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Die Macher verlieren drei Mandate
Politik 3 Min. 15.10.2018

Die Macher verlieren drei Mandate

"Wir haben als Koalition ein Prozent Stimmen dazu gewonnen und noch immer eine Mehrheit", sagte Etienne Schneider am Wahlabend.

Die Macher verlieren drei Mandate

"Wir haben als Koalition ein Prozent Stimmen dazu gewonnen und noch immer eine Mehrheit", sagte Etienne Schneider am Wahlabend.
Foto: Guy Jallay
Politik 3 Min. 15.10.2018

Die Macher verlieren drei Mandate

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Enttäuschung bei den Sozialisten: 2,7 Prozent weniger Stimmen kosten sie drei Sitze - jeweils einen im Norden, im Zentrum und im Süden. Jetzt wird diskutiert, wie es eventuell doch mit der Koalition weitergehen kann.

Die Stimmung war von Anfang an gespannt im Melusina, wohin die Sozialisten gestern zur Wahlparty geladen hatten. So richtig überzeugt, dass ein großer Wahlsieg gefeiert werden kann, war niemand. Man trank Cocktails und genoss das Essen. Allgegenwärtig war der Blick auf die Handys. „Muss es immer so spannend sein“, sagte Spitzenkandidat Etienne Schneider um Viertel nach sieben genervt und schimpft auf das Wahlsystem. „Da sitzen wir ja noch bis in die Puppen hier, bis alles klar ist.“ Es müsste ein einziger Wahlbezirk her, meinte er. Die Diskussion über das Wahlsystem wird mit dieser Wahl sicherlich erneut aufflammen.

Der Abend fing gar nicht so schlecht für die LSAP an: Der Osten wurde ausgezählt und der Sitz von Nicolas Schmit war gerettet. Leichte Verluste von 1,71 Prozent konnten verkraftet werden. Auch die anfangs recht hohen Verluste von über fünf Prozent bei den Listenstimmen schmolzen im Laufe des Abends immer mehr zusammen. „Ich hoffe, dass es in dieser Richtung so weitergeht und wir unter ein Minus von vier Prozent kommen“, sagte Schneider. „Ich bin überrascht, wie man aus der Opposition heraus so absacken kann“ kommentierte er das Abschneiden der CSV. Dann kam kurz darauf das Resultat des Nordens.

LSAP-Restsitz im Norden geht zurück an die ADR

Dass die ADR dort ihren Sitz, den sie 2013 verloren hatte, wieder gewann, ging auf Kosten der LSAP. Sie verlor 1,35 Prozent und den Restsitz, den sie 2013 noch gewinnen konnte. Nord-Spitzenkandidat Romain Schneider nahm es mit viel Zuversicht: „Wir hatten eine exzellente Mannschaft und das gibt mir das Vertrauen, dass wir in fünf Jahren so aufgestellt sind, den Sitz zurück zu bekommen. Wir müssen in den kleinen ländlichen Gemeinden aktiver werden.“ Sein persönliches Ergebnis freute ihn – ein Plus von neun Prozent für die LSAP in seiner Heimatstadt Wiltz sei ein „formidables Resultat“.

Generell war sein Fazit, dass die Stärkung der Piraten und der ADR ein Zeichen dafür sei, dass vom Wähler ein Wechsel gewollt war, vielleicht auch nach anderen Kandidaten gefragt würde. Für Parteipräsident Claude Haagen, dessen Mandat verloren ging, war es bitter: „Wir haben unser Ziel, den Wackelsitz zu erhalten nicht erreicht. Als Parteipräsident tut mir das besonders weh.“

Enttäuschendes Resultat für Etienne Schneider im Zentrum

Lange dauerte es, bis dann auch die entscheidenden Bezirke Zentrum und Süden ausgezählt waren. Im Zentrum, wo LSAP-Spitzenkandidat Etienne Schneider mit dem festen Willen angetreten war, Premierminister zu werden, reichte es nicht: Knapp minus drei Prozent kostete einen der drei Sitze – Schneider und Marc Angel sind gewählt, auf den weiteren Plätzen folgen Franz Fayot, Francine Closener und Cecile Hemmen. Ein 13. Platz für Schneider mit 16 872 Stimmen – das überzeugt nicht. 19 682 Stimmen waren es noch 2013. Auch bei Marc Angel kam keine Freude auf. „Ich kann mich nicht über mein Resultat freuen. Das haben wir nicht verdient.“

Ich bin bereit, das Resultat positiv zu sehen und die Diskussionen konstruktiv anzugehen.

In der einstigen LSAP-Hochburg Süden brachten es die Sozialisten auch nur noch auf 22,23 Prozent der Stimmen – 2,97 Prozent weniger als 2013. Die Talfahrt seit 2004, als man noch bei knapp 32 Prozent lag, setzte sich weiter fort. Es bleiben sechs Sitze, die an Außenminister Jean Asselborn, Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo, Innenminister Dan Kersch, Dan Biancalana, Alex Bodry und Georges Engel gehen. Mit 40 283 Stimmen fuhr Asselborn bei seinen fünften Parlamentswahlen sein zweitbestes Ergebnis seit 2009 ein. Dem Spitzenreiter im Süden folgt Marc Spautz an zweiter Stelle mit 28 686 Stimmen und dann Di Bartolomeo mit 27 310.

Kein CSV-Regierungsauftrag

„Ein Minus von fünf Prozent ist kein Regierungsauftrag vom Wähler. Schon gar nicht für eine Partei, die sich so sicher war, den Premierminister zu stellen“, ätzte Schneider gestern Abend, als das Endresultat feststand. „2,7 Prozent Verlust sind nicht 5,4 Prozent wie bei der CSV. Wir haben als Koalition ein Prozent dazugewonnen, haben immer noch eine Mehrheit und müssen nun schauen, was wir damit machen.“ Schneider war sich sehr wohl bewusst, dass die LSAP mit einem Stimmenverlust von 2,7 Prozent nicht das erreicht habe, was sie sich vorgenommen hat.

Er betonte aber auch, dass es ganz oft auf einige wenige Stimme ankomme, die über den Gewinn oder Verlust eines Sitzes entscheiden. „Ich bin bereit, das Resultat positiv zu sehen und die Diskussionen konstruktiv anzugehen“, versprach er den versammelten Militanten. Und schloss seine Ansprache mit den Worten „Ich bin froh, euer Spitzenkandidat gewesen zu sein.“


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