir haben die Lebenserwartung in Afghanistan gesteigert, wir haben Frauen Selbstvertrauen gegeben, so dass sie sich nicht ohne Reaktion von 'Leuten mit Bart' sagen lassen wollen, wie sie zu leben haben. Wir müssen Wege finden, diese Katastrophe zu verhindern, einen Rückfall in die Zeit vor 2001 zu verhindern.“ 

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