Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Die bunte Bildungslandschaft des Claude M.
Am 17. September heißt es für Tausende Kinder wieder früh aufstehen und lernen.

Die bunte Bildungslandschaft des Claude M.

Foto: Guy Wolff
Am 17. September heißt es für Tausende Kinder wieder früh aufstehen und lernen.
Politik 3 Min. 14.09.2018

Die bunte Bildungslandschaft des Claude M.

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Bildungsminister Claude Meisch lud am Donnerstag zur letzten Rentrée-Pressekonferenz dieser Legislaturperiode ein. Er sprach von Kontinuität und zählte auf, welche Neuerungen in diesem Jahr in Kraft treten werden.

Das Syndikat Erzéiung und Wëssenschaft (SEW) hatte Recht, als es am Mittwoch meinte, Bildungsminister Claude Meisch werde sich bei seiner Rentrée-Pressekonferenz eine gute Note für die geleistete Arbeit ausstellen. Claude Meisch ist stolz auf seine Reformen und glaubt fest daran, dass sie zu einer Verbesserung der Bildungslandschaft beitragen.

Zwei neue Sekundarschulen

Ein wichtiges Anliegen ist ihm die Diversifizierung der Bildungslandschaft: viele unterschiedliche Schulen mit sehr unterschiedlichen Programmen. In diesem Jahr öffnen das Clerfer Lycée Edward Steichen und das Munnerefer Lycée ihre Türen. Die beiden Schulen waren ursprünglich für später geplant, aber man habe den Zeitpunkt der Eröffnung vorgezogen, weil der Bedarf an zusätzlichen Schulen enorm groß gewesen sei, besonders in diesen Regionen, meinte Claude Meisch am Donnerstag im Forum Geesseknäppchen, wo er sich im Anschluss an die Pressekonferenz mit den Schuldirektoren traf.


Die Lehrergewerkschaft SEW wirft der gesamten Politik vor, sich in den vergangenen fünf Jahren zu wenig mit bildungspolitischen Fragen auseinandergesetzt zu haben.
SEW hofft auf Abkehr von "neoliberaler Bildungspolitik"
Die Lehrergewerkschaft SEW/OGBL sieht die Entwicklung des Bildungssystems sehr kritisch und hofft, dass die nächste Regierung von diesem "gefährlichen" Kurs abweicht und das Vertrauen in die Politik wiederherstellt.

In Meischs Amtszeit wurden insgesamt vier Sekundarschulen eröffnet: das Lënster Lycée, die öffentliche Europaschule in Differdingen und in diesem Jahr die beiden Schulen in Clerf und Mondorf.

Drei neue Kompetenzzentren

In diesem Jahr werden zusätzlich zu den fünf bestehenden drei neue Kompetenzzentren ihre Türen öffnen: eines für Kinder mit Lernproblemen, eines für Hochbegabte und eines für Kinder mit Verhaltensschwierigkeiten. Insgesamt wurden in den acht Kompetenzzentren 127,5 neue Posten für spezifisch ausgebildete Fachkräfte geschaffen.

In den Grundschulen arbeiten 87 spezialisierte Lehrer, die so genannten Instituteurs pour enfants à besoins spécifiques (IEBS). Für das neue Schuljahr wurden 36 neue rekrutiert. Alle haben ein Lehrerdiplom und mindestens eine fünfjährige Berufserfahrung. In der Regel wird ein Master verlangt, das Ministerium hat aber auch Lehrer rekrutiert, die ihren Master noch nicht abgeschlossen haben.

230 zusätzliche Fachkräfte

Laut Claude Meisch wurden im Bildungswesen für das Schuljahr 2018/19 insgesamt 230 zusätzliche Ressourcen rekrutiert, darunter sind auch 65 Posten für die so genannten "Equipes de soutien pour enfants à besoins spécifiques" (ESEB), die den Schuldirektionen unterstellt sind (u.a. Sozialpädagogen, Erzieher, Psychologen) und die Lehrer in den Schulen unterstützen. Wie Claude Meisch erklärte, wurde auf der Ebene der ESEB ein Kontingent geschaffen, was bedeutet, dass die Ressourcen nach Bedarf aufgestockt werden können.

