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Erste Hochschul- und Forschungsstrategie für Luxemburg
Politik 3 Min. 03.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Erste Hochschul- und Forschungsstrategie für Luxemburg

2018/19 zahlte der Luxemburger Staat 121,9 Millionen Euro an Studienbeihilfen.

Erste Hochschul- und Forschungsstrategie für Luxemburg

2018/19 zahlte der Luxemburger Staat 121,9 Millionen Euro an Studienbeihilfen.
Foto: Shutterstock
Politik 3 Min. 03.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Erste Hochschul- und Forschungsstrategie für Luxemburg

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Das Luxemburger Hochschul- und Forschungswesen entwickelt sich stetig weiter. "Das erkennt man an den steigenden Studentenzahlen, am Budget, an der Anzahl von Diplomen und Veröffentlichungen", fand Hochschulminister Claude Meisch am Donnerstag anlässlich der akademischen Rentrée.

2018/19 zählte Luxemburg 6.423 Studierende. Das sind zwar nur unbedeutend mehr als im Vorjahr, aber 250 mehr als 2016/17. Allerdings ist die Studentenschaft mit 125 Nationalitäten sehr international. Der Anteil der Luxemburger ist 2018/19 im Vergleich zum Vorjahr von 40,7 auf 43,9 Prozent gestiegen, allerdings bleiben sie in der Minderzahl. 41,7 kommen aus anderen EU-Ländern, 14,4 Prozent aus Drittländern.

Gestiegen ist auch die Zahl der Studenten, die vom Staat finanziell unterstützt werden. 2018/19 haben 29.499 Studenten Studienbeihilfen vom Luxemburger Staat erhalten (2017/18: 28.390). Kostenpunkt: 121,9 Millionen Euro. Das sind 4,5 Millionen mehr als im Vorjahr. 

39 Prozent der Empfänger sind Nicht-Ansässige. Ihre Zahl steigt seit der Einführung der Studienbeihilfen für Kinder von Grenzgängern. Sie erhielten im vergangenen Jahr 28,6 Millionen Euro. 93,3 Millionen Euro zahlte der Staat an ansässige Studenten.  

Infolge eines Urteils der Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 10. Juli 2019 muss Luxemburg das Beihilfengesetz noch einmal anpassen. Hochschulminister Claude Meisch hat den Gesetzentwurf am 8. August eingebracht. Er wird voraussichtlich in der ersten Chamberwoche im Oktober vom Parlament verabschiedet. 

Luxemburgs Kriterien waren laut dem EuGH zu streng. Sie werden nun gelockert. So muss ein Elternteil des Antragstellers mindestens fünf Jahre in Luxemburg gearbeitet haben. Fortan gilt eine Referenzzeit von zehn statt sieben Jahren. Dieses Kriterium gilt auch für Studierende, deren Eltern in Rente sind.


16.07.10 aide financiere de l etat , pour etudiants, formulaire,  photo: Marc Wilwert
Studienbeihilfen: Die Reform der Reform
Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 10. Juli muss die Regierung das Gesetz für die Studienbeihilfen erneut anpassen.

Neu ist: Die Studienbeihilfen werden an Studierende gezahlt, wenn sie mindestens fünf Jahre in Luxemburg gelebt oder aber während fünf Jahren eine Schule in Luxemburg besucht haben, unabhängig davon, ob es sich um eine öffentliche oder private Schule handelt. 

Die Regierung rechnet mit 400 zusätzlichen Studierenden, die in den Genuss der Beihilfen kommen könnten, und mit Mehrkosten von einer Million Euro.

Darüber hinaus hat der Staat 2018/19 Darlehen in Höhe von 207 Millionen Euro genehmigt. Das sind 7,9 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

"An einem Strang ziehen"

Die Regierung arbeitet an einer nationalen Hochschul- und Forschungsstrategie, ein Instrument, das dafür sorgen soll, "dass die Entwicklung des Hochschul- und Forschungswesens in die gewünschte Richtung geht und der Gesellschaft dient, so Claude Meisch. Es gehe darum, noch mehr Synergien zwischen der Universität und anderen Forschungszentren zu schaffen, um eine möglichst hohe Effizienz zu erlangen.

Um sicherzustellen, dass die investierten finanziellen Mittel ihre volle Wirkkraft entfalten, wurde im Juli 2019 ein Koordinationskomitee mit Vertretern aus dem Hochschul- und Forschungswesen eingesetzt, das Prioritäten definiert und darüber wacht, dass die einzelnen Einrichtungen untereinander mehr Synergien entwickeln und die Gelder somit zweckgebunden und effizient genutzt werden. Im Rahmen dieser Strategie werden die Missionen der einzelnen Forschungseinrichtungen stärker definiert.

Ende 2019 findet die dritte Ausgabe der Assises de la recherche statt, bei der dann auch über die nationale Strategie beraten wird.

Gesetzesanpassungen

Bei einem externen Audit, das Technopolis 2018 bei den öffentlichen Forschungszentren durchgeführt hatte, hatten die Prüfer festgestellt, dass die Verwaltungsräte der Zentren sich zu sehr in das operative Geschäft einmischen. Wie damals von Claude Meisch angekündigt, wird das Rahmengesetz über die öffentlichen Forschungseinrichtungen aus dem Jahr 2014 nun angepasst, mit einer klaren Trennung zwischen Verwaltungsrat und Generaldirektion und einer genaueren Beschreibung der jeweiligen Kompetenzen und Aufgabenbereiche.

Weiter war es die Nachricht, dass die Biobank (Integrated BioBank of Luxembourg, IBBL) in das Luxembourg Institute of Health (LIH) integriert wird. Es untersteht demnach künftig der Generaldirektion des LIH. Bislang hatte die Biobank eine eigene Generaldirektion. 



 

 


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