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Erziehungsgeld immer weniger beansprucht
Politik 3 Min. 15.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Familienzulagen fallen weg

Erziehungsgeld immer weniger beansprucht

Für erwerbslose Frauen fallen künftig die Mutterschafts- und die Erziehungszulage weg.
Familienzulagen fallen weg

Erziehungsgeld immer weniger beansprucht

Für erwerbslose Frauen fallen künftig die Mutterschafts- und die Erziehungszulage weg.
claude piscitelli
Politik 3 Min. 15.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Familienzulagen fallen weg

Erziehungsgeld immer weniger beansprucht

Die Regierung wird die Erziehungs- und die Mutterschaftszulage für erwerbslose Frauen abschaffen. Doch um welche Hilfen handelt es sich dabei? Wer wird künftig darauf verzichten? Und wieviel spart der Staat?

(ks) - Die Regierung wird das Erziehungs- und das Mutterschaftsgeld für erwerbslose Frauen abschaffen. Dies kündigte Premierminister Xavier Bettel am Dienstag in seiner Regierungserklärung an. Doch um welche Hilfen handelt es sich dabei? Wer wird künftig darauf verzichten müssen? Und wieviel spart der Staat?

Das Erziehungsgeld

Eingeführt wurde es 1989. Der Staat wollte damals Eltern die Wahlmöglichkeit geben, ihre Kinder selbst zu betreuen. Die Beihilfe sollte den Wegfall eines Gehalts zumindest teilweise kompensieren.

Das Erziehungsgeld erhalten somit Elternteile, die ihren Job an den Nagel hängen, um sich um die Betreuung des eigenen Kindes zu kümmern. Es beträgt bis zum 2. Geburtstag des Kindes monatlich 485,01 Euro. Die Bezugsdauer wird unter bestimmten Bedingungen verlängert, zum Beispiel bei der Geburt von Zwillingen. Die Hälfte dieser Summe wird ausgezahlt, wenn ein Elternteil nach dem Mutterschaftsurlaub in Teilzeit weiterarbeitet.

Doch auch Familien, in denen beide Partner Vollzeit arbeiten, können von der Beihilfe profitieren, wenn das Haushaltseinkommen eine bestimmte Grenze nicht überschreitet. Bei einem Kind liegt das Limit beispielsweise bei 5.657,70 Euro (Bruttolöhne abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge). Auch Grenzgängern steht die Zulage offen.

Die Zahl derjenigen, die von der Hilfe profitieren, ist in den vergangenen zehn Jahren um etwa 20 Prozent zurückgegangen. Wurde das Erziehungsgeld 2003 noch rund 10.300 Personen ausgezahlt, waren es 2013 noch 8.350.

Im Jahr 2012 profitierten laut einem Bericht der “Inspection générale de la sécurité sociale” von der Beihilfe zu 68 Prozent Elternpaare, bei denen einer Vollzeit, der andere gar nicht arbeitete. In 36 Prozent der Fälle waren Mutter und Vater Vollzeit beschäftigt. Das heißt, ihr Einkommen lag zusammengerechnet unter dem oben genannten Limit. Bei nur 27 der 8.350 Familien arbeitete ein Elternteil Voll-, der andere Teilzeit. In 3,5 Prozent der Fälle handelte es sich bei den Beziehern um Alleinerziehende (202 Personen), in 7,5 Prozent der Fälle um Haushalte, in denen die Eltern keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.

Diese Zahlen zeigen, dass die Kürzung künftig vor allem Familien betreffen wird, in denen ein Elternteil – meist die Frau – ihren Job komplett aufgibt. Wer das Erziehungsgeld derzeit erhält, bekommt es bis zum Ende der vorgesehenen Bezugsdauer überwiesen. Die Bettel-Regierung wird durch den Wegfall der Beihilfe rund 70 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Die Mutterschaftszulage

Diese Beihilfe wird seit 1980 Frauen gewährt, die in Luxemburg leben und keiner Arbeit nachgehen. Eingeführt wurde sie, um einen Ausgleich zu schaffen für Frauen, die aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit keinen Anspruch auf einen bezahlten Mutterschaftschaftsurlaub haben. Die Zulage beträgt 16 Wochen lang je 194,02 Euro, macht insgesamt 3.104 Euro.

Die Beihilfe wurde im vergangenen Jahr an 1.238 Personen ausbezahlt. Jede fünfte Frau, die 2013 Mutter wurde, erhielt diese Zulage von der Familienkasse. Für den Staatshaushalt ergeben sich durch den Wegfall Einsparungen in Höhe von rund 3,7 Millionen Euro pro Jahr.

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Welche weiteren Änderungen auf Familien zukommen, lesen Sie in diesem Artikel. Unser Themendossier finden Sie hier.


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