Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ein neuer Schritt in der humanitären Bewegung
Politik 6 4 Min. 27.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Ein neuer Schritt in der humanitären Bewegung

 Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger 2008, war einer der Gäste am Mittwoch.

Ein neuer Schritt in der humanitären Bewegung

Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger 2008, war einer der Gäste am Mittwoch.
Foto: Chris Karaba
Politik 6 4 Min. 27.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Ein neuer Schritt in der humanitären Bewegung

Die Großherzogin wollte mit ihrer "Stand Speak Rise Up"-Konferenz nicht nur auf das Thema sexuelle Gewalt als Kriegswaffe aufmerksam machen. Ihr ging es darum, den Opfern eine Bühne zu geben und konkrete Lösungen für den Kampf gegen diese menschenverachtende Praxis zu finden.

Ehe Großherzogin Maria Teresa am Mittwochmorgen den zweiten Tag des "Stand Speak Rise Up"-Forums einleitete, stand ein ganz besonderer Moment auf ihrer Agenda. Zusammen mit Großherzog Henri konnte sie nicht weniger als drei Friedensnobelpreisträger empfangen. Denis Mukwege, Nadia Murad und Muhammad Yunus wurden im großherzoglichen Palast begrüßt. Alle drei haben eine aktive Rolle in der von der Großherzogin initiierten Konferenz gespielt.

Großherzog Henri, Denis Mukwege, Nadia Murad, Muhammad Yunus und Großherzogin Maria Teresa.
Großherzog Henri, Denis Mukwege, Nadia Murad, Muhammad Yunus und Großherzogin Maria Teresa.
Foto: Cour grand-ducale / Sophie Margue

Unter dem Motto "Moving into action and uniting for impact" (In Aktion treten und sich zusammenschließen) wurde schließlich der zweite Konferenztag von der Großherzogin eingeleitet. "Die Überlebenden machten aus ihrem Leiden außergewöhnliche Stärke, eine Kraft, die uns dabei hilft, etwas in Bewegung zu setzen", hob Maria Teresa in ihrer Rede hervor. "Das Leben, das man den Überlebenden stehlen wollte, hat sich stärker als alles andere erwiesen. Jetzt ist es an uns. Unser Einsatz wird entscheidend sein", motivierte die Großherzogin das Publikum.

Neue Wege gehen

Im Anschluss an die Rede der Großherzogin erhielten Clare Hutchinson, Sonderbeauftragte des NATO-Generalsekretärs für Frauen, Frieden und Sicherheit, Atifete Jahjaga, ehemalige Präsidentin des Kosovo sowie Alexander Stupp, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank in einer Gesprächsrunde das Wort."Um dieses Problem zu lösen, brauchen wir einen holistischen Ansatz. Wir können diesen Kampf nicht gewinnen, ohne die Teilnahme der Opfer, wir müssen ihnen zuhören", lautete die klare Botschaft von Hutchinson. "Man kann Frauen nicht schützen, ohne dass sie Teil dieses Schutzes sind."

Vergewaltigung wurde schon immer als Werkzeug eingesetzt, um das Gewebe der Gesellschaft zu zerstören, einzuschüchtern und zu foltern

Auch die ehemalige Präsidentin des Kosovo, Atifete Jahjaga fand starke Worte: "Wir sind alle hier dank der Überlebenden." Jahjaga warf auch erste Lösungen in den Raum: "Die Anerkennung des rechtlichen Status von Überlebenden als zivile Opfer der Welt ist der allererste Schritt auf dem Weg zur Wiedergutmachung."

Die zweite Gesprächsrunde des Tages drehte sich um den Stand des internationalen Strafrechts und der Justiz. Sie fand unter der Form eines Gesprächs zwischen  Fatou Bensouda, Chefanklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, und Céline Bardet, Gründerin und Präsidentin der Organisation "We are NOT Weapons of War", statt.


Lokales, Politik, Philharmonie, forum en présence du Grand-Duc et la Grande-Duchesse, , gala, Stand speak rise UP, Foto Anouk Antony
"Frauenkörper sind keine Kriegswaffe"
Die "Stand Speak Rise Up"-Konferenz setzt ein deutliches Zeichen gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe.

Für Bensouda muss es mehr Kooperation und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene geben, will man das Problem lösen. Trotzdem dürften Kriminalgerichte auf nationaler Ebene den Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe nicht vernachlässigen. Bensouda plädierte für ein neues, internationales Justizsystem, das Opfer besser schützt und dafür Sorge trägt, dass sie nicht erneut Opfer werden. "Sexuelle Gewalt ist ein grausames Verbrechen und muss anders behandelt werden. Wir haben Lösungen - wir müssen sie nur umsetzen", fügte Bardet dem hinzu.

