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Festakt in der Philharmonie und 21 Salutschüsse
Politik 159 1 6 Min. 23.06.2019

Festakt in der Philharmonie und 21 Salutschüsse

Das großherzogliche Paar bei seiner Ankunft vor der Philharmonie in Kirchberg.

Festakt in der Philharmonie und 21 Salutschüsse

Das großherzogliche Paar bei seiner Ankunft vor der Philharmonie in Kirchberg.
Laurent Blum
Politik 159 1 6 Min. 23.06.2019

Festakt in der Philharmonie und 21 Salutschüsse

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Die zivile Feier zum Nationalfeiertag stand im Zeichen des Gedenkens an den kürzlich verstorbenen Großherzog Jean. Beschworen wurden der Zusammenhalt der Nation und Europas angesichts großer Herausforderungen.

Es ist der erste Nationalfeiertag der neuen Regierung und das Programm hält sich ganz an die mittlerweile schon Traditionen, die die Dreierkoalition bei ihrem ersten Antritt nach den Wahlen von 2013 einführten. So verlief am Sonntag auch die zivile Feier nach bereits bekanntem Muster: Im prachtvoll in den Landesfarben geschmückten Saal der Philharmonie halten der Premierminister, der Parlamentspräsident und der Großherzog  ihre Reden und zeichnen verdiente Bürger aus - musikalisch untermalt vom OPL und den Stimmen von Pueri Cantores sowie dem Kammerchor des hauptstädtischen Konservatoriums.

Ganz dunkler Tag in der Geschichte der Armee

Stehende Ovationen und ergreifende Momente erlebte man, als es zu den Auszeichnungen kam, die im Zusammenhang mit der tragischen Explosion im Waffendepot der Armee am 14. Februar standen. "Wir kommen jetzt zu einem Teil dieser Zeremonie, der eine große Trauer, Schmerz und schwere Momente im Leben von vielen Menschen ausgelöst hat", sagte Premierminister Xavier Bettel sichtlich ergriffen. "Durch eine unkontrollierte Explosion einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Waldhaff hat der Minenräumdienst der Armee zwei Mitglieder verloren, die für immer in unserer Erinnerung bleiben - es waren zwei außergewöhnliche Menschen", beschrieb Bettel Adjutant-Major Luc Derneden, der nur 48 Jahre alt wurde, sowie Adjutant-Chef Mike van de Berg, der mit 40 Jahren auf diese grausame Weise ums Leben kam

Dass der Zweite Weltkrieg noch 75 Jahre danach zwei Soldaten zu Kriegsopfern macht, habe sich vor dem 14. Februar niemand vorstellen können, so Bettel. Großherzog Henri überreichte der Witwe von Luc Derneden, Nathalie Derneden sowie den Eltern von Mike van de Berg die höchste militärische Auszeichnung, die posthum vergeben werden kann - das "Croix d'Honneur et de Mérite militaire en vermeil avec palmes". 

Stehende Ovationen für mutige Soldaten

Mit Adjutant-Chef Joe Cottong und Adjutant-Major Remy Eiffes wurden zwei weitere Mitglieder des Minenräumdienstes geehrt: Cottong wurde beim Vorfall auch verletzt und erhielt das "Croix d'Honneur et de Mérite militaire en vermeil", Eiffes bekam den Orden des "Chevaliers de l'Ordre de la Couronne de Chêne". Er hatte mit seinem mutigen Einsatz seinen beiden Kollegen Adjutant-Major John Lanser, dem Bettel "Mut auf dem Weg zur Besserung" wünschte, und Cottong das Leben gerettet. Auch ihre Auszeichnungen wurden mit langen stehenden Ovationen bedacht.    

Zu Ehren kamen dieses Jahr dann auch der Sportler Tom Habscheid ("Chevalier" im Ordre de Mérite), der sich in der Leichtathletik der Menschen mit Behinderung international einen Namen gemacht hat und große Erfolge feiert. Für seinen karitativen Einsatz wurde der Gründer der Association Luxembourg Alzheimer (ALA) ausgezeichnet: Paul Diederich erhielt für seinen über 30-jährigen Einsatz den "Commandeur de l'Ordre de la Couronne de Chêne". 

Aus der Welt der Wirtschaft waren die Geehrten Bob Kneip ("Officier" im Ordre de Mérite) von "Kneip Communication", der mittlerweile in 50 Ländern Berichte für mehr als 10.000 Fonds anfertigt, der langjährige Präsident des OGBL und der Arbeitnehmerkammer, Jean-Claude Reding ("Commandeur" in der Couronne de Chêne) sowie Michel Wurth, ehemaliger Direktor von ArcelorMittal sowie Präsident der Handelskammer und des Unternehmerverbands UEL, der den Sozialdialog im Land über Jahrzehnte mit geprägt hat. 

