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Erinnerung an die Opfer der Shoa: Eine Stiftung und ein Denkmal
Vertreter des Staatsministeriums und des Consistoire arbeiten zur Zeit die Statuten der Shoa-Stiftung aus.

Erinnerung an die Opfer der Shoa: Eine Stiftung und ein Denkmal

Anouk Antony
Vertreter des Staatsministeriums und des Consistoire arbeiten zur Zeit die Statuten der Shoa-Stiftung aus.
Politik 2 Min. 08.04.2015

Erinnerung an die Opfer der Shoa: Eine Stiftung und ein Denkmal

Die Erinnerung an die Opfer der Shoa soll wach gehalten werden. Deshalb soll eine Stiftung gegründet und ein nationales Denkmal errichtet werden. Dies bestätigte Premier Bettel in seiner Antwort auf eine parlamentarische Frage des ADR-Abgeordneten Fernand Kartheiser.

(DS) - Der Bericht zur Enteignung der Juden in Luxemburg in den Jahren 1940 bis 1945, den die Spezialkommission im Juni 2009 präsentiert hatte, soll nun doch in Papierform erscheinen. Bislang existierte das Dokument ausschließlich in elektronischer Fassung im Internet. Dabei hatte die Spezialkommission in ihren Empfehlungen explizit festgehalten, dass der Bericht, an dem sie seit 2002 gearbeitet hatte, veröffentlicht werden sollte. U. a. müsse die Regierung ein Internetportal einrichten, auf dem nicht nur der Bericht sondern auch weitere Unterlagen zum Thema Eingang finden sollten.

Doch nicht nur diese Empfehlungen harren weiterhin der Umsetzung. Auch die von den Historikern vorgeschlagene Stiftung zur Erinnerung an die Shoa gibt es noch nicht. Allerdings laufen mittlerweile die Vorbereitungsarbeiten. Im Anschluss an mehrere Treffen zwischen der damaligen Regierung und dem Consistoire Israélite de Luxembourg war der ehemalige LSAP-Abgeordnete Ben Fayot Anfang September 2013 mit der Ausarbeitung eines Berichts beauftragt worden. 

Arbeitsgruppe eingesetzt

Das Dokument liegt seit dem Frühjahr 2014 vor und dient nun der Arbeitsgruppe, die sich aus Vertretern des Staatsministeriums und des Consistoire zusammensetzt, als Arbeitsgrundlage. Die Arbeitsgruppe soll die Statuten und die Missionen der Stiftung im Detail klären. Dies geht aus der Antwort von Premierminister Bettel auf eine parlamentarische Frage von Fernand Kartheiser hervor. Der ADR-Abgeordnete wollte wissen, wie es um die Umsetzung der Empfehlungen der Spezialkommission gestellt ist.

Die „comptes dormants“

Die Stiftung soll u. a. mit dem Vermögen aus den so genannten „Comptes dormants“ gespeist werden. Allerdings gibt es nach wie vor keine endgültige Liste zu diesen Konten. Wie der Premier weiter betont, gehen die Untersuchungen weiter.

Der Abschlussbericht könnte u. a. weitere Details zu den so genannten BIL-Konten und zu den Dokumenten, die vor kurzem im Nationalarchiv wiederentdeckten wurden, liefern.

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass das Vermögen aus den „comptes dormants“ reichen wird, um die Stiftung zu speisen. Die Spezialkommission ging 2009 von etwa 200 Konten mit einem Gesamtvermögen von 25.000 Euro aus. Neben den Statuten und den Missionen bleibt also auch die Finanzierungsfrage ungeklärt. Seit den 70er-Jahren werden übrigens keine Zinsen mehr ausbezahlt, weil die Ansprüche verjährt sind. Sicher scheint zum jetzigen Zeitpunkt, dass die Stiftung allein der Erinnerung dienen soll, einen Forschungsauftrag wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erhalten.

Institut für Zeitgeschichte

Die Forschungsarbeit könnte hingegen von dem im Regierungsabkommen vorgesehenen Institut für Zeitgeschichte übernommen werden. Doch diesbezüglich liegen noch keinen konkreten Aussagen vor. Vieles deutet aber darauf hin, dass die Regierung einen Lehrstuhl an der Uni Luxemburg anstrebt.

Was das nationale Denkmal für die Opfer der Shoa anbelangt, erklärt Premier Bettel in seiner Antwort lediglich, dass man mit einem jüdischen Künstler Kontakt aufgenommen habe. Er werde demnächst nach Luxemburg reisen, um sich mit den lokalen Begebenheiten vertraut zu machen. Anschließend soll die Standortfrage geklärt werden. Die Spezialkommission hatte 2009 einen Standort in der Hauptstadt empfohlen, weil die jüdische Gemeinschaft in Luxemburg traditionell sehr eng mit der Hauptstadt verbunden ist.


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