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Dienstleister beklagen: "Reform verfehlt ihr Ziel"
Politik 2 Min. 13.10.2016 Aus unserem online-Archiv
Neue Pflegeversicherung

Dienstleister beklagen: "Reform verfehlt ihr Ziel"

Copas-Präsident Marc Fischbach fasst die Sorgen der Pflegedienstleister zusammen: "Wir können im Reformtext keinen Mehrwert erkennen".
Neue Pflegeversicherung

Dienstleister beklagen: "Reform verfehlt ihr Ziel"

Copas-Präsident Marc Fischbach fasst die Sorgen der Pflegedienstleister zusammen: "Wir können im Reformtext keinen Mehrwert erkennen".
Foto: Marc Fischbach
Politik 2 Min. 13.10.2016 Aus unserem online-Archiv
Neue Pflegeversicherung

Dienstleister beklagen: "Reform verfehlt ihr Ziel"

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Der Dachverband der Pflegedienstleister stellt die Reform der Pflegeversicherung in Frage. Mit dem neuen System sei der Zugang von Pflegebedürftigen zu hochwertigen Leistungen nicht gesichert, beklagt die Copas.

(BB) - "Wir hatten es gleich zu Beginn der Verhandlungen eingefordert: Die Qualität der Dienstleistungen für pflegebedürftige Personen kann nicht zur Disposition stehen. Das jetzige Projekt hatte diese qualitativen Erwartungen nicht erfüllt", sagt Copas-Präsident Marc Fischbach.

Die Ausführungsbestimmungen zum neuen Gesetz liegen zurzeit noch nicht vor. Doch das, was der Dachverband der Pflegedienstleister eingesehen hat, missfällt ihm in mehreren Punkten.

Angefangen beim Abbau von spezialisierten Aktivitäten. Die Leistungen sollen hier auf fünf Stunden pro Woche zurückgefahren werden. Bisher konnten die Bezieher zur Förderung ihrer kognitiven, körperlichen und psychischen Fähigkeiten weit mehr Unterstützung erhalten. "Wenn wir gewährleisten wollen, dass eine Person möglichst lange autonom bleibt, dann dürfen wir die Vorbeugungsmaßnahmen nicht beschneiden", sagt Marc Fischbach.

Gegen einen Leistungsabbau

Wenn die Pflegeversicherung weniger Förderaktivitäten zugestehe, könnte das zur Folge haben, dass sich der Gesundheitszustand älterer Menschen wesentlich verschlechtert. Die Bedürfnisse könne man nicht einfach so von der Hand weisen. "Wir fragen uns, wie die staatliche Bewertungsstelle die neuen Anfragen handhaben wird und was die Reform für die aktuellen Bezieher bedeutet. Heute kommen den Leuten im Schnitt sieben bis zehn Stunden im präventiven Bereich zugute", sagt Dr. Carine Federspiel, Vize-Präsidentin der Copas.

Ein drastischer Leistungsabbau widerspreche demnach dem eigentlichen Ziel der Pflegeversicherung. Das Angebot solle sicherstellen, dass pflegebedürftige Personen möglichst lange in ihrer vertrauten Wohnung verbleiben können. Muss eine Person schon frühzeitig in ein Pflegeheim umziehen, bedeute das auch Mehrkosten fürs solidarische System der Sozialversicherung, skizziert die Copas.

Äußerst kritisch bewertet die Copas außerdem die verlängerten Zeitspannen für die Neubewertung von zugestandenen Leistungen. Weil es sich bei den Beziehern oft um ältere Personen handele, könne man nicht ein Jahr abwarten, bevor der Pflegebedarf  neu evaluiert wird. Die jetzige Dauer von sechs Monaten müsse beibehalten werden, so Marc Fischbach.

Kaum Vereinfachungen, kein Mehrwert

Generell spricht sich die Copas nicht gegen die Einführung von Pflegestufen aus. Allerdings streitet sie ab, dass es zu administrativen Vereinfachungen für die Dienstleister beitragen wird. "Die Pauschalen werden die Arbeit der Gesundheitskasse (CNS) vereinfachen. Die Dienstleister werden hingegen nach wie vor eine genaue Dokumentation ihrer Leistungen aufstellen",  will der Copas-Präsident klarstellen.

Insgesamt kann die Copas dem Gesetzestext von Minister Romain Schneider wenig Gutes abgewinnen. "Wir können bei der Reform der Pflegeversicherung keinen Mehrwert erkennen", fasst Marc Fischbach die allgemeine Meinung der 53 in der Copas versammelten Dienstleister zusammen. Der Dachverband appelliert an die politischen Akteure und besonders die Mitglieder des parlamentarischen Fachausschusses, den Gesetzestext nochmals zu überarbeiten.


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