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Ein runder Geburtstag: Jean-Claude Juncker wird 60
Der langjährige Premierminister und amtierender EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wird am Dienstag 60 Jahre alt.

Ein runder Geburtstag: Jean-Claude Juncker wird 60

AFP
Der langjährige Premierminister und amtierender EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wird am Dienstag 60 Jahre alt.
Politik 3 Min. 08.12.2014

Ein runder Geburtstag: Jean-Claude Juncker wird 60

In den letzten 30 Jahren hat niemand das Land derart geprägt wie Jean-Claude Juncker. Heute wird der ehemalige Premier und aktuelle EU-Kommissionspräsident 60 Jahre alt.

(DS) - Jean-Claude Juncker wird die politische Laufbahn nicht in die Wiege gelegt. Er wird am 9. Dezember 1954 in Redingen geboren, verbringt aber seine gesamte Kindheit in Beles, im Dunstkreis der „Schmelz“. Das Arbeitermilieu, in das er hineingeboren wird, prägt ihn nachhaltig. Auch seine Schulzeit bei den Patres in Clairefontaine hinterlässt bleibende Spuren.

Juncker findet früh den Weg in die Politik. Während seines Jura-Studiums in Straßburg fährt er immer wieder nach Hause, um an den Treffen der CSJ teilzunehmen. 1979 wird er Vorsitzender der CSV-Jugendorganisation. Als CSJ-Präsident legt er auch den Grundstein für seine zukünftige Machtbasis innerhalb der Partei. Sein Geld verdient er derweil als CSV-Fraktionssekretär.

Der damalige Premier Pierre Werner wird früh auf sein politisches Talent aufmerksam. Ende 1982 holt er den brillanten Rhetoriker als Staatssekretär für Arbeit und Soziales in sein Kabinett. 1984 kommt Juncker mit 30 Jahren zu Ministerehren, zuständig für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten. Als delegierter Minister für die Finanzen trägt auch die Verantwortung für den Haushalt. 1989 wird er schließlich Finanzminister.

Der Modernisierer

1990 übernimmt Juncker den Parteivorsitz und unterzieht die CSV einer Modernisierungskur. Schon in den 80er Jahren stand er an der Spitze der so genannten „Breedewee-Generation“, die sich nach dem Trauma der verlorenen Wahl von 1974 aufgemacht hatte, die CSV von innen heraus zu modernisieren.

Als Parteipräsident verankert Juncker Anfang der 90er Jahre die Christlich-Sozialen in der Mitte der Gesellschaft und macht die CSV auch für die Wähler attraktiv, die bislang vom „verstaubt-konservativen“ Image abgeschreckt wurden. Es sind aber auch die Jahre, in denen Juncker seine Macht innerhalb der CSV konsolidiert.

Die Jahre als Premierminister

Als sein Vorgänger Jacques Santer 1995 EU-Kommissionspräsident wird, führt kein Weg an Jean-Claude Juncker vorbei. Er wird Premierminister. Juncker ist beliebt. Die gute finanzielle Lage des Landes erlaubt eine äußerst großzügige Sozialpolitik. 1999 stellt er sich zur Wiederwahl und wird im Amt bestätigt. Auch 2004 und 2009 gewinnt er mit der CSV die Wahlen, jeweils mit persönlichen Traumresultaten.

Juncker, der Europäer

In Brüssel ist Juncker schon vor seinem Amtsantritt als luxemburgischer Regierungschef eine feste Größe. 1996 wird er zum „Held von Dublin“, als ihm bei den entscheidenden Verhandlungen um den Euro-Stabilitätspakt der Kompromiss zwischen den großen EU-Ländern gelingt.

2004 wird das Amt des Eurogruppen-Chef an ihn herangetragen. Eigentlich hätte 2008 nach zwei Mandatsperioden Schluss sein müssen. Weil sich aber kein Nachfolger findet, macht Juncker weiter – bis Ende 2012.

An der Spitze der Eurogruppe wird er ab 2008 mit der Finanz- und Wirtschaftskrise konfrontiert. Juncker ist im Dauereinsatz, in Brüssel und zu Hause in Luxemburg. In Luxemburg wird die politische Lage zunehmend schwieriger. 2009/2010 scheitert die Tripartite, u.a. auch deshalb, weil sie nicht ordentlich vorbereitet war. Die Doppelbelastung fordert ihren Tribut. Juncker gerät an der Heimatfront unter Druck.

Die Geheimdienstaffäre

2012 kommt noch eine weitere Krise hinzu. Die Geheimdienstaffäre nimmt ihren Lauf. Juncker bekommt die Srel-Krise nicht in den Griff. Am Ende platzt die CSV-LSAP-Koalition, in der es schon lange zuvor mächtig rumort hatte. Bei der entscheidenden Parlamentssitzung vom 10. Juli 2013  weigert sich Juncker die politische Verantwortung zu tragen, er macht lediglich den Weg für Neuwahlen frei.

Die CSV schickt Juncker erneut als Spitzenkandidat ins Rennen. Doch diesmal geht die Rechnung nicht auf. Die Christlich-Sozialen verlieren die Wahl und müssen zum ersten Mal seit 40 Jahren in die Opposition, der langjährige Premier wird Oppositionsleader.

Zurück nach Brüssel

Doch die Rolle des Oppositionsführers behagt ihm nicht. Nach reiflicher Überlegung entscheidet sich Juncker, für den Posten des EU-Kommissionsvorsitzenden zu kandidieren. Das europäische Spitzenamt fällt ihm nicht in den Schoß. Er muss bis zuletzt kämpfen, bevor er am 1. November sein Büro in der 13. Etage des Berlaymont-Gebäude beziehen kann.


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