Sechs sozio-edukative Zentren

Für Kinder, die aufgrund ihres schwierigen Verhaltens als unbeschulbar gelten, werden landesweit sechs Zentren geschaffen. 15 Millionen Euro hat die Regierung hierfür bereitgestellt. Dabei handelt es sich um sozio-edukative Strukturen, in denen die Kinder zwar auch beschult werden, aber anders, wie Claude Meisch erklärte. Im Vordergrund stehe die sozio-edukative Arbeit. In den sechs Zentren ist Platz für 50 Kinder.


Prügeleien auf dem Schulhof sind keine Seltenheit. Manche Schüler jedoch stellen eine Gefahr für die ganze Schulgemeinschaft dar.
Aus der Bahn geraten
Es gibt Schüler mit einem derart auffälligen Sozialverhalten, dass an Unterricht nicht zu denken ist. Sie gelten als nicht beschulbar. Für solche Kinder schafft Luxemburg jetzt 50 Therapieplätze.

Im Sekundarschulbereich bieten einzelne Schulen neue Sektionen oder Fächerkombinationen an. Zudem erhalten Schulen zusätzliche Ressourcen, wenn sie ein Konzept für außerschulische Aktivitäten ausarbeiten (Ganztagsschule).

Entwicklung der Schülerzahlen

Der Minister reagierte am Donnerstag auf Nachfrage der Presse auch auf die Vorwürfe des SEW, die Eltern hätten das Vertrauen in die öffentlichen Schulen verloren und suchten vermehrt Privatschulen auf. Claude Meisch ließ diesen Vorwurf nicht gelten. „Die Zahlen zeigen, dass die Privatschulen in ihrem Zuwachs stagnieren und die öffentlichen Schulen massiv zulegen“, sagte er.


Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Grundschüler in Privatschulen leicht rückläufig (-48), während die öffentlichen Grundschulen einen Zuwachs von 706 Schülern verzeichnen. Im Secondaire legen die Privatschulen weiter zu (+203), aber nicht so stark wie die öffentlichen Schulen (+807).

Private Schulen im Aufwind

Betrachtet man aber die Entwicklung der Schülerzahl seit 2012/13, erkennt man, dass sie in den Privatschulen stark gestiegen ist, im Fondamental und im Secondaire. Im Secondaire haben die privaten Schulen sogar ordentlich zugelegt, während die Zahlen in den öffentlichen Schulen über Jahre stagnierten.

Seit 2012/13 ist die Schülerzahl in den privaten Grundschulen um 31 Prozent, in den privaten Sekundarschulen um 15 Prozent gestiegen (siehe Grafik). Im Secondaire verbuchen die Privatschulen im besagten Zeitraum mit 1.245 zusätzlichen Schülern in absoluten Zahlen sogar einen ähnlich großen Zuwachs wie die öffentlichen Schulen (+1.287 Schüler).

Seit 2012/13 haben 2.789 von 7.129 zusätzlichen Schülern sich für eine Privatschule entschieden. 40 Prozent des Zuwachses der vergangenen Jahre ist also den Privatschulen zugute gekommen und 60 Prozent den öffentlichen Schulen. Erst von diesem Jahr an zeichnet sich eine Änderung ab, wobei es sich bei den Zahlen vom Bildungsministerium um Prognosen handelt.




Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Ein Feuerwerk an Reformen
Auf der Beliebtheitsskala liegt Claude Meisch ganz unten. Das hat viel mit dem Ressort zu tun. Bildungsminister sind selten beliebt. Meisch gehört aber zweifelsohne zu den umtriebigsten Ministern dieser Regierung.
Aus der Bahn geraten
Es gibt Schüler mit einem derart auffälligen Sozialverhalten, dass an Unterricht nicht zu denken ist. Sie gelten als nicht beschulbar. Für solche Kinder schafft Luxemburg jetzt 50 Therapieplätze.
Prügeleien auf dem Schulhof sind keine Seltenheit. Manche Schüler jedoch stellen eine Gefahr für die ganze Schulgemeinschaft dar.