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Dritte industrielle Revolution: Rifkins Zukunftsvorstellungen
Politik 2 Min. 14.11.2016

Dritte industrielle Revolution: Rifkins Zukunftsvorstellungen

Teilen, wiederverwerten, anders nutzen: Das sind die Schlagwörter der dritten industriellen Revolution von US-BeraterJeremy Rifkin.

Dritte industrielle Revolution: Rifkins Zukunftsvorstellungen

Teilen, wiederverwerten, anders nutzen: Das sind die Schlagwörter der dritten industriellen Revolution von US-BeraterJeremy Rifkin.
Foto:Gerry Huberty
Politik 2 Min. 14.11.2016

Dritte industrielle Revolution: Rifkins Zukunftsvorstellungen

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
"Wir machen uns zur dritten industriellen Revolution auf", sagt US-Berater Jeremy Rifkin. In der Luxexpo wurde ein 500-seitiges Strategiedokument für ein nachhaltiges, vernetztes Wirtschaftsmodell vorgestellt.

(BB) - Rund zehn Monate lang haben 300 Unternehmer, Mitglieder der Zivilgesellschaft und Beamte über neue Lösungswege für eine dritte industrielle Revolution in Luxemburg gebrütet. Sie haben sich an den Thesen von Jeremy Rifkin inspiriert. Nun liegt ein umfassender Katalog mit innovativen Konzepten vor. Ziel ist es, die Produktherstellung und - nutzung anders zu gestalten. Oder wie es US-Berater Jeremy Rifkin selbst in der Luxexpo zusammenfasste: "Power to the people".

Doch worum geht es eigentlich bei der dritten industriellen Revolution? Am Montag hat Jeremy Rifkin die Ansätze für ein nachhaltiges, vernetztes Wirtschaftsmodell skizziert:

+++ "Wir sind völlig von den Preisschwankungen der fossilen Kraftstoffe abhängig", so Rifkin. Künftig sollen erneuerbare, nachhaltige Energien wie Windkraft und Sonne verstärkt genutzt werden.

+++ Im neuen System sind die Haushalte in der Energieproduktion involviert. Die Energie wird künftig nicht an einer zentralen Stelle hergestellt, sondern viel mehr auf lokaler, regionaler Ebene, sprich dezentral. So sollen z. B Haushalte verstärkt Solarzellen auf ihren Dächern anlegen. Intelligente Zähler werden hier eine bedeutende Rolle einnehmen, um den Verbrauch besser zu steuern.

+++ "Mit dem aktuellen Modell können wir nicht weitermachen. Es ist wenig effizient, ressourcenintensiv und durch Ungleichheiten markiert", so Rifkin. Neue Initiativen beruhen auf dem Konzept der Wiederverwertung, dem Teilen von Gütern und Leistungen, und der Ressourcenschonung.

+++ "Für meine Generation war es wichtig, autonom zu sein und alles selbst zu machen", so Rifkin. Junge Leute würden ganz anders denken. Sie würden als Gemeinschaft funktionieren. Genau das sei wegweisend. In Zukunft werde mehr "inklusiv statt individuell exklusiv" gehandelt. Kompetenzen werden zusammengelegt.

+++ Die Machtverhältnisse sollen sich ändern. Die Gesellschaft wird weniger pyramidal sondern mehr horizontal aufgestellt sein.

+++ Besitztum war gestern. Morgen wird der Zugang zu Leistungen ausschlaggebend sein. So zum Beispiel, was das Auto betrifft. Künftig sind die Menschen nicht mehr unbedingt Fahrzeuginhaber. Sie greifen auf Car-Sharing und Fahrgemeinschaften zurück. Bald könnte das geliehene Auto denn auch selbst zu den Kunden kommen, wenn es selbstfahrende Fahrzeuge gibt, so eine Vorstellung.

+++ Seine Revolution macht Rifkin an drei Pfeilern fest: Neue Kommunikationstechnologien, neue Energiequellen und neue Mobilitätsformen. "Damit können wir unsere Wirtschaft in ein neues Zeitalter führen", sagt er.

+++ Digitale statt materielle Sachen. Wissen und Kulturgüter können künftig verstärkt über Apps geteilt werden. "We use less, and we waste less", fasst Jeremy Rifkin ein generelles Umdenken zusammen.

+++ Das Internet der Dinge und extrem rapide Internetverbindungen kommen ganz groß raus. Daten sollen die Menschen bei den alltäglichen Aktivitäten verstärkt unterstützen. Das bedeutet auch, dass neue Technologien ausgebaut werden müssen, und die Datenlagerung sowie der Datenschutz zu den neuen Herausforderungen zählen.

+++ In Punkto Jobs wird es künftig viel mehr um Dienstleistungen gehen. Die Betriebe werden nicht mehr zwingend Güter verkaufen. Ihr Arbeitsbereich wird sich verstärkt auf die Vermittlung beziehen, um Güter zu teilen oder neu zu verwerten. "Wir brauchen Techniker, die Kabel verlegen; Unternehmer mit innovativen Konzepten, Bauarbeiter; und Handwerker für Häuser mit geringem Energieverbrauch", sagt Rifkin.

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