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Erzbischof Hollerich wird Kardinal: "Ech si frou fir d’ganz Lëtzebuerger Kierch"
Politik 6 Min. 01.09.2019

Erzbischof Hollerich wird Kardinal: "Ech si frou fir d’ganz Lëtzebuerger Kierch"

Papst Franziskus und Erzbischof Jean-Claude Hollerich.

Erzbischof Hollerich wird Kardinal: "Ech si frou fir d’ganz Lëtzebuerger Kierch"

Papst Franziskus und Erzbischof Jean-Claude Hollerich.
Foto: COMECE
Politik 6 Min. 01.09.2019

Erzbischof Hollerich wird Kardinal: "Ech si frou fir d’ganz Lëtzebuerger Kierch"

Der 61-jährige Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich wird am 5. Oktober zum Kardinal erhoben, das teilte Papst Franziskus am Sonntagnachmittag mit.

(KNA/rc/mbb/mer) - Der Erzbischof von Luxemburg wird künftig im Gefüge der Weltkirche eine noch bedeutendere Rolle spielen. Am Sonntag kündigte Papst Franziskus die Ernennung Jean-Claude Hollerichs zum Kardinal an. Damit wird Hollerich künftig einer von dann 128 Kardinälen sein, die jünger als 80 Jahre alt sind und deshalb an Papstwahlen teilnehmen dürfen.

Hollerich selbst sagte in einer ersten Reaktion: "Ech si frou fir d’ganz Lëtzebuerger Kierch." Er sei sehr überrascht über die Ernennung gewesen, mit der er überhaupt nicht gerechnet habe.  Er wolle sein neues Amt in aller Bescheidenheit angehen und sich noch mehr für die ihm so wichtigen Anliegen Europa, Flüchtlingskrise und Klimaschutz einsetzen, so der Erzbischof auf den Nachrichtenportal der katholischen Kirche cathol.lu. Erst im vergangenen Jahr hatte der 61-Jährige Hollerich das Amt des Vorsitzenden der EU-Bischofskommission COMECE übernommen.

Anerkennung

Auch Leo Wagener wurde von der Nachricht aus Rom völlig  überrascht. Der Generalvikar und designierte Weihbischof wertet die Erhebung von Erzbischof Hollerich in den Kardinalsstand als Anerkennung für dessen Arbeit, sowohl als Erzbischof als auch als Comece-Vorsitzender. "Die Ernennung ist natürlich auch eine Anerkennung für die katholische Kirche in Luxemburg", betonte Wagner, der  gerade auf dem Weg nach Rom war, als die Nachricht publik wurde. Bischof Hollerich habe sehr gute persönliche Kontakte zum Papst, es gebe ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis. Erzbischof Hollerich habe in der Vergangenheit bereits an der Synode zum Thema Missbrauch teilgenommen und werde demnächst auch an der Amazonas-Synode teilnehmen. Leo Wagener sieht in der Ernennung aber auch eine "Stärkung des pastoralen Ansatzes", dem sich sowohl der Papst als auch Erzbischof Hollerich verschrieben haben. Wagener selbst war ende Juli vom Papst zum Weihbischof ernannt worden.


Erzbischof Jean-Claude Hollerich- hier bei einem Empfang für Zen-Meister aus Japan - teilt mit Papst Franziskus eine Leidenschaft für das fernöstliche Land.
„Luxemburg ist nun prominenter auf der weltkirchlichen Landkarte vertreten“
Der Vatikanexperte Ludwig Ring-Eifel zeigt sich über die Ernennung Jean-Claude Hollerichs zum Kardinal überrascht – doch er kann die Personalentscheidung des Papstes gut nachvollziehen.

Für die Kirche im Großherzogtum Luxemburg wie für den Erzbischof selbst ist die Personalentscheidung eine große Ehre. Denn anders als die Erzbischöfe traditionsreicher Diözesen wie Mailand oder München, die fast automatisch auch Kardinäle werden, gab es in der 150-jährigen Geschichte des Bistums Luxemburg, das erst seit 1988 Erzbistum ist, noch keinen Purpurträger. Dass Papst Franziskus Hollerich diese Ehre nun trotzdem zuteil werden ließ, kann als Zeichen der persönlichen Wertschätzung gesehen werden.

Ein Mann der leisen Töne

Anders als Kardinal Reinhard Marx, sein Vorgänger auf EU-Ebene, steht Hollerich für ein kleines Land. Und er ist ein Mann der leisen Töne, unaufgeregt und diplomatisch. Das kam ihm bereits kurze Zeit nach seiner Ernennung zum Erzbischof seines Heimatlandes im Jahr 2011 zugute.

Als Premierminister Xavier Bettel 2013 Jean-Claude Juncker ablöste, dessen christsoziale Partei eng mit der katholischen Kirche verbunden war, geriet die alte, staatsnahe Kirchenstruktur ins Wanken. Es kam zu einschneidenden Reformen. Die Kirche erhielt deutlich weniger finanzielle Unterstützung vom Staat, der Religionsunterricht wurde abgeschafft.