Für ihre Verdienste in der  Medien- und Filmwelt wurden mit Frank Elstner ("Commandeur" im Ordre de Mérite) und Désirée Nosbusch ("Officier" im Ordre de Mérite) zwei Personen ausgezeichnet, die ihre Karrieren bei RTL starteten. Elstner wurde als Journalist, Animateur und TV-Produzent geehrt und Nosbusch als Schauspielerin. Der 85-jährige Fernand Fox ("Commandeur" im Ordre de Mérite), der laut Bettel "präsent auf allen Bühnen Luxemburgs" war, wurde für sein Lebenswerk gewürdigt.



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Ihre Reden begannen sowohl Premier Bettel als auch Großherzog Henri mit ihrem Gedenken an Alt-Großherzog Jean. Bettel hob den regelmäßigen Austausch über die europäische und internationale Politik hervor. "Großherzog Jean hat den Finger in Wunden gelegt und Fragen gestellt, die einen zum Nachdenken brachten und die einen lange beschäftigten. Man hat klar verstanden, um was es ihm ging:  Wir sollen nicht vergessen, wie es zur größten Katastrophe auf unserem Kontinent gekommen ist, wie es anfing und zu was es geführt hat." 

Er fühle sich persönlich gegenüber Großherzog Jean und gegenüber allen Luxemburgern und Alliierten, die damals ihr Leben ließen, verantwortlich, sich für die Werte einzusetzen, für die die Vorfahren gekämpft haben. "Großherzog Jean hat mich daran erinnert, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ich als liberaler Politiker, der Vorfahren mit katholischem, orthodoxem, jüdischem oder gar keinen Glauben hat und der mit einem Mann verheiratet ist heute hier vor Ihnen stehen kann", sagte Bettel. 

Großherzog Henri betonte: "Es liegt mir heute am Nationalfeiertag am Herzen, Ihnen mein Gefühl von großer Dankbarkeit auszudrücken." Er hob all die Menschen hervor, die dazu beitrugen, dass die Begräbnisfeier zu einem großen Moment der Verbundenheit und einer würdigen Hommage an Großherzog Jean wurde. "Ihnen allen will ich sagen, wie gut uns Ihre Präsenz und Unterstützung in diesen Tagen getan hat."

Die Einigkeit der Nation sei etwas, an dem permanent gearbeitet werden müsse, mahnte er und sprach dann auch ein beunruhigendes Phänomen an, das "den Keim der Spaltung in sich trägt": Das Aufkommen von Ressentiments, dem Gefühl der Ungerechtigkeit in der öffentlichen Diskussion. Als Beispiele zählte er Männer und Frauen in der Politik auf, die sich beleidigen, Bürger, deren Aggressivität explodiert oder die gegen die demokratische Ordnung revoltieren, soziale Netzwerke, wo immer weniger Mäßigung zu finden ist. "Last uns alles daran setzen, dass es auch in Zukunft so bleibt, dass unsere Nation ganz unterschiedlich ist, aber ohne gespalten zu sein", appellierte er. 

Auch Parlamentspräsident Fernand Etgen (DP) wies darauf hin, dass "unsere Vorfahren, Großeltern und Eltern uns durch viel Fleiß und Arbeit ein wunderschönes Land mit Freiheit, Frieden, Sicherheit und Wohlstand hinterlassen haben". Wo man eine Identität leben könne, die durch unterschiedlich kulturelle Einflüsse geprägt wurde und "uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind". Luxemburg gehe es heute gut - darauf könne man stolz sein und das verdanke man auch der Stabilität seiner Demokratie. 

"Um den Frieden weiter zu garantieren, brauchen wir Europa, mehr Europa - das ist die einzige Antwort in unserer  globalisierten Welt", mahnte Etgen. "Europa ist nicht das Problem, Europa ist die Antwort." Luxemburg sei mit seinen Fähigkeiten, Solidarität zu zeigen und Brücken zu bauen eine der treibenden Kräfte in Europa. Und Luxemburg könne zuversichtlich in die Zukunft schauen, zeigte sich der erste Bürger des Landes überzeugt.

Nach dem Festakt wurden kurz nach 11 Uhr dann von einer Batterie der luxemburgischen Armee in Fetschenhof die 21 Salutschüsse zu Ehren des Großherzogs abgefeuert. Die Zahl 21 geht übrigens auf einen alten Brauch bei der Marine zurück.

Zum Abschluss des Nationalfeiertags hatte die großherzogliche Familie am Sonntagabend schließlich Vertreter der Regierung, der Abgeordnetenkammer, des Staatsrats, der Justiz und des diplomatischen Korps in das Palais eingeladen.


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