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Editorial: Ursache und Wirkung
Leitartikel Politik 2 Min. 25.07.2015

Editorial: Ursache und Wirkung

Leitartikel Politik 2 Min. 25.07.2015

Editorial: Ursache und Wirkung

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Die gute Nachricht vorneweg: Die Zahl der Arbeitslosen geht seit einigen Monaten langsam, aber kontinuierlich zurück. Von 19 468 im Januar sank die Zahl der Erwerbslosen auf 16 833 Ende Juni.

Die gute Nachricht vorneweg: Die Zahl der Arbeitslosen geht seit einigen Monaten langsam, aber kontinuierlich zurück. Von 19 468 im Januar sank die Zahl der Erwerbslosen auf 16 833 Ende Juni. Die Erwerbslosenquote bleibt mit 6,9 Prozent für Luxemburger Verhältnisse allerdings weiterhin hoch.

Der Rückgang ist sicherlich dem wirtschaftlichen Aufschwung geschuldet, aber nicht nur. Auch die Reform der Adem trägt endlich Früchte. Die Betreuung der Arbeitslosen ist besser geworden, deren Vermittlung gezielter. Wesentlich stärker ins Gewicht fallen dürfte aber der verbesserte Kontakt zu den Arbeitgebern, ohne die eine effiziente Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unmöglich ist.

Nach Jahren der Funkstille ist es der Arbeitsagentur endlich gelungen, die Betriebe wieder mit ins Boot zu holen. Davon zeugen das deutliche Plus bei den bei der Adem gemeldeten freien Stellen und die steigende Zahl der Unternehmen, die mit der Adem zusammenarbeiten. Das Abkommen mit der UEL vom Januar dieses Jahres lässt ein größeres Vertrauen der Arbeitgeber in die Arbeitsagentur erkennen.

Es wäre allerdings blauäugig zu glauben, dass ein brummender Wirtschaftsmotor und eine besser funktionierende Adem das Problem der Arbeitslosigkeit lösen könnten. Die Erwerbslosigkeit in Luxemburg hat zur Zeit kaum noch konjunkturelle Ursachen. Wenn dem so wäre, hätte sich angesichts der mehr als 9 000 neuen Jobs, die in den vergangenen zwölf Monaten geschaffen wurden, die Zahl der Arbeitssuchenden im gleichen Zeitraum nämlich fast halbieren müssen.

Luxemburg hat zur Zeit weniger ein Beschäftigungsproblem als vielmehr ein Bildungsproblem. Für die vielen neuen Arbeitsplätze werden gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht, die es in Luxemburg aber nicht in genügender Zahl gibt. Die Betriebe müssen daher auf Arbeitskräfte aus dem nahen und fernen Grenzgebiet zurückgreifen.

Auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt sind Angebot und Nachfrage seit Langem nicht mehr deckungsgleich – und werden es immer weniger sein. Gut die Hälfte aller Arbeitssuchenden hat keinen Schulabschluss, viele haben gerade einmal die obligatorische Schulzeit absolviert. Das Problem ist seit Jahren bekannt, doch bislang ist nicht allzu viel passiert.

Nun hat Bildungsminister Claude Meisch dem frühzeitigen Schulabbruch den Kampf angesagt und will u. a. mit einem gezielteren Schulangebot und einer besseren Orientierung reagieren. Doch Bildungspolitik ist ein langwieriges Geschäft. Bis die Maßnahmen greifen, wird es noch eine ganze Weile dauern.

Bis dahin tappen noch ungezählte Jugendliche in die Falle der Langzeitarbeitslosigkeit. Dass man im Beschäftigungsministerium zunehmend auf Weiterbildung setzt, ist absolut richtig. Doch die Angebote können die Basisdefizite der Betroffenen nur in den seltensten Fällen vollständig ausgleichen.

Wie akut das Problem mittlerweile ist, zeigt nicht zuletzt das Vorhaben der Handwerker. In Eigenregie und auf eigene Kosten ziehen sie eine Art „private Berufsschule“ hoch, um die so dringend gebrauchten Fachkräfte auszubilden. Aus der Not geboren, ist die Eigeninitiative der Handwerker eigentlich eine Bankrotterklärung an die staatliche Berufsausbildung!


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