Der Ruf nach Grenzkontrollen ist etwas, das ich nicht verstehe.

Hollerich manövrierte das Erzbistum, das unmittelbar dem Heiligen Stuhl unterstellt ist, durch diese schwierigen Reformen. Die Pfarreien mussten neue Strukturen der Glaubensvermittlung aufbauen - mit Erfolg: Mittlerweile nehmen Tausende Kinder an den Angeboten der Pfarrkatechese teil. Doch in vielen Pfarreien gab es massive Widerstände gegen die Reform der lokalen kirchlichen Eigentums- und Finanzverhältnisse. Das hinterließ Wunden. "Es waren ohne Zweifel harte Jahre für unsere Diözese, auch für die Bistumsleitung", schrieb Hollerich in einem Hirtenbrief.

Nachdem die Staat-Kirche-Reformen weitgehend vollendet waren, trat Hollerich 2018 ein zusätzliches Amt in Brüssel an. Weil Kardinal Marx nach sechs Jahren als COMECE-Vorsitzender nicht mehr zur Wiederwahl antreten durfte, brauchte das Gremium einen neuen Leiter. Die Bischöfe wählten den Luxemburger zum Nachfolger.

Hollerich setzt sich für europäischen Integration ein

Hollerich wurde am 9. August 1958 in Differdingen geboren. Als junger Mensch erlebte er noch die Zeit der Schlagbäume. Diese Prägung veranlasste ihn, sich als Erzbischof deutlich gegen die Abriegelung der europäischen Grenzen zu positionieren: "Der Ruf nach Grenzkontrollen ist etwas, das ich nicht verstehe."


Papst Franziskus ernennt Generalvikar Leo Wagener zum Weihbischof
Der Papst hat den Verwaltungschef des Erzbistums Luxemburg, Generalvikar Leo Wagener, zum Weihbischof ernannt.

Die Grenzen des Großherzogtums verließ Hollerich zum Studium der Theologie in Rom. 1981 trat er in den Jesuitenorden ein. Nach dem Noviziat im belgischen Namur und zwei Jahren in der heimatlichen Seelsorge setzte er seine Theologiestudien von 1985 bis 1989 in Tokio und Frankfurt fort. Nach der Priesterweihe 1990 studierte Hollerich zusätzlich Germanistik in München.

1994 wurde er Lehrer für Deutsch, Französisch und europäische Studien an der Jesuiten-Universität Sophia in Tokio, wo er später auch als Seelsorger der dortigen deutschen Pfarrei wirkte. Die Erfahrung der kleinen, aber hoch anerkannten Minderheiten-Kirche in Japan hat ihn nachhaltig geprägt und immun gemacht gegen eine Haltung kirchlichen Machtanspruchs, wie sie früher vielen Luxemburger Klerikern eigen war.

Hollerich ist kein Mann, der eingängige Parolen von sich gibt. Er ist es gewohnt, Religion und Gesellschaft gleichzeitig aus einem "deutschen" und aus einem französisch-laizistischen Blickwinkel zu betrachten. Als COMECE-Chef setzt er sich für eine Wiederbelebung der Idee der europäischen Integration ein. Er vermittelt zwischen unterschiedlichen Sichtweisen der Bischöfe, die nicht selten zwischen Ost und West auseinanderdriften.

Ähnlich wie Marx hat er sich in der Flüchtlingsfrage deutlich positioniert. "Es ist ganz klar, dass das politische Problem der Flüchtlinge nicht national, sondern europäisch gelöst werden muss", sagte er 2017 in einem Interview. Die Kirche dürfe nicht zwischen christlichen und muslimischen Flüchtlingen unterscheiden: "Ich kann mich nicht erinnern, irgendwo in der Heiligen Schrift gelesen zu haben, man solle nur den Menschen helfen, die so sind wie wir."


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Patrick Muller wird neuer Luxemburger Generalvikar
Erzbischof Jean-Claude Hollerich erhält künftig Unterstützung vom neuen Weihbischof Leo Wagener sowie vom neuen Generalvikar Patrick Muller.

Er habe festgestellt, dass sich jene Kirchengemeinden, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagierten, positiv entwickelten. "Sie werden wieder lebendiger; es gibt dort Kontaktpersonen für Flüchtlinge, Sprachkurse, alles Mögliche. Wir leben Christentum!" Die Kirche dürfe sich auf EU-Ebene nicht zu stark in die Politik einmischen, mahnte er. "Aber sie muss ihre Stimme erheben, damit ein friedliches, gerechtes Zusammenleben aller Menschen in Europa möglich wird."

Als Mitglied des Kardinalskollegiums wird Hollerichs Stimme nicht nur in Europa deutlich mehr Gewicht bekommen. Sicher wird ihm sein diplomatisches Geschick auch in dieser Funktion zugutekommen.