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Editorial: Lux-Schland?
Leitartikel Politik 2 Min. 17.07.2014

Editorial: Lux-Schland?

Leitartikel Politik 2 Min. 17.07.2014

Editorial: Lux-Schland?

Fernand MORBACH
Fernand MORBACH
An in Luxemburg zugelassenen Autos wehten deutsche Fahnen. Auf Facebook teilten Luxemburger mit, dass „wir Weltmeister werden“. Und zum „Public Viewing“ reisten Hunderte Luxemburger nach Trier – sie wollten bei den Spielen „ihrer“ Mannschaft dabei sein.

An in Luxemburg zugelassenen Autos wehten deutsche Fahnen. Auf Facebook teilten Luxemburger mit, dass „wir Weltmeister werden“. Und zum „Public Viewing“ reisten Hunderte Luxemburger nach Trier – sie wollten bei den Spielen „ihrer“ Mannschaft dabei sein.

Für das Kontrastprogramm sorgten, ob auf Facebook oder am Stammtisch, die Deutschland-Skeptiker und die Deutschland-Gegner. Für sie bleibt eine deutsche Fußballnationalmannschaft ein rotes Tuch, ob sie nun in der ersten Runde ausscheidet oder nach dem Finale als Sieger vom Platz geht.

Hierzulande sorgte die Fußball-WM wieder einmal für Scharmützel und Ressentiments. Ein alter Zwiespalt besteht weiter und lässt sich stets neu beleben. Das Verhältnis der Luxemburger zu ihren, zu unseren deutschen Nachbarn bleibt auch in diesem Jahrtausend – und siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – widersprüchlich und zugleich vielfältig.

Auf der einen Seite steht die pure Deutschland-Begeisterung, auf der anderen Seite steht eine ausgeprägte Abneigung. Der Riss geht quer durch die Generationen. Es ist nicht so, dass nur die Älteren gegen und nur die Jüngeren für Deutschland wären. Im Gegenteil.

Tausende Luxemburger Fußballfans drückten auch der französischen, der belgischen und der holländischen Elf die Daumen. Unter dem Strich dürfte die Pro-Deutschland-Stimmung allerdings noch nie so groß gewesen sein wie jetzt. Etwas Unerwartetes ist diese Entwicklung nicht. Viele Luxemburger stehen dem deutschen Lebensgefühl wenigstens genauso nahe wie dem französischen oder dem belgischen.

Zum Einkaufen fahren sie seit ewigen Zeiten nach Trier, Perl oder Zweibrücken. Weil sie vor allem deutsche Fernsehsender einschalten, wissen viele Luxemburger besser über die deutsche als über die luxemburgische Politik Bescheid. Bayern München und Schalke 04 sind vielen näher als Jeunesse Esch oder der F91 Düdelingen.

Und schließlich empfinden Tausende junge Luxemburger ihre Studien in Deutschland auch als eine Erlösung von dem französischlastigen Luxemburger Schulsystem. Dabei nehmen die Jugendlichen sogar Arbeitsmarktrisiken bewusst in Kauf.

Die Begeisterung, die viele – beileibe nicht alle – Luxemburger für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zeigten, spiegelt möglicherweise eine Wirklichkeit wider, die im Großherzogtum seit langem verkannt oder klein geredet wird. Diese Feststellung mündet immer in der gleichen Frage: Ist die Luxemburger Gesellschaft – oder genauer: der Luxemburger Teil dieser Gesellschaft – im Herzen wirklich so frankofon, wie es in der offiziellen Lesart dargestellt wird?

Man kann es auch anders betrachten: Ein wachsender Teil der Luxemburger scheut sich nicht mehr zuzugeben, dass für sie Deutschland genauso wichtig ist wie Frankreich oder Belgien. Diese Haltung war lange tabu, steht aber auch für ein hoch entwickeltes europäisches Bewusstsein.

Oder sorgen Twitter, Facebook und Foren nur dafür, dass etwas öffentlich wird, was noch nie ganz anders war? Die sozialen Netzwerke ermöglichten und erlaubten einen tiefen Blick in die Seele des Luxemburger Fußballfans.

Das genaue Hinschauen liefert auf den ersten Blick zum Teil erstaunliche Erkenntnisse über die Gemütslage des (sportbegeisterten) Luxemburgers. Vieles, was da gepostet wurde, war überzogen oder ging heftig unter die Gürtellinie. Eines jedoch wurde unmissverständlich klar: Das Herz der meisten Luxemburger Fußballfans schlug für die „Mannschaft“ und für „Schland“.

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