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"Es ist nicht das, was wir brauchen"
Politik 2 Min. 29.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Handwerk stöhnt über Arbeitszeitrefrom

"Es ist nicht das, was wir brauchen"

"Wir können nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen", sagt FDA-Präsident Michel Reckinger. Die Beschlüsse der Regierung beim Pan-Gesetz bewertet das Handwerk als "Ohrfeige" an die Unternehmen.
Handwerk stöhnt über Arbeitszeitrefrom

"Es ist nicht das, was wir brauchen"

"Wir können nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen", sagt FDA-Präsident Michel Reckinger. Die Beschlüsse der Regierung beim Pan-Gesetz bewertet das Handwerk als "Ohrfeige" an die Unternehmen.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 29.04.2016 Aus unserem online-Archiv
Handwerk stöhnt über Arbeitszeitrefrom

"Es ist nicht das, was wir brauchen"

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Die Handwerkerförderation fühlt sich von der Regierung unverstanden. Die von Minister Nicolas Schmit beschlossene Reform der Arbeitszeiten sei für die Betriebe keine Lösung. "Das schafft mehr Probleme", sagen die Partronatsvertreter.

(BB) - In der Handwerkerföderation hätten die Telefone in den letzten Tagen unaufhörlich geklingelt, erzählt Präsident Michel Reckinger. Die mittelständischen Unternehmen seien nach den Ankündigungen der Regierung übers neue Pan-Gesetz recht aufgebracht. "Wir wollten mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Was nun beschlossen wurde, ist aber gar nicht das, was wir brauchen. Es ist auch nicht das, was wir gefragt hatten", so Reckinger weiter.

Die Entscheidung der Regierung, neue Referenzperioden für die Arbeitsorganisation an weitere Urlaubstage zu koppeln, stößt den Patronatsvertretern sauer auf. "Mit dem Pan-Gesetz tun wir uns bereits seit der Einführung des Gesetzes schwer. Eine Lösung lag auch nicht auf der Hand. Die Betriebe wollten nie, dass es einfach so zu einer Reduzierung der Arbeitszeit kommt", erklärt der Generalsekretär der Fédération des artisans (FDA), Romain Schmit.

Nun sei man von der Regierung "eiskalt" erwischt worden.

Anders als in den letzten Tagen von Politikern unterstellt worden sei, würden die Betriebe um das Wohl ihrer Mitarbeiter bemüht sein, will der FDA-Präsident und Unternehmensleiter Michel Reckinger klarstellen. "Wir behandeln unsere Mitarbeiter nicht wie Maschinen. Das können wir schlicht nicht machen. Das wäre nicht im Sinn der Sache und des Unternehmens".

Verkehrte Logik

Mit der Neuausrichtung des Pan-Gesetzes würden die Betriebe nun die nötige Flexibilität verlieren. Ein Mitentscheidungsverfahren mit den Betriebsdelegationen, um bei Bedarf gezielt mehr Arbeit zu verrichten, sei nicht mehr möglich. Hier diktiere das neue Gesetze die Anzahl an zusätzlichen Ruhetagen, was die Unternehmen im Umkehrschluss dazu zwingen würde, die Arbeitsstunden entsprechend zu erhöhen.

"Wenn das Gesetz 1,5 weitere Urlaubstage gewährt, ist das ausschlaggebend für die Arbeitsorganisation. In der daran gekoppelten Zeitspanne von zwei Monaten werden sich die Unternehmen gezwungen fühlen, die Arbeitszeit jeweils um ein paar Stunden zu erhöhen, damit sich das überhaupt für den Betrieb rechnet", erklärt Michel Reckinger.

Die Betriebe hätten es sich andersrum gewünscht: Sie würden lieber die Arbeitsorganisation je nach Bedarf ausrichten, und ohne streng festgelegte Kompensationen verfahren können. Das hätte den Unternehmen mehr Gestaltungsmöglichkeiten gegeben.

Die Faust in der Tasche

Von den Patronatsvertretern sei in den letzten Monaten bereits vieles abverlangt worden, so Romain Schmit. Beim Index-Mechanismus oder auch der Neuausrichtung des Elternurlaubs hätten die Unternehmen einiges hingenommen. "Wir haben die Faust in der Tasche geballt", drückt es der FDA-Generalsekratär bildlich aus.

Nach der "Ohrfeige" beim Pan-Gesetz könnte der Kurs nicht fortgesetzt werden. "Wir werden uns zunächst in unseren Gremien beraten. Einfach so werden wir jedenfalls nicht zur Tagesordnung übergehen können", sagt Michel Reckinger.

Weitere Pläne der Dreierkoalition in Sachen Weiterbildung, Teilzeit oder auch Lohnfortzahlung könnten auf einen harten Widerstand stoßen. "Wir werden Wege finden, um der Politik zu vermitteln, wie kalt der Wind entgegen blasen kann", so Romain Schmit abschließend.



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