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"Fake News": Der Hass im Netz und die Angst vor den Anderen
Politik 2 Min. 16.12.2016 Aus unserem online-Archiv

"Fake News": Der Hass im Netz und die Angst vor den Anderen

Eine beunruhigende Entwicklung: Hinter vielen Falschinformationen im Internet steht eine politische Motivation.

"Fake News": Der Hass im Netz und die Angst vor den Anderen

Eine beunruhigende Entwicklung: Hinter vielen Falschinformationen im Internet steht eine politische Motivation.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 16.12.2016 Aus unserem online-Archiv

"Fake News": Der Hass im Netz und die Angst vor den Anderen

In den sozialen Medien kann jeder fernab journalistischer Standards veröffentlichen. Dies hat zu einer Flut an politisch motivierten Falschmeldungen geführt. BEE SECURE gibt Tipps im Umgang mit Lügen im Netz.

(km) - Es hat zwar lange gedauert, doch endlich hat Facebook erste, etwas zaghaft anmutende Maßnahmen im Kampf um frei erfundene Nachrichten angekündigt. Dieser Schritt zeigt: Eine reflexive Debatte über sogenannte "Fake News" und "Hate-Speech" im Internet hat endlich die breite Öffentlichkeit erreicht. Dies trifft auch auf Luxemburg zu. Am Freitagmorgen veröffentlichte die staatlich geförderte Initiative BEE SECURE ein hilfreiches Dossier zu Falschinformationen im Netz.

Falsche Informationen im Netz sind nicht unbedingt eine Neuigkeit. Doch im Rahmen der großen Flüchtlingsbewegungen der letzten Jahre haben sie ein nicht mehr tragbares Ausmaß erreicht. Selbst bekannte - und zumeist rechtspopulistische - Politiker schrecken nicht mehr davor zurück, sich aus dem großen Topf fremdenfeindlicher Lügen aus den sozialen Medien zu bedienen.

Die verführerische Macht der Vorurteile

Frei erfundene Meldungen, die Angst und Hass verbreiten, sind zumeist sehr vage gehalten. Deswegen erreichen sie eine breite Öffentlichkeit. Oft müssen sie nur minimal verändert werden, um in anderen lokalen Kreisen zu zirkulieren. Dabei haben sie nur ein Ziel: "Vorurteile zu bestätigen und rassistische Ressentiments zu bedienen", wie es in der Studie heißt. Hinter dem Großteil der "Fake News" und Hass-Kommentaren im Internet stehe somit eine eindeutige politische Motivation.

Die beste Waffe gegen Falschinformationen sind Medienkompetenz und Information!

Man sieht selten den eigenen Müll - und erfahrungsgemäß lieber den der Anderen. Es verwundert somit kaum, dass Bilder von Müllbergen, welche scheinbar von Flüchtlingen hinterlassen wurden, seit Sommer 2015 vermehrt im Internet zirkulieren und von vielen geglaubt werden. Die Mehrzahl dieser Bilder sind eine Lüge, der dargestellte Müll steht in keinem Zusammenhang mit den Flüchtlingen.

Trotzdem werden solche Fotos angeklickt, geteilt und - leider - auch geglaubt. Reißerische Meldungen und Kommentare stilisieren die Bilder weiter hoch und schlagartig, so die Studie, stehe die "Undankbarkeit" oder "Unzivilisiertheit" der Geflüchteten zu Debatte. Selbst wenn so ein Bild mal real sein sollte, machen Vorurteile blind gegenüber der einfachen Realität: Wo viele Menschen sind, entsteht eben Müll. Nationalität spielt da keine Rolle.  

Der Kniff bei den Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien sind einfach gestrickt. Sie gehen davon aus, dass bestimmte politische Ereignisse durch eine geheime Verschwörung weniger Personen hervorgerufen wurden. Die angeblichen Verschwörer werden dabei immer dämonisiert, als übermächtig, böse und unmenschlich wahrgenommen. Die meisten "Fake News" im Internet folgen dieser Argumentation.

Die BEE SECURE-Studie weist auf einen besonderen Kniff solcher Verschwörungstheorien hin: Sie sind unwiderlegbar. Das heißt konkret: Entkräftet man evident falsche Gerüchte oder unwahre Zitate, sieht man sich schnell mit dem Gegenargument konfrontiert, dass Regierung, Medien und Behörden unter einer Decke steckten. So würden sie die Wahrheit verschweigen. Nicht nur als Journalist kann einem diese an den Haaren herbeigezogene Argumentation großes Kopfzerbrechen bereiten.    

Was man gegen Falschinformationen im Netz tun kann

Die Studie von BEE SECURE liefert auch Hinweise, wie man mit Falschinformationen umgehen sollte. Der erste Schritt liegt auf der Hand: Am besten man teilt "Fake News" überhaupt nicht. Bekannte im Umfeld soll man auch höflich darauf hinweisen, dass die Meldung eine Falschinformation sei. 

Auch für Eltern sei eine Tabuisierung der falsche Weg. Sie sollen mit ihren Kindern einen offenen Diskurs führen und mit ihnen über Medienkonsum und Meinungsvielfalt reden. Denn "die beste Waffe gegen Falschinformationen", heißt es in der Broschüre, "sind Medienkompetenz und Information!"

Rassistische, revisionistische und diskriminierende Inhalte können anonym bei stopline.bee-secure.lu gemeldet werden.


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