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Erzieher sind verärgert: Überstunden, aber kein Geld
Politik 2 Min. 30.07.2020

Erzieher sind verärgert: Überstunden, aber kein Geld

Über 60 Erzieher haben während den A/B-Wochen Überstunden geleistet in der Annahme, dass sie dafür bezahlt werden. Doch dem ist nicht so.

Erzieher sind verärgert: Überstunden, aber kein Geld

Über 60 Erzieher haben während den A/B-Wochen Überstunden geleistet in der Annahme, dass sie dafür bezahlt werden. Doch dem ist nicht so.
Foto: dpa
Politik 2 Min. 30.07.2020

Erzieher sind verärgert: Überstunden, aber kein Geld

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Irgendwo zwischen Bildungsministerium, Schuldirektion, Schulpräsident und Personal hat die Kommunikation nicht funktioniert. Es geht um Überstunden während den A/B-Wochen.

Damit die Grundschulen im A/B-Rhythmus funktionieren konnten, musste massiv Personal rekrutiert werden. Das Splittingmodell funktionierte aber auch, weil Teile des bestehenden Schulpersonals bereit waren, Überstunden zu leisten. Das betrifft Lehrer, Lehrbeauftragte und Educateurs, also Erzieher.


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25 Unterrichtsstunden hatte eine A/B-Woche. Viele Teilzeitkräfte waren bereit, für ein paar Wochen auf eine Vollzeitstelle zu gehen. Die Überstunden werden auf Wunsch bezahlt oder auf das Zeitsparkonto eingezahlt. Das gilt für Lehrer und für Lehrbeauftragte. Anderes Personal - zum Beispiel Studenten - wird zu einem festgelegten Tarif bezahlt. Die Educateurs aber haben nur eine Wahl: Sie müssen die Überstunden auf das Zeitsparkonto setzen.

Von Bezahlen war nie die Rede

Diese Information sei auch so vom Bildungsministerium an die Schuldirektionen weitergegeben worden, sagt Yves Kails von der Association luxembourgeoise des éducateurs et éducatrices (ALEE/CGFP) und beruft sich dabei auf ein Gespräch mit Francine Vanolst, die im Bildungsministerium für den Grundschulbereich zuständig ist. Die großherzogliche Verordnung, die die Arbeitsbedingungen der Erzieher regelt, sieht eine Tarifikation für Überstunden auch gar nicht vor.  

Doch offenbar ist diese Information nicht bis zu den Educateurs in den Schulen durchgedrungen. Viele seien davon ausgegangen, dass sie die Wahl hätten zwischen Geld und Zeitsparkonto, sagt Kails, zumal das Personal ein Formular ausfüllen und das Gewünschte ankreuzen musste. „Das Formular galt für Lehrer und Lehrbeauftragte, offensichtlich aber nicht für die Erzieher“, erklärt Yves Kails. Sie mussten es dennoch ausfüllen. Umso größer war die Überraschung, als es dann hieß: Die Überstunden werden nicht bezahlt.

Besonders hart trifft es diejenigen, die bereit waren, von Teil- auf Vollzeit zu gehen. So manch einer kommt auf diese Weise gut und gerne auf 70 oder 80 Überstunden, oder mehr, und hat fest mit dem Geld gerechnet. Für Yves Kails steht fest, dass das Wirrwarr um die Überstunden die Folge einer fehlerhaften bzw. nicht funktionierenden Kommunikation von oben nach unten ist. 

Bildungsministerium zahlt jetzt doch

Auf Nachfrage erklärt das Bildungsministerium am Donnerstag, dass nie die Rede davon gewesen sei, die Überstunden zu bezahlen beziehungsweise, dass die Fachkräfte die Wahl hätten. Dennoch will das Ministerium den Erziehern, „die fälschlicherweise davon ausgegangen sind, die Überstunden würden bezahlt“, entgegenkommen und „eine gesetzliche Basis schaffen, die die Auszahlung möglich macht“. 


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Laut dem Bildungsministerium sind 61 Educateurs diplômés aus dem Précoce und einzelne Educateurs gradués von dieser Angelegenheit betroffen.

Für die Betroffenen ist die Benachteiligung gegenüber Lehrern und Lehrbeauftragten nur schwer nachzuvollziehen. Die ALEE will sich nun dafür einsetzen, dass auch für die Erzieher eine Tarifikation für Überstunden eingeführt wird.

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