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Die minderjährigen Flüchtlinge sind da
Politik 9 1 3 Min. 15.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Die minderjährigen Flüchtlinge sind da

Die minderjährigen Flüchtlinge landeten kurz vor zwölf Uhr auf dem Flughafen Findel.

Die minderjährigen Flüchtlinge sind da

Die minderjährigen Flüchtlinge landeten kurz vor zwölf Uhr auf dem Flughafen Findel.
Foto: Gerry Huberty
Politik 9 1 3 Min. 15.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Die minderjährigen Flüchtlinge sind da

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Nach langen und zähen Verhandlungen sind die zwölf minderjährigen Flüchtlinge am Mittwoch in Luxemburg gelandet.

Am Ende ging alles sehr schnell. Das Flugzeug der Aegean Air setzte eine halbe Stunde früher als geplant auf der Piste des Flughafens Findel auf. Außenminister Jean Asselborn (LSAP) ließ es sich nicht nehmen und nahm die zwölf unbegleiteten Flüchtlinge persönlich in Empfang. 

Die Jugendlichen kamen direkt aus Griechenland, wo sie viele Monate in den Lagern auf den Inseln Lesbos, Chios und  Samos verbracht hatten. Sie sind zwischen elf und sechzehn Jahre alt. In der Gruppe befindet sich nur ein Mädchen. Sie wurde zusammen mit ihrem Bruder aus Griechenland ausgeflogen. Zehn Jugendliche stammen ursprünglich aus Afghanistan, zwei aus Syrien.

Nach ihrer Ankunft wurden sie per Bus in den Norden des Landes gebracht. Die Caritas hat dort eigens für sie ein Haus gemietet, in dem sie bis auf Weiteres rund um die Uhr professionell betreut werden. Damit endet für die meisten von ihnen eine lange Odyssee. Zunächst müssen sie aber 14 Tage in Quarantäne verbringen, sollten sie sich trotz eines negativen Tests vor der Abreise mit dem Corona-Virus infiziert haben. 


Telecran, Politik, Jean Asselborn, Minister für auswärtige und europäische Angelegenheiten
Minister für Immigration und Asyl Ministère Foto: Anouk Antony/ Luxemburger Wort
Außenminister Asselborn: "Wir haben gezeigt, dass es geht"
In Zeiten von Corona muss auch Außenminister Jean Asselborn zu Hause bleiben. Dennoch kann er diplomatische Erfolge verbuchen.

Für Außenminister Jean Asselborn war es das Ende eines langen Verhandlungsmarathons. Nachdem sich die Situation in den Camps in den Wintermonaten dramatisch verschlimmert hatte, hatte er bereits am 13. März einen Appell an die EU-Mitgliedstaaten gerichtet, dass jedes Land pro 500.000 Einwohner zehn minderjährige Flüchtlinge aus den Lagern auf den griechischen Inseln aufnehmen sollte. Zwar hatten einige Länder, wie etwa Deutschland, Frankreich und Portugal,  Hilfe versprochen, doch dann setzte die Corona-Krise dem Vorhaben ein jähes Ende.

Ein schöner Tag für Luxemburg

Nachdem die Kinder sicher in Luxemburg gelandet waren, sprach Asselborn daher von einem "schönen Tag für Luxemburg", aber auch für die gesamte EU. Die Union habe sich in den vergangenen Monaten und Jahren in der Migrationsfrage nicht gerade mit Ruhm bekleckert: "Europa hat nicht immer in der Champions League gespielt." 

Außenminister Asselborn hofft, dass andere EU-Länder dem luxemburgischen Beispiel folgen und ebenfalls junge Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufnehmen werden.
Außenminister Asselborn hofft, dass andere EU-Länder dem luxemburgischen Beispiel folgen und ebenfalls junge Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufnehmen werden.
Foto: Gerry Huberty

Wenn ein EU-Land zwölf junge Flüchtlinge aufnimmt, werde dadurch Europa zwar noch nicht besser. Die Aktion zeige aber, dass die EU immer noch ein Friedensprojekt ist und dass die Solidarität spielt.  Man dürfe Länder wie Griechenland oder Italien, die in der Flüchtlingsfrage in der ersten Reihe stehen, nicht allein lassen, forderte der Minister. 

Bislang sei die Union "knauserig mit der Solidarität" umgegangen, so der Immigrationsminister. Er  hofft daher, dass andere EU-Länder dem luxemburgischen Beispiel folgen und ebenfalls unbegleitete Kinder aus den überfüllten Flüchtlingslagern aufnehmen: "Die Jugendlichen haben ein Recht auf ein sicheres und anständiges Leben, ohne Angst und ohne Hunger. Sie haben ein Recht, in Frieden zu leben", so Asselborn. 

Er zeigte sich zufrieden, dass Deutschland noch in dieser Woche nachziehen will. Auch Länder wie Portugal, Irland, Finnland, Frankreich und die Schweiz als Nicht-EU-Land hätten mittlerweile Hilfe zugesagt. Der Minister ist daher zuversichtlich, dass es gelingen wird, etwa 1.600 junge Flüchtlinge aus den Camps herauszuholen. Angesichts der Corona-Pandemie sei Eile  geboten, meinte er weiter.

Die Jugendlichen haben ein Recht auf ein sicheres und anständiges Leben, ohne Angst und ohne Hunger.

Jean Asselborn

Dass nun zwölf junge Flüchtlinge in Luxemburg eine zweite Chance bekommen, sei nur mit der Hilfe des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, der griechischen Regierung und der Internationalen Organisation für Migration machbar gewesen, erklärte der Minister. Ausgesucht wurden die Kinder übrigens von der UNHCR, Luxemburg selbst hatte keinerlei Einfluss auf das Auswahlverfahren. Da es sich bei den Jugendlichen nicht um Waisen handelt, haben sie das Recht auf Familienzusammenführung, so wie dies im Asylgesetz vorgesehen ist.


ARCHIV - 10.09.2018, Berlin: Jean Asselborn, Außenminister von Luxemburg, äußert sich bei einer Pressekonferenz. (zu "Asselborn zu Aufnahme von Migranten: Alleingänge reichen nicht") Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ein Land, zwei Gesichter
Außenminister Jean Asselborn ist das solidarische Gesicht Luxemburgs. Doch leider hat das Land auch ein anderes Gesicht.

Dunja Mijatović, die Kommissarin für Menschenrechte des Europarats,  meldete sich gleich nach der Ankunft der jungen Flüchtlinge zu Wort. "In einer Zeit, in der das Cornona-Virus unsere Menschlichkeit auf die Probe stellt, ist es Herz erwärmend, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Rahmen des Relocation-Programms heute in Luxemburg ein neues Zuhause gefunden haben", so Mijatović. Unzählige Kinder müssten aber weiterhin in den Lagern ausharren. Daher werde sie die Länder des Europarats auffordern, dem luxemburgischen Beispiel zu folgen.

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