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Berufseinsteiger am Limit ihrer Belastbarkeit
Politik 2 Min. 15.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Dreijähriges Referendariat

Berufseinsteiger am Limit ihrer Belastbarkeit

Junge Grundschullehrer, die in diesem Jahr ihre Initialausbildung abschließen, dürfen sich auf entschärfte Stage-Bedingungen freuen.
Dreijähriges Referendariat

Berufseinsteiger am Limit ihrer Belastbarkeit

Junge Grundschullehrer, die in diesem Jahr ihre Initialausbildung abschließen, dürfen sich auf entschärfte Stage-Bedingungen freuen.
Foto: Pierre Matgé
Politik 2 Min. 15.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Dreijähriges Referendariat

Berufseinsteiger am Limit ihrer Belastbarkeit

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Seit vergangenem Herbst müssen junge Grundschullehrer ein dreijähriges Referendariat durchlaufen. Doch viele klagen über die hohe Doppelbelastung. Deshalb gelten ab 2017/18 entschärfte Stage-Bedingungen.

(mig) - Es ist neu, noch etwas unausgewogen und wird jetzt entschärft. Gemeint ist das dreijährige Referendariat, das junge Grundschullehrer seit vergangenem Herbst durchlaufen.

Die Belastung durch Unterricht in der Klasse einerseits und Kurse am „Institut de formation de l'Education nationale“ (Ifen) andererseits ist zeitweilig sehr hoch. Manche Wochen sind mit Kursen vollgepackt, andere sind kursfrei. Ab der nächsten Rentrée werden die Bedingungen entschärft.

Die jungen Lehrer müssen nur noch einmal pro Woche zum Ifen, die Kurse werden prioritär an den freien Nachmittagen (Dienstag und Donnerstag) abgehalten. Kurse an Samstagen sollen die Ausnahme bleiben. Außerdem werden die Kurse in den ersten beiden Septemberwochen angeboten. So kann ein Teil der Pflichtkurse vor der Rentrée abgehakt werden.

Die beiden Wochen vor Trimesterende bleiben kursfrei, damit die Lehrer sich auf die Schule konzentrieren können. Das gilt auch für die zweite Septemberhälfte. Kursmodule, die sehr gefragt sind, werden öfter angeboten, damit jeder sich sein Referendariat nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen kann. Das Angebot wird von 15 auf 45 Module erhöht.

Angst vor dem Scheitern

Am schwersten aber wiegt offenbar die Angst der Berufsanfänger, das Referendariat nicht zu schaffen. Die Angst ist verständlich, schließlich haben die Lehrer eine abgeschlossene vierjährige Grundausbildung hinter sich und wollen nicht am „Stage“ scheitern.

Am größten ist die Angst vor der Prüfung über die Gesetzgebung, die im ersten Jahr auf dem Programm steht. Laut Elisabeth Houtmann, die am Ifen für den „Stage“ im Fondamental zuständig ist, haben lediglich zwei von 182 Referendaren die Prüfung nicht geschafft, können sie aber noch vor der Sommerpause wiederholen. Andere scheiterten mit ihren schriftlichen Produktionen oder müssen ihr Portfolio überarbeiten. Die Erfolgsquote bei der diesjährigen Kohorte (182 Referendare) liegt Bildungsminister Claude Meisch zufolge bei 90 Prozent.

Die Anpassungen basieren auf Rückmeldungen von Referendaren, Kursleitern sowie pädagogischen Beratern, die die Berufsanfänger in ihrer täglichen Praxis begleiten. „Die Begleitung wird von den Referendaren als positiv und hilfreich erlebt“, so der Bildungsminister gestern bei der Vorstellung der ersten „kleinen“ Bilanz „nach zwei Trimestern Stage“.

Die Verantwortlichen am Ifen können die Angst der Referendare vor dem Scheitern verstehen, halten sie aber für unbegründet und wollen beruhigen. Um zu bestehen, müssen die Lehrer zwei Drittel der Punkte erreichen. So will es das Gesetz. Ifen-Leiter Camille Peping ist aber der Ansicht, dass jeder es schaffen kann, wenn er die Chancen, die sich ihm durch die professionelle Begleitung bieten, für sich nutzt, „aber wir können keine Garantie von vornherein geben, dass jeder das Referendariat schafft“.

Am Ifen werden dieses Jahr insgesamt  Referendare u.a. aus der Grundschule, der Sekundarschule und dem sozio-edukativen Bereich ausgebildet. Nächstes Jahr kommt die zweite Kohorte dazu. Da das Ifen inzwischen aus allen Nähten platzt, werden einige Kurse dezentral in anderen Räumlichkeiten abgehalten.


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