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Editorial: Auf der Schiene
Leitartikel Politik 2 Min. 20.02.2015

Editorial: Auf der Schiene

Leitartikel Politik 2 Min. 20.02.2015

Editorial: Auf der Schiene

Claude FEYEREISEN
Claude FEYEREISEN
In weniger als 30 Monaten soll die Tram durch die Hauptstadt rollen. Auf dem ersten Streckenabschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Kirchberg. Obwohl bereits auf der Schiene, ist das Straßenbahnprojekt immer noch Aufregerthema Nummer eins.

In weniger als 30 Monaten soll die Tram durch die Hauptstadt rollen. Auf dem ersten Streckenabschnitt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Kirchberg. Obwohl bereits auf der Schiene, ist das Straßenbahnprojekt immer noch Aufregerthema Nummer eins. Leserbriefe, Online-Kommentare und Stammtisch-Parolen sprechen Bände.

Eigentlich müssten sie es längst besser wissen, doch die Gegner sehen die Tram weiterhin nur als Schienenfahrzeug, das zwischen zwei Punkten Personen hin und her befördert. Aus Prinzip. Dass der Tram eine visionäre Idee zugrunde liegt, wird schlichtweg ausgeblendet. Aus den Augen, aus dem Sinn? Die Tram vielleicht, nicht aber die stetig steigende Zahl der Pendler...

In den meisten Fällen sind die notorischen Nörgler mit jenen Bürgern identisch, die sich mit Inbrunst über die angeblich immer leer fahrenden Busse aufregen. Jene Busse, die den Verkehrsfluss nur behindern und ohne die ohnehin alles besser wäre. Es sind auch dieselben Unbelehrbaren, die sich tagein, tagaus über die Staus ärgern, sie hätten ja wahrlich Wichtigeres zu tun, als ihre Zeit im Auto zu verlieren und so weiter ...

Ja, in den kommenden Jahren wird die Zahl der Autos weiter steigen. Diese Entwicklung ist untrennbar mit dem anhaltenden Bevölkerungswachstum gekoppelt. Mehr Einwohner, mehr Autos, mehr Staus. Die Tram ist kein Allheilmittel, will das auch nicht sein und wird auch nicht alle Probleme lösen können.

Dennoch wird sie dazu beitragen, die in den Stoßzeiten prekäre Lage auf dem Contournement sowie auf der Düdelinger und der Escher Autobahn mittelfristig zu entschärfen. Selbst dann, wenn dadurch das Verkehrsaufkommen lediglich stabilisiert wird, hat die Tram bereits gesiegt.

Das Straßenbahnprojekt hat allerdings das Problem, dass es von vielen aus Prinzip abgelehnt wird. Weil es missverstanden wird. Die Tram ist nicht nur ein simples Schienenfahrzeug, nein, sie bildet das Rückgrat eines Gesamtkonzepts, das die Pendlerströme kanalisieren, das Verkehrsaufkommen eindämmen und die Stadt Luxemburg entlasten soll.

Das Konzept umfasst (in seiner ersten Bauphase) neun Umsteigeplattformen auf der Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Kirchberg. Ferner sind Peripheriebahnhöfe für Eisenbahn und Regionalbusse, Auffangparkplätze am Stadtrand und im Grenzgebiet sowie neue Zugstrecken geplant. Bis vor die Stadt fährt man künftig mit Auto, Bus oder Bahn, in die Stadt hinein fährt man mit der Tram.

Die Tram wird – und soll – kein sperriger Ersatz für die wendigeren Busse sein. Mittelfristig wird die Tram aber den regionalen Busverkehr (RGTR, Tice, CFL) zu einem beträchtlichen Teil aus der City verbannen. Das sind genau die Busse, die von den Tramgegnern kritisiert werden, weil sie leer unterwegs sind.

Nicht etwa, dass der Busfahrer keine Lust hätte, Fahrgäste aufzunehmen, nein, er darf es schlichtweg nicht. Für die Personenbeförderung innerhalb der Stadt sind andere zuständig, die städtischen Busdienste nämlich. Die werden auch weiterhin für die Feinverteilung sowie die Verbindung jener Stadtteile zuständig sein, die nicht an das Tramnetz angeschlossen sind.

Bis die Tram als ganzheitliches Konzept verstanden ist, wird es noch dauern. Eigentlich unverständlich, wo doch die meisten Kritiker nur allzu gerne voller Bewunderung von den ach so hervorragend funktionierenden S-Bahnen, U-Bahnen, Hochbahnen, Schwebebahnen und anderen Bahn-Derivaten in europäischen Städten schwärmen ...


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