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Gramegna könnte auf Dijsselbloem folgen
Politik 1 10.10.2017 Aus unserem online-Archiv
EU-Finanzministertreffen

Gramegna könnte auf Dijsselbloem folgen

Jeroen Dijsselbloem (l.) hört als Chef der Eurogruppe auf. Pierre Gramegna könnte ihn beerben.
EU-Finanzministertreffen

Gramegna könnte auf Dijsselbloem folgen

Jeroen Dijsselbloem (l.) hört als Chef der Eurogruppe auf. Pierre Gramegna könnte ihn beerben.
Foto: AFP
Politik 1 10.10.2017 Aus unserem online-Archiv
EU-Finanzministertreffen

Gramegna könnte auf Dijsselbloem folgen

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Jeroen Dijsselbloem wird den Vorsitz der Eurogruppe zum Januar 2018 aufgeben, über seinen Nachfolger sollen die EU-Finanzminister Anfang Dezember entscheiden. Der Luxemburger Finanzminister Pierre Gramegna signalisiert Bereitschaft.

(dpa/dv/tom) - Die Nachfolge des scheidenden Eurogruppen-Chefs Jeroen Dijsselbloem wird nach seinen Worten im Dezember entschieden. Er wolle sein Mandat bis Januar erfüllen, sein Nachfolger solle aber bereits beim Treffen der Euro-Finanzminister am 4. Dezember bestimmt werden, sagte Dijsselbloem am Montag in Luxemburg. Die Euro-Finanzminister gaben seiner Aussage zufolge dafür ihre Zustimmung.

Kandidaten könnten zwei Wochen vor dem Treffen im Dezember nominiert werden, sagte Dijsselbloem weiter. Zuletzt war etwa der französische Ressortchef Bruno Le Maire als möglicher Nachfolger gehandelt worden. Allerdings hat auch der luxemburgische Finanzminister Pierre Gramegna am Rande des Treffens Interesse bekundet

“Ich stehe bereit”

"Es ist normal, dass Gerüchte aufkommen", so Gramegna. "Es ist ein wichtiger Posten, bei dem man nicht den Finger austrecken und kandidieren soll, sondern bei dem sich ein Konsens herausbilden muss darüber, wer diesen Job machen könnte. Ich strecke den Finger nicht aus, aber wenn zum Schluss des Prozesses ein Konsens entsteht, dann stehe ich bereit." Das sei aber nicht die Hauptsache, denn: "Das Allerwichtigste ist, dass der Nachfolger von Dijsselbloem ein kompetenter Finanzminister ist."

Was für Gramegna spricht ist unter anderem seine Parteizugehörigkeit: Die Liberalen stellen in Europa viele Regierungschefs, haben aber keinen wichtigen EU-Posten inne. Mit Gramegna wäre dieses Ungleichgewicht aufgehoben. Dazu kommt seine Linie in Eurofragen: Gramegna gilt als gemäßigt. Er ist, anders als zum Beispiel Wolfgang Schäuble, kein Vertreter einer harten Linie, sondern zeigte sich stets kompromissbereit mit Europas Süden.

Gramegnas Nachteil: Er ist Luxemburger. Mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gibt es bereits einen wichtigen Luxemburger in Brüssel. Zwei könnten - im Sinne des zuvor angesprochenen Gleichgewichts - zu viel sein. Auch das Timing könnte Gramegnas Chancen schmälern. 2018 finden in Luxemburg die Parlamentswahlen statt. Eine Regierungsbeteiligung der DP ist nicht sicher. Die Eurogruppe müsste, falls die DP nicht mitregiert, bereits nächstes Jahr einen neuen Präsidenten wählen.  

Wichtige Schaltstelle

Dijsselbloem leitet die informellen Treffen der mittlerweile 19 Euro-Finanzminister seit gut fünf Jahren. Während der Finanzkrise entwickelte sich das Gremium zu einer der wichtigsten Schaltstellen in Europa. Kritiker bemängeln, dass die Treffen hinter verschlossenen Türen abgehalten werden und die Eurogruppe nicht demokratisch kontrolliert wird - etwa durch das Europaparlament.


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