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"Es ist viel Quatsch geredet worden"
Politik 30.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Jean Asselborn bei Maybrit Illner

"Es ist viel Quatsch geredet worden"

Jean Asselborn ist ein gern gesehener Gast im deutschen Fernsehen.
Jean Asselborn bei Maybrit Illner

"Es ist viel Quatsch geredet worden"

Jean Asselborn ist ein gern gesehener Gast im deutschen Fernsehen.
Foto: AFP
Politik 30.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Jean Asselborn bei Maybrit Illner

"Es ist viel Quatsch geredet worden"

Außenminister Jean Asselborn hat sich am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung von Maybrit Illner gegen das Errichten von Zäunen innerhalb der EU ausgesprochen.

(ml) - "Terror, Krieg, Flucht - Welche Verantwortung hat der Westen?", lautete der Titel von Illners Sendung. Außenminister Jean Asselborn gab den Zuschauern einen Einblick hinter die Kulissen des EU-Sondergipfels. Die Regierungschefs von zehn Staaten entlang der Balkanroute rangen dort um einen Kompromiss in der Flüchtlingskrise.

"Es ist am Sonntag viel Quatsch und viel Uneuropäisches geredet worden", verriet Asselborn. Von der Idee, Zäune entlang innereuropäischen Grenzen zu errichten, hält er nichts: "Zäune sind finale Lösungen, um Europa kaputt zu machen.“

Rechtsradikale sind derzeit vielerorts im Aufwind durch die Flüchtlingskrise. Asselborn warnte vor einer kompletten "Desolidarisierung", da sonst die Gefahr bestehe, dass rechtsradikales Gedankengut sich innerhalb "Traditionsparteien" einniste. "Die Menschlichkeit muss in Europa an oberster Stelle stehen", so Asselborn.

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die auch an der Talkrunde teilnahm, betonte, dass die sogenannte Dublin-Regelung vor dem Ende stehe. Die Verordnung, die vorsieht, dass Flüchtlinge in dem Land registriert werden müssen, in dem sie zuerst EU-Territorium betreten, sei hinfällig.

Syrien-Treffen in Wien

In Wien verhandeln am Freitag die UN-Vetomächte sowie wichtige regionale Akteure über Syrien. Ursula von der Leyen unterstrich, dass der Bürgerkrieg, der seit viereinhalb Jahren in Syrien tobt, nicht alleine mit Waffen zu lösen sei. Der ehemalige saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine kritisierte die "Öl- und Gaskriege" der Amerikaner.

Asselborn, der eigenen Aussagen zufolge "ein weniger Linker als Lafontaine ist", erwiderte darauf: "Es war falsch, was im Irak geschah." Der luxemburgische Außenminister brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Hauptakteure (USA, Russland, Saudi-Arabien und Iran) sich in Wien zusammenreißen und versuchen, "diese Barbarei zu beenden".


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