Asymmetrische Machtverteilung zwischen Frauen und Männern

Auch am Mittwoch konnte ein ganz besonderer Gast im ECCL empfangen werden. In der Person von Muhammad Yanus hatte ein weiterer Friedensnobelpreisträger den Weg nach Luxemburg gefunden. 2006 wurde der Bengale mit dem Preis ausgezeichnet. Grund hierfür waren seine wegbereitenden Taten im Bereich der Mikrokredite und -finanzen.

Muhammad Yunus erhielt 2006 den Friedensnobelpreis. Er gilt als Erfinder der Mikrokredite, die seitdem weltweit zur Bekämpfung der Armut eingesetzt werden.
Muhammad Yunus erhielt 2006 den Friedensnobelpreis. Er gilt als Erfinder der Mikrokredite, die seitdem weltweit zur Bekämpfung der Armut eingesetzt werden.
Foto: Chris Karaba

Yunus ging in seiner Rede auf die asymmetrische Verteilung von Macht zwischen Frauen und Männern ein: "Nicht nur in extremen Situationen, wie etwa in Kriegsgebieten, wird sexuelle Gewalt als Waffe eingesetzt. Auch in normalen Gesellschaften gibt es Vergewaltigungen, häusliche Gewalt oder andere Formen von gewalttätigen Akten."


Nadia Murad, ex-esclave des jihadistes devenue porte-drapeau de sa minorité et le Dr Denis Mukwege, «l'homme qui répare les femmes», au moment de recevoir le Prix Nobel de la paix. Ils seront tous deux au Luxembourg aujourd'hui.
La lutte contre le viol de guerre s'invite au Kirchberg
Initié par la grande-duchesse Maria Teresa et intitulé «Stand Speak Rise Up!», le forum international contre le viol de guerre se déroule ces mardi et mercredi en présence de témoins «survivantes» et de trois prix Nobel de la paix.

Im weiteren Verlauf seiner Rede warf Yunus einen Blick auf seine eigene Geschichte zurück und wie er es fertigbrachte, das Modell der Mikrokredite zur Bekämpfung der Armut durchzusetzen. Besonderes Augenmerk legte er auf die Tatsache, dass, als er am Anfang seiner Karriere stand, die wenigsten Frauen Kredite erhalten haben, mittlerweile aber ein Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern in diesem Bereich herrsche. Für seine Rede erhielt der Friedensnobelpreisträger stehende Ovationen.


"Die rote Linie klar und deutlich ziehen"

Im Anschluss an die unzähligen Workshops, Gesprächsrunden, Fragerunden und Reden wurden die einzelnen Lösungsvorschläge am Mittwochnachmittag vorgestellt. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass es einen Paradigmenwechsel braucht, um den Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe gewinnen zu können. Hier eine Liste der Ideen:

  • Die Teilnahme und Mitgestaltung der Überlebenden sichern
  • Internationale Kooperation, besonders auf Justizebene
  • Regelmäßige Zusammenkünfte, um mögliche Fortschritte/Rückschritte zu überwachen
  • Größere Macht und Entscheidungskraft für internationale Organisationen und Hohe Gerichte
  • Besserer Schutz von schwachen Gesellschaftsmitgliedern in Krisengebieten
  • Stärkerer finanzieller und gesellschaftlicher Schutz für Flüchtende und Schutzsuchende
  • Internationale Sensibilisierungskampagnen, die auf das Problem aufmerksam machen
  • Einsatz von neuen Technologien und moderner Medizin, um den Opfern besser zu helfen
  • Die Anerkennung des rechtlichen Status von Überlebenden als zivile Opfer der Welt

Ein Land mit Herz

Zum Abschluss der Konferenz erhielt der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn das Wort. "Sie haben im Namen unserer Regierung gezeigt, dass wir mit Ihrer Energie und Beharrlichkeit etwas Gutes schaffen könne", richtete sich Asselborn an das Publikum. Er sprach den Überlebenden die volle Hilfe der luxemburgischen Regierung zu: " Luxemburg ist ein Land, das alles tut, um sicherzustellen, dass die Straflosigkeit nicht umgangen wir."

Der französische Schriftsteller, Medeziner und Diplomat Jean-Christophe Rufin bezeichnete die Konferenz als ein "neuer Schritt in der humanitären Bewegung." Laut Rufin hat das Forum eine neue Definition,Herangehensweise und Perspektive zum Thema sexuelle Gewalt in Konfliktgebieten geschaft. "Der Zusammenhalt der Menschen ist der Schlüssel für die Lösung dieses Problems."

Die Abschlussrede der  Großherzogin Maria Teresa war gefüllt mit Danksagungen und Botschaften der Hoffnungen. "Ihr werdet nie mehr allein sein. Ihr habt für immer meine Unterstützung", richtete sich die Großherzogin an die Anwesenden Opfer sexueller Gewalt.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

"Empörung ist nicht genug"
Gemeinsam mit Großherzog Henri besucht Großherzogin Maria Teresa das "Women's Forum 2018"und macht auf die Nöte sexuell misshandelter Frauen aufmerksam.