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Editorial: Die Kuh gibt die Milch
Leitartikel Politik 2 Min. 06.07.2015 Aus unserem online-Archiv

Editorial: Die Kuh gibt die Milch

Leitartikel Politik 2 Min. 06.07.2015 Aus unserem online-Archiv

Editorial: Die Kuh gibt die Milch

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Nein, die Milch „wächst“ nicht im Kühlregal im Supermarkt! Es sind die Kühe, die die Milch liefern. Und die Bauern tun ihr Möglichstes, damit sie möglichst viel Milch liefern.

Nein, die Milch „wächst“ nicht im Kühlregal im Supermarkt! Es sind die Kühe, die die Milch liefern. Und die Bauern tun ihr Möglichstes, damit sie möglichst viel Milch liefern.

Sie tun es aber nicht aus freien Stücken, sondern weil sie aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen sind, weil sie die Produktionskosten möglichst gering halten müssen. Bei einem Preis von derzeit weniger als 30 Cent pro Kilo bleibt nämlich kaum noch Luft nach oben.

Was für die Milch gilt, gilt auch für die meisten anderen Produktionssparten. Ob Getreide oder Fleisch, die Kosten laufen den Bauern davon, die Margen sind gering und die Einkommen der Landwirte liegen seit Jahren deutlich hinter denen der restlichen Bevölkerung zurück.

Hinzu kommt noch das schlechte Image, werden die Bauern doch nur allzu gerne als Umweltsünder schlechthin abgestempelt, wie zuletzt in der Diskussion um das Herbizid Round Up.

Sicher, es passierten und es passieren immer noch Fehler, viele Fehler sogar. Doch wir machen es uns zu einfach, wenn wir ausschließlich mit dem Finger auf die Bauern zeigen, wenn die Natur durch die landwirtschaftlichen Produktionsmethoden Schaden nimmt.

Der ökonomische Druck auf die Landwirte ist auch deshalb so hoch, weil die Lebensmittel immer billiger werden. Seit den 60er-Jahren sank der Anteil, den die Haushalte für Lebensmittel ausgeben müssen, von über 30 auf heute unter zehn Prozent. An den Umweltsünden tragen also nicht nur die Bauern Schuld, sondern wir alle, die zu jeder Jahreszeit immer und überall nach genügend gesunden und billigen Nahrungsmitteln verlangen, müssen Verantwortung übernehmen.

Billig, gut und umweltschonend lässt sich nämlich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen.

Doch gerade weil immer alles in ausreichenden Mengen vorhanden ist, schwindet die Wertschätzung für die Lebensmittel. Die FAO schätzt, dass Europäer mehr als 100 Kilo Lebensmittel pro Jahr in den Müll werfen, obwohl ein Großteil noch genießbar wäre.

Dass viele Menschen den Wert der Nahrungsmittel nicht mehr zu schätzen wissen, liegt u. a. daran, dass ein Großteil der Bevölkerung heute kaum noch mit der Landwirtschaft vertraut ist. Als es noch in jedem Dorf mehrere Bauern gab, wussten die Leute, wie die Kartoffel auf den Teller kam!

Und deshalb sind Veranstaltungen wie die landwirtschaftliche Ausstellung in Ettelbrück so wichtig. Die Foire agricole ist nicht nur die Leistungsschau des Luxemburger Agrarsektors per excellence, sie ermöglicht auch den Menschen, die nichts mit Landwirtschaft am Hut haben, einen Blick hinter die Kulissen.

Auf der Foire agricole geht es aber auch immer um Politik. Die Bauern werden mit Freude zur Kenntnis genommen haben, dass die EU-Kommission endlich das „Programme de développement rural“ (PDR) gutgeheißen hat.

Landwirtschaftsminister Etgen will das auf dem PDR basierende Agrargesetz in der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause einbringen. Wenn nichts dazwischen kommt, kann es zum 1. Januar in Kraft treten, mit zwei Jahren Verspätung! Die Bauern hätten dann endlich wieder mehr Planungssicherheit. Eine Unbekannte bleibt aber noch.

Die bereits seit langem angekündigte Reform des Naturschutzgesetzes lässt nämlich immer noch auf sich warten. Solange der Text aber nicht vorliegt, bleibt in der Landwirtschaft manches in der Schwebe.


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