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"Ein Tablet ist ein Instrument, kein Inhalt!"
Politik 3 Min. 08.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Digital Classroom

"Ein Tablet ist ein Instrument, kein Inhalt!"

Film statt Aufsatz? Tablets öffnen neue Wege in der Stoffvermittlung.
Digital Classroom

"Ein Tablet ist ein Instrument, kein Inhalt!"

Film statt Aufsatz? Tablets öffnen neue Wege in der Stoffvermittlung.
FOTO: SHUTTERSTOCK
Politik 3 Min. 08.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Digital Classroom

"Ein Tablet ist ein Instrument, kein Inhalt!"

Auf dem Weg zum digitalen Klassenzimmer geht das Bildungsministerium neue Wege. Autonomie und Austausch stehen im Mittelpunkt. Die Schulen sollen ihre eigenen Erfahrungen machen und diese dann mit den anderen teilen.

(ham) - Mit 1 000 Tablets und einem innovativen Schulnetzwerk will sich das Unterrichtsministerium ab September einer der größten Bildungsherausforderungen der letzten Jahre annehmen: der Digitalisierung. Sogenannte „iPad-Klassen“ sind für viele Experten die Zukunft. Tablets vereinfachen nämlich nicht nur die Verwaltung sondern ermöglichen auch ganz neue Herangehensweisen der Stoffvermittlung.

Kernstück des Konzepts ist der Austausch. Statt auf didaktische Programme nämlich will das Bildungsministerium verstärkt auf maßgeschneiderte Kurse setzen, die den Bedürfnissen der jeweiligen Klassen gerecht werden. Aus diesem Grund wolle man den Schulen die nötige Autonomie gewähren, Technik und Programme den Anforderungen vor Ort anzupassen, unterstreicht Luc Weis vom „Service de Coordination de la Recherche et de l'Innovation pédagogiques et technologiques“, kurz SCRIPT.

Die Schulen werden anschließend ermutigt, ihre Erfahrungen zu teilen und zusammen „die Schule des 21. Jahrhunderts zu entwickeln, um den Schülern des 21. Jahrhunderts zum Erfolg zu verhelfen“.

1 000 iPads

Die Vermittlerrolle übernimmt der SCRIPT. „Wir bringen die Schulen in einen permanenten Austausch, während die Hardware vom ,Centre de gestion informatique de l'éducation‘ 
verwaltet wird“, erklärt Weis.

Gemeint sind damit unter anderem die 1 000 Tablets, die das Bildungsministerium in einer ersten Phase verteilt. Das Konzept heißt „One2One“: Schüler aus den teilnehmenden Schulen können die Geräte für 5 Euro monatlich „mieten“ und nach vier Jahren für eine geringe Summe ganz abkaufen. Mittelfristig soll auf diesem Weg jeder Schüler im Land ein iPad erhalten.

Laut Einschätzung des SCRIPT-Verantwortlichen soll das in fünf bis sechs Jahren der Fall sein. Wobei es sich aber nicht ausschließlich um iPads handeln soll. „Der Anteil an Lehrern, die Interesse an den neuen Medien zeigen, ist nicht gerade gering“, erklärt Luc Weis. Dabei sei auch klar geworden, dass viele Lehrer sich der neuen Technologien bedienen, um ihre Kurse vorzubereiten.

Mehr Autonomie

„Im Klassenzimmer aber mussten sie bis dato die dynamischen Medien, an denen sie sich inspirieren, wieder den Gegebenheiten vor Ort anpassen“, so Weis. Damit soll in Zukunft Schluss sein. Schulen, die künftig also Tablets einsetzen wollen, um die Kreativität zu steigern, sollen sich darauf konzentrieren können, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, unterstreicht Weis.

Diese werden anschließend auf nationaler Ebene mit anderen Schulen geteilt und analysiert. Nach und nach kristallisieren sich verschiedene Expertengruppen heraus, die dann zu den unterschiedlichen Themen konsultiert werden können. Ganz nach dem „best-practices“-Prinzip, dem Prinzip der besten Herangehensweise. Ein nationales Konzept, das den Schulen vorschreibt, wie sie die Tablets einzusetzen haben, wird es aber nicht geben.

„Das wäre auch kontraproduktiv“, meint Weis. „Die einen schreiben Texte, andere musizieren, erstellen Grafiken oder verwalten soziale Netzwerke. Französischlehrer nutzen ein iPad anders als ein Mathematiker. Das Tablet ist kein Inhalt, sondern ein Instrument!“

Eine weitere Herausforderung sei natürlich die kurze Halbwertzeit der neuen Medien: Gerade weil diese sich so schnell entwickeln, wäre es falsch, die Lehrer mit To-do-Listen auszustatten und den Schulen bestimmte Programme aufzuzwingen.

Film statt Aufsatz

„Unsere Vorstellungen gehen weit über rapide Entwicklungen hinaus“, meint Weis. „Wir pochen nicht auf ein Programm sondern interessieren uns vielmehr, was Schüler, Lehrer und Schulen mit Hilfe der neuen Technologien alles schaffen können. Werden die Schüler kreativer? Motivierter? Können sie ihre Scheu überwinden und werden ausdrucksstärker, wenn sie ihre Stimmen aufnehmen, anstatt etwas vor der Klasse vorzutragen? Welche Kompetenzen entwickeln sie, wenn sie nach eigenem Drehbuch einen Film drehen anstatt einen Aufsatz zu schreiben?“

Die Bereitschaft, pädagogisches Neuland zu betreten, den Schulen die nötige Autonomie zu gewähren und gleichzeitig auf den Austausch zu setzen, das seien die Pfeiler der neuen nationalen Strategie.


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