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Die tragende Rolle des Luxemburgischen
Keine Rede davon, dass die Nationalsprache ins Hintertreffen gerät - sogar schriftlich hat sie eine hohe Bedeutung

Die tragende Rolle des Luxemburgischen

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Keine Rede davon, dass die Nationalsprache ins Hintertreffen gerät - sogar schriftlich hat sie eine hohe Bedeutung
Politik 3 Min. 07.06.2018

Die tragende Rolle des Luxemburgischen

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Einer TNS/Ilres-Umfrage nach ist Luxemburgisch die gemeinsame Sprache von 77 Prozent der Befragten und spielt eine immer wichtigere Rolle in Alltag und Beruf.

Es ist ganz gerechtfertigt, dass die Diskussion über die luxemburgische Sprache geführt wird: 59 Prozent der 1.035 Leute ab 16 Jahren, die vom 23. Januar bis 6. Februar zu ihren Sprachengewohnheiten und speziell dem Stellenwert des Luxemburgischen befragt wurden, sind dieser Meinung. 18 Prozent halten die Diskussion für überflüssig. Das ist eines der Umfrageresultate, die der Staatssekretär im Kulturministerium, Guy Arendt und Bildungsminister Claude Meisch (beide DP) am Donnerstag vorstellten.

"Die Regierung hat sich stark dafür eingesetzt, die Rolle des Luxemburgischen als Integrations- und Kommunikationssprache zu fördern - im Miteinander mit den anderen Landessprachen selbstverständlich", sagt Arendt und verweist auf das Gesetz zur Förderung der luxemburgischen Sprache, das im März 2017 eingebracht wurde. das Gutachten des Staatsrats liege nun vor, es werde noch kleinere Änderungen geben, aber das Gesetz, das einen 20-Jahres-Plan, einen Kommissar sowie ein Zentrum für die luxemburgische Sprache vorsieht, werde noch diese Legislatur unter Dach und Fach gebracht.

Maßnahmen der Regierung werden begrüßt

Weitere Maßnahmen waren die partizipativen Bürgerforen über das Land verteilt sowie die Online-Plattform, um den Bürgern den Puls in puncto Luxemburgisch zu fühlen. Deren Auswertung werde demnächst vorgestellt, stellt Arendt in Aussicht. Die Kampagne "schreiwen.lu", die zwei-sprachige Frühförderung in der Kinderbetreuung sowie der LOD, der Lëtzebuerger Online Dictionnaire, sind weitere Initiativen. Das Maßnahmepaket findet insgesamt gesehen große Zustimmung: 76 Prozent finden die Aktionen gut, ganz gut oder sogar exzellent.

Die luxemburgische Sprache ist kein Grund zur Exklusion: 52 Prozent der Befragten, die kein Luxemburgisch sprechen, befürworten dessen Förderung und Stärkung und respektieren die Sprache damit als Identitätsmerkmal des Landes.

"Auch wenn Luxemburgisch keine Unterrichtssprache ist, so spielt die Schule eine ganz wichtige Rolle für das Erlernen unserer Sprache", ist Meischs Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass in der Alterskatgorie der 16- bis 34-Jährigen neun von zehn Befragten angeben Luxemburgisch zu können. Zwei von drei sind es in den älteren Alterskategorien ab 35 Jahren. "Die zweite Generation von Immigrierten wächst mit der luxemburgischen Sprache auf", meint Meisch und verweist darauf, dass künftig auch die Privatschulen, die finanziell vom Staat unterstützt werden, gesetzlich verpflichtet werden, Luxemburgisch zu unterrichten.

Fast drei von vier Befragten beherrschen die drei Landessprachen

Was nun die täglichen Sprachgewohnheiten anbelangt, so zeigt sich, dass Luxemburgisch zunehmend auch Schriftsprache ist: 63 Prozent der Luxemburgischsprachigen stehen dazu. Von den Befragten, die am meisten das Luxemburgische im Alltag verwenden, geben 65 Prozent an, es im Privatleben auch zu schreiben, 73 Prozent sprechen es dort auch. Und generell spielt diese Sprache auch eine wichtige Rolle im Berufsleben: Hier liegen die Quoten bei 51 Prozent, die es auch als Schriftsprache nutzen und 68 Prozent, die es dort sprechen. Zum Vergleich: Wer täglich hauptsächlich Französisch verwendet, nutzt es je zu 84 Prozent auch schriftlich und mündlich.

Immer wieder beeindruckend sind die Sprachkompetenzen, die die Einwohner Luxemburgs aufweisen können. "Die Mehrsprachigkeit ist eine Stärke des Landes", sagt Tommy Klein von TNS/Ilres. Französisch beherrschen fast alle, gefolgt von Englisch und Deutsch mit 80 und 78 Prozent. Gut drei von vier Befragten können Luxemburgisch und 73 Prozent beherrschen vier Sprachen oder mehr. "Die Mehrsprachigkeit ist kein politischer Anspruch, sondern eine Realität", sagt Meisch.

Klares Bekenntnis zur luxemburgischen Sprache

Soll das Luxemburgisch im täglichen Leben gestärkt werden? Auf diese Frage gab es klare Antworten: Acht von zehn Befragten sagen ja, 86 Prozent sind es bei den Luxemburgischsprachigen. Und sogar 52 Prozent derjenigen, die eine andere Sprache befürworten es. "Die luxemburgische Sprache ist kein Grund zur Exklusion: 64 Prozent der Befragten, die kein Luxemburgisch sprechen, befürworten dessen Förderung und Stärkung und respektieren die Sprache damit als Identitätsmerkmal des Landes", findet Meisch.

Risse zeigt die Gesellschaft bei der Frage, welche Sprache die Integrationssprache in Luxemburg sein soll. Insgesamt sehen an erster Stelle 60 Prozent das Luxemburgische als erste Integrationssprache an: 70 Prozent sind es bei denen die luxemburgischsprachig sind, 24 Prozent bei denen, die nicht des Luxemburgischen mächtig sind. Bei denen, die sich Französisch als erste Integrationssprache wünschen - 33 Prozent der Befragten - ist es genau umgekehrt: 23 sind luxemburgischsprachig und 67 beherrschen es nicht.

"Wenn wir nur die betrachten, die Luxemburgisch können, ist man sich weitgehend einig, dass Luxemburgisch erste Integrationssprache sein soll. Über das Französische als erste Integrationssprache ist das lang nicht der Fall", kommentiert Meisch. Als erster Akteur zur Stärkung der luxemburgischen Sprache wird übrigens die Schule angegeben (88 Prozent), gefolgt von der Politik (74 Prozent) und den Bürgern (69 Prozent) sowie den Vereinen (59 Prozent). Gefordert ist mithin jedermann.