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Digitalisierung der Medizin: Auf die Sprünge geholfen
Politik 4 Min. 17.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Digitalisierung der Medizin: Auf die Sprünge geholfen

Der Allgemeinarzt Patrice Anton bei der Beratung eines Patienten über die von der CNS zur Verfügung gestellte Telekonsultationsplattform. Das hat aber Grenzen und ist nicht für eine eingehende Diagnostik geeignet.

Digitalisierung der Medizin: Auf die Sprünge geholfen

Der Allgemeinarzt Patrice Anton bei der Beratung eines Patienten über die von der CNS zur Verfügung gestellte Telekonsultationsplattform. Das hat aber Grenzen und ist nicht für eine eingehende Diagnostik geeignet.
Foto: Guy Wolff
Politik 4 Min. 17.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Digitalisierung der Medizin: Auf die Sprünge geholfen

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Corona hat auch sein Gutes: Manche digitale Methode, die jetzt übergangsweise in Rekordzeit eingeführt wurde, könnte auch in Zukunft Anwendung finden.

Telekonsultationen mit den Patienten per Telefon oder Videokonferenz oder Rezepte und Krankenscheine direkt an die Apotheke und die CNS übermitteln – in Corona-Zeiten sind gerade im medizinischen Bereich sehr schnell Möglichkeiten geschaffen worden, die in den vergangenen Jahren nur zögerlich vorankamen beziehungsweise verboten waren. Einiges davon hat gute Chancen, beibehalten zu werden. 

Vor Corona war es den Ärzten strengstens untersagt, Ferndiagnosen zu stellen und eine Sprechstunde abzurechnen, ohne dass der Patient physisch anwesend war, also tatsächlich auch „gesehen“ wurde. Geschweige denn einen Krankenschein so auszustellen. Sie konnten lediglich eine Convenance personelle (CP 7) in Rechnung stellen, die nicht von der CNS erstattet wird, wenn sie eine telefonische Beratung machten, also medizinische Auskünfte erteilten, die länger als zehn Minuten dauerten. 

Krankenschein per Ferndiagnose

Nun dürfen Ärzte vorübergehend Krankenscheine per Telediagnose ausstellen und direkt an die CNS übermitteln. Und Rezepte dürfen auch gemailt werden: Sie werden über den Site pharmacie.lu dann an die betreffende Apotheke weitergeleitet und auch von der CNS akzeptiert.


Illustration Arbeiten von Zuhause aus, Telearbeit, Télétravail, Homeoffice, Coronavirus, Covid-19, Illustration: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Corona-Virus treibt Digitalisierung voran
Durch die Corona-Krise und den wirtschaftlichen Shutdown erlebt die Digitalisierung einen enormen Aufschwung.

In Normalzeiten erstattet sie nur Rezepte in Originalform mit Stempel und Unterschrift. Das sollte sich erst ändern, wenn die elektronische Patientenakte einmal flächendeckend eingeführt ist. Dort ist die e-ordonnance vorgesehen, auf die Apotheker über den Patienten Zugriff erhalten. 

Die größte Revolution ist die Telekonsultation, die nicht nur erlaubt, sondern regelrecht angeordnet wurde, um weitere Infektionen zu vermeiden. Patienten sollen sich eher per Telefon oder auch per Videokonferenz an ihren Arzt wenden und gerade nicht in die Praxis kommen. 

Das System Maela ist beispielhaft   


eConsult: Mehr als 3.000 Fernkonsultationen durchgeführt
Vor zwei Wochen wurde eine staatliche Plattform für Fernkonsultationen geschaffen. Seitdem haben sich rund 4.000 Patienten dort regisitriert.

Dafür hat die CNS einen eigenen Tarif geschaffen und eine von der Agence eSanté erstellte Plattform zur Verfügung gestellt. Andere Plattformen, wie doctena.lu, oder einzelne Krankenhäuser sind dem Beispiel gefolgt und bieten Arztkonsultationen auf ihren Webseiten an. 

