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„Die Zahlen lügen nicht“
Politik 3 Min. 02.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Bürgermeister Fränk Arndt über soziales Gefälle in Wiltz

„Die Zahlen lügen nicht“

Festival Wiltz - Photo : Pierre Matgé
Bürgermeister Fränk Arndt über soziales Gefälle in Wiltz

„Die Zahlen lügen nicht“

Festival Wiltz - Photo : Pierre Matgé
Pierre Matgé
Politik 3 Min. 02.08.2017 Aus unserem online-Archiv
Bürgermeister Fränk Arndt über soziales Gefälle in Wiltz

„Die Zahlen lügen nicht“

„Es ist, wie es ist“, gibt sich Député-maire Fränk Arndt (LSAP) kämpferisch: Die Zahl der Sozialfälle ist hoch in Wiltz, das mittlere Einkommen schwach, die Arbeitslosigkeit stark. Das soll sich in Zukunft jedoch ändern.

(ham) - Wiltz ist laut Statec eine der ärmsten Gemeinden Luxemburgs. Die Arbeitslosenquote liegt bei 11,6 Prozent, 8,5 Prozent der Einwohner beziehen den RMG und das mittlere Einkommen beträgt nur knappe 2 750 Euro. Damit ist die Nordgemeinde Schlusslicht im sozio-ökonomischen Gefüge des Landes. Wie hoch das soziale Gefälle inzwischen geworden ist, zeigt sich am Beispiel von Weiler-la-Tour: Beim Klassenbesten liegt die Arbeitslosenquote bei 3,7 Prozent und das mittlere Einkommen beläuft sich auf stolze 4 795 Euro – ein Unterschied von mehr als 2 000 Euro.

Dass es in Wiltz ganz klar an Kaufkraft mangelt, scheint auf der Hand zu liegen. „Das ist auch nicht neu“, meint der Wiltzer Bürgermeister Fränk Arndt, der von der jüngsten Statec-Studie nicht unbedingt überrascht wurde. Eigenen Aussagen zufolge, versteht sich. Eine hohe Arbeitslosigkeit, nur wenig qualifizierte Arbeitskräfte und eine äußerst heterogene Bevölkerung: „Es ist halt, wie es ist. Die Zahlen lügen nicht. Es fehlt der Gemeinde generell an Kaufkraft und wir haben auch nicht die nötigen Mittel, um bedenkenlos investieren zu können“, so der sozialistische „Député-maire“. Aufgeben aber wolle er und die anderen Gemeindeverantwortlichen nicht: Man müsse einfach anders haushalten, hier im Norden. Prioritäten setzen und dort investieren, wo es gerade am Nötigsten ist.

Lage und Qualität

Wiltz sei eine Industriestadt mit Tradition – und bescheidenen Immobilien. Erschwingliche Mietpreise und eine gute Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz sind laut Fränk Arndt denn auch die Hauptgründe, weshalb Stadt und Gemeinde für Menschen und Familien mit niedrigerem Einkommen immer attraktiver werden. Aufgrund der bescheideneren Qualität und der dezentralen Lage sind ältere Wohnungen in Wiltz besonders billig. Und wegen des öffentlichen Verkehrsnetzes nicht ganz aus der Welt, weshalb sich in den letzten Jahren verstärkt Familien mit niedrigerem Einkommen in der Gemeinde nieder gelassen haben.

Man wolle künftig auch weiter wachsen, unterstreicht Arndt. „Wir wollen aber einen gesünderen Populationsmix anstreben. Mit Familien aus den unterschiedlichsten Einkommensklassen“. Mit dem klaren Ziel, die Kaufkraft in der Gemeinde zu steigern. 2 800 zusätzliche Einwohner wolle man in den nächsten zehn Jahren in Wiltz empfangen. Dazu wurden bereits unterschiedliche Bauprojekte auf den Instanzenweg gebracht, mit mehr als 800 Wohneinheiten.

Hotspot und SkatePark

Zusätzlich dazu will die Gemeinde ihre Dienstleistungen im Bereich der Fort- und Weiterbildung ausbauen sowie den sozialen Zusammenhalt stärken, mit einer Ganztagesbetreuung in der Villa Mirabella, einem Kinder- und Jugendbüro und dem Hotspot für die lokale Kreislaufwirtschaft. Geplant ist auch ein Ausbau der Wirtschafts- und Industriezonen in der Gemeinde. Weitere Projekte für eine attraktivere Gemeinde auf kultureller und sportlicher Ebene sind die „Culture Wiltz asbl“, ein SkatePark sowie der „KlammPark Ideal“, der in zwei Jahren seine Tore öffnet.

Ziel sei ganz klar, aus der derzeitigen Lage herauszukommen, meint Fränk Arndt. „Und ich bin guter Dinge, dass wir das auch gemeinsam schaffen“, so der Bürgermeister, der in dieser Hinsicht natürlich auf eine politische Kontinuität in der Gemeinde hofft.

30 Projekte wurden in den letzten Jahren zurück behalten. Wichtige Projekte für den wirtschaftlichen und sozialen Wachstum der Gemeinde. Projekte, auf die sich die Gemeindeverantwortlichen in den kommenden Jahren konzentrieren werden. Möglich macht's die Reform der Gemeindefinanzen: Durch die Umverteilung der Finanzen dürfte die Gemeinde nun mit zusätzlichen 3,5 Millionen Euro rechnen, so Fränk Arndt. „Wenn wir diese Gelder bereits in den letzten Jahrzehnten gehabt hätten ...“.


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