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Editorial: Im Teufelskreis
Leitartikel Politik 2 Min. 28.01.2015

Editorial: Im Teufelskreis

Fernand MORBACH
In zwei Wochen werden die Besitzer von Autohäusern abschätzen können, womit sie in diesem Jahr rechnen dürfen. Werden die Zulassungszahlen weiterhin steigen oder kommt es – wie von nicht wenigen befürchtet – zu einer leichten Eintrübung?

Mehr als 25 000 Besucher kamen vor zehn Tagen zur Luxemburger Tourismusmesse – der Publikumserfolg übertraf die Erwartungen und wird von der Branche als gutes Geschäftsomen gewertet. Am kommenden Wochenende beginnt eine weitere dieser für die Wirtschaft wichtigen Barometer-Veranstaltungen: das 51. Autofestival.

In zwei Wochen werden die Besitzer von Autohäusern abschätzen können, womit sie in diesem Jahr rechnen dürfen. Werden die Zulassungszahlen weiterhin steigen oder kommt es – wie von nicht wenigen befürchtet – zu einer leichten Eintrübung?

Wer sich die Zahlen aus den vergangenen Jahren anschaut, kann eigentlich nur einen Schluss ziehen: Im Autoland Luxemburg wachsen – entlang der länger werdenden Staus – die Bäume immer noch in den Himmel. Allerdings haben sich die Vorzeichen in den vergangenen Monaten verändert.

Zum einen könnte es durchaus sein, dass die erhöhte Mehrwertsteuer dieses Jahr eine absatzbremsende Wirkung entfaltet. Zum andern ist eine Erhöhung der sogenannten Dienstwagensteuer immer noch nicht ganz vom Tisch. Sie würde sich negativ auf das florierende Leasinggeschäft (Umsatz pro Jahr: 260 Millionen Euro!) auswirken und das eine oder andere Unternehmen ins Mark treffen.

Letztlich geht es aber auch um die Frage, wie und wo die grüne Regierungspolitik ihren Niederschlag auf dem Automarkt finden wird – beide sind, das wissen wir, nicht die engsten Verbündeten. Natürlich kommen die seit Wochen sinkenden Benzin- und Dieselpreise der Branche recht.

Die jüngste Preisentwicklung hat das Autofahren fast schon unverschämt günstig werden lassen, zumindest vorübergehend. Vor diesem Hintergrund werden die eh schon geringen Chancen von besonders umweltfreundlichen Fahrzeugen erneut sinken. Gefühlsmäßig ist ihre Massentauglichkeit in weite Ferne gerückt. Leider. Illusionen sollte sich in diesem Punkt niemand machen.

Im Großherzogtum wird in den kommenden Jahren die Zahl der zugelassenen Autos weiter steigen. Diese vorhersehbare Entwicklung hat nur wenig mit dem Verkaufs- und Marketing-Talent der Autohausbesitzer zu tun. Sie wird entscheidend von der Bevölkerungszahl beeinflusst. Die aber wird in Luxemburg weiter steigen. Mehr Einwohner bedeuten mehr Autos – und mehr Autos bedeuten im Fall Luxemburg wohl auch mehr Gedränge und noch mehr Staus auf den Straßen. Das Land befindet sich in einem Teufelskreis, aus dem es so schnell keinen Ausweg finden wird. Alle Gegenmaßnahmen – ob es sich nun um den Bau der Trambahn oder eine Optimierung des öffentlichen Transportes handelt – bleiben nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Leidensfähigkeit der meisten ist hoch, die Lernfähigkeit entsprechend niedrig.

Auch vor dem Beginn des „Autofestival 2015“ können sich die Vertreter der Luxemburger Autobranche entspannt zurücklehnen. Es bleiben Fragezeichen, es bleiben Unsicherheiten, es bleibt ein wirtschaftlich angespanntes Umfeld, es bleibt auch eine höhere Gesamtbelastung der Haushalte – trotzdem werden die Luxemburger ihrem liebsten Kind die Treue halten. Dramatische Absatzeinbrüche sind auf dem Luxemburger Automarkt nicht zu erwarten. Und letztlich halten die meisten Autohändler ihr „Schicksal“ in der eigenen Hand. Gute Autos und ein guter Service bleiben auch im Jahr 2015 mehr als die halbe Miete.


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