Das Gesundheitsministerium richtete derweil das gesicherte System Maela ein, mit dem Covid-19-Patienten, die nicht oder nicht mehr hospitalisiert sind, in ihrem Zuhause überwacht werden können – sofern sie dem zustimmen. Der Patient füllt dazu täglich über zwei Wochen einen kurzen Fragebogen aus. Mehr als 400 Patienten wurden so schon betreut. 

Drei Situationen für künftige Telekonsultationen

Es ist das Beispiel einer Überwachungsmethode, die auch künftig in bestimmten Fällen durchaus denkbar wäre – wohlgemerkt aber eine diagnostische Sprechstunde nicht ersetzen kann. Der Vizepräsident der Ärztevereinigung AMMD, Dr. Philippe Wilmes, kann sich drei Situationen für Telekonsultationen vorstellen. 

„Es könnte so ein erster Termin bei einem Arzt vorbereitet werden: Um welches Problem geht es, was gibt es schon an Voruntersuchungen und Diagnostiken, die der Patient mitbringen soll – das spart wertvolle Zeit“, meint er. „Auch Konsultationen zur Kontrolle des Gesundheitszustands eines Patienten, bei denen nur geredet wird, sind so denkbar.“ 

Datenschutz und -sicherheit perfektionieren

Eine dritte Möglichkeit sei die Überwachung nach einem ambulanten operativen Eingriff und schneller Entlassung nach Hause. Ein Pfleger besucht diese Patienten zu Hause, nimmt die Daten auf und der Arzt kontrolliert sie über Distanz. „Das sind drei Achsen, wo die Telemedizin viel bringen kann. Wir müssen die Sicherheit des Datentransfers und den Datenschutz nur perfektionieren“, sagt Wilmes. 

Die Möglichkeit einer Videokonsultation wäre ohnehin irgendwann eingeführt worden.

Patrick Kersten, CEO doctena.lu

„Die Möglichkeit einer Videokonsultation wäre ohnehin irgendwann eingeführt worden“, zeigt sich Patrick Kersten überzeugt. „Ich habe solche Projekte schon in anderen Ländern aufgebaut.“ Der CEO und Gründer der Online-Plattform doctena.lu, über die man Arzttermine ausmachen kann, verweist darauf, dass es vor allem bei Patienten mit chronischen Krankheiten Sinn macht. 

Anwendung bei chronisch Kranken


Patrick Kersten, CEO von Doctena.
Doctena übernimmt Terminland
Die Plattform für die Online-Buchung von Arztterminen Doctena befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Der Buchungsspezialist hat die Arztsparte des Wiesbadener Onlineterminanbieters Terminland übernommen.

Sie müssen ständig überwacht werden – regelmäßige Calls über Video sind da einfacher, als sie immer in die Praxis oder das Krankenhaus einzubestellen. „Jeder gewinnt Zeit“, argumentiert er, schränkt aber ein, dass es nur bei Patienten geht, die man über eine lange Zeit schon gut kennt, und auch nur bei einer Behandlung, die ohne physischen Kontakt auskommt.

Allein im vergangenen Jahr wurden über doctena.lu 1,2 Millionen Arzttermine vermittelt. Fast die Hälfte der Bevölkerung nutzt die Plattform. Wenige Tage nachdem die CNS mit der Agence eSanté die Plattform eConsult ankündigte, war auch doctena.lu soweit, Telekonsultationen mit ihren Ärzten zu vermitteln und Rezepte und Krankenscheine gesichert weiterzuleiten. 

 Bald auch digitale Kostenerstattung   

Das einzige, was im Angebot noch fehlt ist es, auch den Prozess der Kostenerstattung zu digitalisieren.

Patrick Kersten

„Die meisten Praxen haben sich auf digitale Angebote umgestellt und die Krise beschleunigte die direkte Anbindung an die CNS“, sagt Kersten. Er arbeitet nun daran, dass auch Rechnungen direkt bezahlt und an die CNS weitergeleitet werden können.

„Das ist das Einzige, was im Angebot noch fehlt: den Prozess der Kostenerstattung zu digitalisieren.“ Die Patienten seien schon lange bereit dafür, fragten regelrecht danach. „Es ist eine gute Zeit, das nun voranzutreiben.“ 

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