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Editorial: Geheimbund Fifa
Leitartikel Politik 3 Min. 21.10.2014 Aus unserem online-Archiv

Editorial: Geheimbund Fifa

Leitartikel Politik 3 Min. 21.10.2014 Aus unserem online-Archiv

Editorial: Geheimbund Fifa

Laurent SCHÜSSLER
Laurent SCHÜSSLER
Dem Fußballweltverband gehören 209 nationale Verbände an. Damit zählt die Fifa mehr Mitglieder als vergleichsweise die Vereinten Nationen (193). Geführt wird sie von einem 78-jährigen Schweizer, der im kommenden Jahr eine weitere vierjährige Amtszeit anstrebt.

Dem Fußballweltverband gehören 209 nationale Verbände an. Damit zählt die Fifa mehr Mitglieder als vergleichsweise die Vereinten Nationen (193). Geführt wird sie von einem 78-jährigen Schweizer, der im kommenden Jahr eine weitere vierjährige Amtszeit anstrebt. Seine Mission sei noch nicht vorbei, so Joseph Blatter.

Die Wiederwahl gilt als gesichert, selbst wenn sich zuletzt Widerstand aus Europa regte. Blatter verfolge nicht das Wohl des Fußballs, ließ unlängst der Präsident der europäischen Dachunion, Michel Platini, verlauten. Dabei gab es eine Zeit, da waren er und Blatter dicke Freunde. Platini war ein wichtiger Wahlhelfer, als sich Blatter 1998 im Kampf um die Krone der Fifa gegen Lennart Johansson durchsetzte. 2007 drängte Platini dann den Schweden aus dem Amt des Vorsitzenden der Uefa. Blatter verfolgt es mit Wohlwollen.

Diese Zeiten sind jedoch passé. Zwischen Blatter und Platini ist das Tischtuch zerschnitten. Und dies nicht erst seit den viel kommentierten Weltmeisterschaftsvergaben nach Russland (2018) und Katar (2022). Platini sei ein ängstlicher Verwalter, höhnte Blatter unlängst über seinen Ziehsohn. Die Rolle des Franzosen im Welttheater des Fußballs ist nicht weniger diffus als jene von Blatter.

Spätestens seit bekannt wurde, dass er wenige Tage vor der WM-Abstimmung gemeinsam mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und einem katarischen Prinzen in Paris gespeist hat. Platini bestätigte, dass er für Katar gestimmt habe. Dabei hätte ein ehemaliger Weltklassefußballer doch wissen müssen, dass die Austragung einer WM im Sommer (wie es die Fifa vorsah) wegen der zu großen Hitze dort unmöglich sei. Zu diesem Punkt hat der Lothringer niemals öffentlich Stellung bezogen.

Als der öffentliche Druck bezüglich der ersten Weltmeisterschaft im arabischen Teil Asiens immer größer wurde, sah sich Blatter gezwungen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um den Vorwürfen über Unregelmäßigkeiten bei der Wahl nachzugehen. Ein Erfolg für die Kritiker? Nein, eher pure Augenwischerei. Denn der Fifa-Präsident strebt sich heutzutage mit allen Mitteln gegen eine komplette Veröffentlichung des Berichts.

Obschon sein Wort in den Kreisen des Weltverbandes quasi Gesetzeskraft hat, wächst der Widerstand. Zwar langsam, aber stetig. Wen wundert es, dass es gerade Platini ist, der für eine Offenlegung plädiert? Und damit Blatter auch noch den letzten Rest Wind aus den Segeln zu nehmen versucht. Immerhin hatte der rüstige 78-Jährige kurz zuvor erklärt, kein Mitglied der Fifa-Exekutive habe eine Veröffentlichung beantragt.

Es ist hinlänglich bekannt, dass unter den damaligen Bedingungen die Vergabe der WM an den Katar ein Fehler war. Doch wie konnte es zu dieser falschen Einschätzung kommen? Viel Hoffnung war in die Untersuchungen des ehemaligen amerikanischen Staatsanwalts Michael Garcia gesteckt worden. Wenn einer Klarheit schaffen konnte, dann er.

Der Abschlussbericht liegt nun vor. Doch er scheint Blatter nicht genehm zu sein. Oder wieso diese Geheimniskrämerei? Es ist ebenso überraschend wie skandalträchtig, dass sich aus der internationalen Welt des Fußballs kein größerer Aufschrei gegen solche Methoden verlauten lässt. Weder von den Mitgliedsverbänden (wieso reagieren Länder wie Deutschland, England oder Spanien nicht?) noch von den Sponsoren der Fifa, die solche geschäftsschädigenden Diskussionen leid sein müssten. Oder haben etwa alle noch die eine oder andere Leiche gemeinsam mit Blatter im Keller liegen?


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