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Digital Classroom: Revolution im Klassenzimmer
Alain Rischartz war einer der ersten "iPad-Lehrer" des Landes.

Digital Classroom: Revolution im Klassenzimmer

Foto: Arlette Schmit
Alain Rischartz war einer der ersten "iPad-Lehrer" des Landes.
Politik 2 Min. 10.08.2017

Digital Classroom: Revolution im Klassenzimmer

Die Digitalisierung schreitet voran, auch in den heimischen Klassenzimmern. Die meisten Lehrer, die bereits Erfahrung mit iPad-Klassen haben, schwärmen davon. Es erleichtert den Papierkram und die Stoffvermittlung.

(ham) - „Es gibt inzwischen zwei Arten von Lehrern“, meint Alain Rischartz schmunzelnd. Der Mathematikprofessor aus der Ettelbrücker Privatschule „St. Anne“ hat vor rund sechs Jahren das iPad-Programm der Schule übernommen und gilt als einer der Vorreiter in dieser Domäne. „Es gibt die, die kurz vor Kursbeginn noch bei der Kopiermaschine Schlange stehen. Und dann gibt es die Tablet-User, die sich während dieser Zeit einen Kaffee gönnen“.

Natürlich erzählt der Lehrer diese Anekdote mit einem Augenzwinkern. Im Grunde genommen aber dokumentiert sie, was viele seiner digital-affinen Kollegen ebenfalls unterschreiben würden: Mit einem Tablet lassen sich Klassen einfach verwalten, und das ohne viel Papierkram. So können die Lehrer über spezialisierte Apps Aufgaben, Videos, Bilder oder relevante Informationen mit ihren Schülern teilen. Und das mit der ganzen Klasse oder nur dem einen oder anderen Schüler.

Bei Klassenfahrten müssen nicht noch lange Befugnisscheine ausgedruckt werden; der Lehrer hat sie alle digital auf seinem Tablet. Aufgaben oder Prüfungen müssen nicht mehr ausgedruckt und kopiert werden, sondern können per Knopfdruck an die ganze Klasse gesendet werden. Auch in der Stoffvermittlung öffnen sich neue Wege.

„Mit einem Tablet in der Hand kann ich mehr auf die Schüler eingehen, mich neben sie stellen und den Stoff eingehender erklären“, meint Alain Rischartz. Der Frontal-Unterricht weicht einer gemeinsamen Herangehensweise.

Die Lehrer können den Fortschritt von Schülern bei Aufgaben und Tests im Auge behalten. Wenn das Klassenzimmer entsprechend ausgestattet ist, kann der Inhalt von den iPads der Schüler auf einem Fernseher, Monitor oder Beamer gespiegelt werden.

Schüler trauen sich mehr zu

Dabei habe man die Erfahrung gemacht, dass etwas bescheidenere Schüler ihre Scheu leichter überwinden, wenn sie die Aufgabe vom eigenen Pult aus via Tablet präsentieren. „Und wir merken, dass immer mehr Schüler Eigeninitiative zeigen und selbst mal interessante Videos oder Artikel mit der Klasse teilen“, so Rischartz.

Und der Missbrauch halte sich durchaus in Grenzen. Natürlich sei das Ablenkungspotenzial zu Beginn etwas größer. Nach einiger Zeit jedoch gewöhnten sich die Schüler ans iPad, so dass die Lehrer kaum noch eingreifen müssten. „Dabei kontrollieren wir jedoch, welche Apps auf das Tablet installiert werden und auch zu welchen Programmen die Schüler überhaupt Zugang haben“, so Rischartz, der auch die Robustheit der Maschinen schätzt. In der Privatschule arbeite man noch immer mit den iPads, die man sich vor sechs Jahren zugelegt habe.

„Bislang mussten wir noch keins davon austauschen“, so das Fazit. Grundsätzliche Vorbehalte gegenüber dem digitalen Klassenzimmer gibt es natürlich auch. Manche Lehrer könnten sich nur schwer mit dem neuen Instrument anfreunden. Daneben treffen die Verantwortlichen bei der Einführung von Tablet-Klassen auf handfeste Probleme. „Es geht nicht nur um Ideologie: Man braucht auch Infrastruktur. Es bringt ja nichts, wenn man Tablets anschafft und die Schule hat kein ordentliches Netzwerk“, erklärt Rischartz. ⋌ham


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