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Ein neues Gesetz für 92.000 Hektar Wald
Politik 2 Min. 06.05.2021

Ein neues Gesetz für 92.000 Hektar Wald

38 Prozent der Waldbäume sind in einem schlechten Zustand. Grund ist der Klimawandel in Kombination mit Luftverschmutzung.

Ein neues Gesetz für 92.000 Hektar Wald

38 Prozent der Waldbäume sind in einem schlechten Zustand. Grund ist der Klimawandel in Kombination mit Luftverschmutzung.
Foto: Anouk Antony
Politik 2 Min. 06.05.2021

Ein neues Gesetz für 92.000 Hektar Wald

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Unzählige und teilweise uralte Forstregelungen werden in einem Gesetz gebündelt und modernisiert. Aber erst müssen die formellen Einwände aus dem Weg geräumt werden.

35 Prozent der Fläche Luxemburgs sind mit Wald bedeckt, das sind 92.150 Hektar. An diesem Prozentsatz hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts so gut wie nichts geändert. 60.000 Hektar Wald sind als Biotop geschützt. Das entspricht zwei Drittel der landesweiten Waldfläche. 

52 Prozent der Wälder sind in privater Hand, 34 Prozent in kommunalem und 13 Prozent in staatlichem Besitz. Ein Prozent gehört staatlichen Einrichtungen. Drei Baumarten dominieren die Waldlandschaft: Buchen, Eichen und Fichten. 


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Diese Informationen gehen aus dem „Exposé des motifs“ des Gesetzentwurfs hervor, der die Wälder neu regeln soll und am Donnerstag im zuständigen Parlamentsausschuss behandelt wurde. 

Im Gesetzentwurf ist auch zu lesen, dass Luxemburgs Wälder bis auf einige wenige Nadelholzmonokulturen nach wie vor sehr naturnah seien und von der Gesellschaft als schützenswertes Gut angesehen würden. Die Wälder befänden sich summa summarum in einem guten Zustand

Auf den ersten Blick sind das gute Nachrichten, dennoch habe die Gesundheit der Wälder über die vergangenen Jahrzehnte gelitten, heißt es weiter. Grund seien vor allem der Klimawandel und die Luftverschmutzung, doch auch die zunehmende Nutzung von Holz als Biomasse und Kahlschläge setzten den Wäldern immer mehr zu. Trotz einer gewissen Stabilisierung befänden sich 38 Prozent der Bäume in einem schlechten Zustand

Nun sollen alle wichtigen Forstregelungen in einen Gesetzestext gepackt werden – zuzüglich neue Bestimmungen, um die Wälder besser zu schützen und ihren Gesundheitszustand zu verbessern. Das bedeutet in letzter Konsequenz mehr Restriktionen und mehr Verpflichtungen für Waldbesitzer und -nutzer. 

Drei Jahre lag der Entwurf beim Staatsrat, der den Text mit mehr als 40 formellen Einwänden belegt hat. Am Donnerstag wurden den Mitgliedern zahlreiche Änderungsanträge vorgelegt, die den Einwänden Rechnung tragen. Diese müssen nun zurück zum Staatsrat zur Begutachtung. 

Der Vorsitzende des Umweltausschusses, François Benoy (Déi Gréng), spricht von einem wichtigen Gesetz, in dem die vielen verschiedenen Funktionen des Waldes (Klimaschützer, Holzlieferant, Erholungsgebiet) im Sinne der Nachhaltigkeit berücksichtigt würden. 

Auch CSV-Fraktionschefin Martine Hansen begrüßt den Schritt, die vielen Regelungen, die den Wald betreffen, in ein Gesetz zu packen. Allerdings bedauert sie, „dass den Anliegen der privaten Waldbesitzer nicht Rechnung getragen wird. Sie bewirtschaften immerhin 52 Prozent der Wälder“, so Hansen. 

Die privaten Waldbesitzer stören sich an dem Umstand, dass Kahlschläge auf 50 Ar limitiert sind und dass ihnen bei der Hälfte der Neuanpflanzungen vorgeschrieben wird, was sie anpflanzen müssen. 

Verstöße gegen das neue Gesetz werden zum Teil mit Geldbußen sanktioniert. So darf man beispielsweise geringe Quantitäten an Waldprodukten wie Pilze oder Waldbeeren pflücken. Wer zu viel davon mitgehen lässt, muss mit Geldbußen zwischen 24 und 1.000 Euro rechnen.

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