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Editorial: Ein neuer Riese
Leitartikel Politik 2 Min. 02.02.2015

Editorial: Ein neuer Riese

Leitartikel Politik 2 Min. 02.02.2015

Editorial: Ein neuer Riese

Christophe LANGENBRINK
Christophe LANGENBRINK
Frankreich macht Ernst. Nachdem der „Conseil constitutionnel“ am 15. Januar grünes Licht gegeben hatte, stimmte am 27. Januar der Senat noch in erster Lesung, aber dafür mit klarer Mehrheit für die französische Territorialreform.

Frankreich macht Ernst. Nachdem der „Conseil constitutionnel“ am 15. Januar grünes Licht gegeben hatte, stimmte am 27. Januar der Senat noch in erster Lesung, aber dafür mit klarer Mehrheit für die französische Territorialreform. Keine 22 Regionen sollen wie bisher Frankreich ein Gesicht verleihen, sondern 13. Schon ab 2016 wird sich somit Frankreichs Landkarte stark wandeln.

Für Luxemburg und die Großregion bedeutet das eine gravierende Veränderung. Denn nicht mehr Metz ist die Hauptstadt der angrenzenden Partnerregion, sondern zukünftig Strasbourg. Der Zusammenschluss der Regionen im „Grand Est“ als eine neu geschaffene Gebietskörperschaft mit Namen „Alca“ verleiht dieser ein ganz neues politisches wie ökonomisches Gewicht. Wie gestaltet sich in Zukunft die regionale Zusammenarbeit? Sollen wir uns vor dem Übergewicht fürchten?

Ein kleines Unbehagen besteht schon, wenn die bisher bekannten Regionen Lorraine, Champagne-Ardenne und das Elsass zu einer Körperschaft zusammenrücken. Das Pendel, das bisher je nach Fokus auf die eine oder andere Region hin und her schwankte, wird in Zukunft eindeutig in eine Richtung ausschlagen, nämlich zur neuen „Alca“. Mit 5,5 Millionen Einwohnern, einem BIP von 147 Milliarden Euro und einer Fläche von 57.433 km2 ist sie mit Abstand die größte Einheit. Allein durch ihre Dimension würde sie die Hälfte der Großregion ausmachen. Ein neuer Riese, dessen Selbstverständnis anders als bis dato zu bewerten ist.

In der Tat spielt in politischen Verhandlungen das Kaliber durchaus eine gewichtige Rolle. Nicht anders ergeht es nämlich auf europäischer Ebene. Zwar spricht man von gleichberechtigten Partnern, aber es zählen de facto ebenso wirtschaftliche wie politische Indikatoren in der Entscheidungsfindung mit.

Wer also glaubt, dass alles beim Alten bleibt, der irrt gewaltig. Denn wer sich seiner Größe erst einmal bewusst ist, tritt anders auf und stellt ganz andere Ansprüche. Und wer den Stolz der Grande Nation kennt, weiß, dass Franzosen sich nicht in Bescheidenheit üben, wenn es darum geht, ihre Interessen zu vertreten. War es schon kompliziert genug, mit dem territorialen „millefeuille lorrain“ zurechtzukommen, wie wird es erst, wenn nicht mehr Metz, sondern Strasbourg das neue Machtzentrum im Osten wird?

Sicherlich wird es nicht einfacher. Mit Strasbourg gewinnt die Großregion nach Luxemburg zunächst eine weitere europäische Hauptstadt, doch gesellen sich Partnerregionen wie Baden-Württemberg und die alemannische Schweiz dazu. Eine Partnerschaft, die z. B. mit dem EuroAirport Basel Mulhouse Freiburg durchaus schon ihre Früchte getragen hat. Somit dürfte klar sein, dass die neue Straßburger Entscheidungszentrale ihre Ausrichtung zum Rheingebiet nicht aus dem Fokus verlieren wird.

Doch ist nicht alles Gold, was glänzt. Und anders als bei der deutschen Wiedervereinigung, wächst hier nicht zusammen, was zusammengehört. Eine neu geschaffene Region, die auf keiner historischen Grundlage beruht, wird es schwer haben, sich zu finden. Die 50 Milliarden Euro an Ersparnis, die sich die Regierung von François Hollande erhofft, könnten noch lange auf sich warten lassen. Trotzdem dürfen Luxemburg und die Großregion diese Entwicklung nicht kleinreden. Schon jetzt sollten Weichen für die zukünftigen Konstellationen gestellt werden.


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