Wählen Sie Ihre Nachrichten​

FHL zum neuen Spitalgesetz: Kein Verständnis für Ärger der Ärzte
Politik 2 Min. 06.03.2017 Aus unserem online-Archiv

FHL zum neuen Spitalgesetz: Kein Verständnis für Ärger der Ärzte

Die Vertreter der vier Spitalgruppen wollen die Krankenhausärzte stärker in die Organisation der Spitäler einbinden.

FHL zum neuen Spitalgesetz: Kein Verständnis für Ärger der Ärzte

Die Vertreter der vier Spitalgruppen wollen die Krankenhausärzte stärker in die Organisation der Spitäler einbinden.
Foto: Guy Jallay
Politik 2 Min. 06.03.2017 Aus unserem online-Archiv

FHL zum neuen Spitalgesetz: Kein Verständnis für Ärger der Ärzte

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die "Fédération des hôpitaux luxembourgeois" ist der Ansicht, dass das neue Spitalgesetz in die richtige Richtung geht. Sie begrüßt, dass die Rolle der Krankenhausleitungen gestärkt wird, und will, dass die Ärzte stärker in die Organisation der Spitäler eingebunden werden.

(mig) - Die "Fédération des hôpitaux luxembourgeois" ist generell zufrieden mit der Ausrichtung des geplanten Spitalgesetzes. Das Gesetz aus dem Jahr 1998 sei veraltet, der letzte Spitalplan sieben Jahre alt. "Es ist höchste Zeit, dass etwas passiert", sagte der Vorsitzende Paul Junck am Montag bei einer Pressekonferenz  zum  Reformprojekt 7056.

Das Bild, das die Vertreter der Krankenhäuser zeichneten, ist sehr klar: Patienten und Ärzte haben immer mehr Rechte erhalten, die Spitaldirektionen immer mehr Pflichten, "ohne jedoch darüber entscheiden zu können, was in den Spitälern passiert", so Paul Junck. Angesichts neuer Herausforderungen und immer komplexerer organisatorischer Abläufe, mit denen die Spitäler konfrontiert seien, möchte die FHL das Gleichgewicht wiederherstellen und für eine bessere Vernetzung zwischen Patient, Krankenhaus und Arzt sorgen.

Nach Ansicht der FHL ebnet das neue Spitalgesetz den Weg, um dieses  Gleichgewicht wiederherzustellen. So begrüßt die Krankenhausföderation die im Gesetz vorgesehene Stärkung der Rolle und der Mission der Krankenhausdirektionen. "Wir erhalten mehr Handhabe", so der FHL-Vorsitzende.

"Ärzte behalten ihre Rechte"

Was die Krankenhausärzte angeht, steht für die FHL fest, dass diese auf keinerlei Rechte verzichten sollten, auch die therapeutische Freiheit müsse unbedingt gewahrt bleiben. Dennoch möchten die Krankenhausvertreter, dass die Ärzte enger in die Organisation und die Prozesse der Spitäler eingebunden werden. 80 Prozent der Fehler in den Krankenhäusern seien der Organisation geschuldet, sagte Marc Graas, FHL-Vizepräsident und Generaldirektor des "Centre hospitalier neuro-psychiatrique" in Ettelbrück. "Die Ärzte müssen sich als aktiver Partner an der Organisation beteiligen, sonst können wir den Patienten keine Sicherheit garantieren."

In diesem Sinne fordert die FHL eine "Neudefinition der Rolle der Ärzte". Manche Ärzte würden "therapeutische Freiheit" mit "organisatorischer Freiheit" verwechseln. "Wir wollen einfach nur, dass die Krankenhausprozeduren eingehalten werden", so Paul Junck.

Das neue Spitalgesetz hat in den vergangenen Wochen bei den Ärzten für viel Diskussionsstoff gesorgt. Die Ärztevereinigung AMMD wehrt sich gegen die Reform und hat Proteste angekündigt. Die Krankenhausvertreter können die Aufregung nicht verstehen, "zumal die Ärzte ihre Rechte behalten". "Die Ärzte haben bereits heute eine starke Position in den Krankenhäusern. Die will ihnen niemand wegnehmen", so Marc Graas.

Nomenklatur anpassen

Andererseits fordert die FHL aber auch eine Aufbesserung der Bezahlung der Krankenhausärzte für Leistungen, "für die sie heute nicht bezahlt werden". Als Beispiel nannte Junck den Bereitschaftsdienst, den Notdienst oder auch die Teilnahme an medizinischen Gremien.

Von den Ärzten erwarten die Krankenhäuser auch, dass sie bezüglich der Anschaffung von medizinischem Material untereinander einen Konsens finden, "den wir dann gemeinsam umsetzen", so Paul Junck, "im Sinne der Transparenz und zum Besten der Patienten".

Keine Begeisterung für Kompetenzzentren

Für die geplante Schaffung von so genannten Kompetenzzentren kann sich die FHL nicht begeistern. Die Krankenhausföderation sieht darin keinen Mehrwert. Vieles sei unklar. Außerdem würde die heutige Organisationsstruktur der Krankenhäuser ein solches Modell gar nicht erlauben, meinte Junck.

Die Gespräche über das neue Spitalgesetz sind noch nicht abgeschlossen. Am 9. März trifft sich Gesundheitsministerin Lydia Mutsch mit der AMMD, ein Treffen mit der Krankenhausföderation ist für den 17. März geplant.






Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Umstrittenes Spitalgesetz: Dialog statt Arbeitskampf
Der Konflikt schwelt seit Wochen. Die Ärztevereinigung AMMD übt scharfe Kritik am neuen Spitalgesetz von Ministerin Lydia Mutsch. Ob es zum Streik, zum Boykott oder neuen Verhandlungen kommt, stand am Mittwoch zur Diskussion.
"Unsere Forderungen sind legitim", so Alain Schmit, Präsident der Ärztevereinigung AMMD.
Der Kommentar: Nicht nur ein Symptom
Der Konflikt zwischen der Ärztevereinigung AMMD und Ministerin Lydia Mutsch ist nicht nur ein Symptom von Kommunikationsproblemen. Markige Sprüche sind das Zeichen eines tieferen, ideologischen Grabens.