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Die Bauern sind sauer
Politik 3 Min. 07.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Forderung nach Krisengipfel

Die Bauern sind sauer

Die Bauern wollen eine Grundsatzdiskussion über den Stellenwert der Landwirtschaft.
Forderung nach Krisengipfel

Die Bauern sind sauer

Die Bauern wollen eine Grundsatzdiskussion über den Stellenwert der Landwirtschaft.
Foto: Anouk Antony
Politik 3 Min. 07.10.2015 Aus unserem online-Archiv
Forderung nach Krisengipfel

Die Bauern sind sauer

Den Bauern steht das Wasser bis zum Hals. Durch den dramatischen Preisverfall geht den Betrieben das Geld aus. Die Politik ist gefordert, so die zentrale Aussage der Bauernverbände.

(DS) - Den landwirtschaftlichen Betrieben geht das Geld aus. Die ohnehin schwierige Einkommenssituation wurde durch das Russland-Embargo und die Trockenheit im Sommer noch verschärft. Laut den Berechnungen der Bauernverbände liegt der Ausfall durch den Preisverfall bei der Milch und beim Schweinefleisch bei etwa 75 Millionen Euro.

Die Gespräche mit Landwirtschaftsminister Fernand Etgen hätten zu nichts geführt, so die Vertreter der Bauernzentrale, des Fräie Lëtzebuerger Bauernverband, der Bauerenallianz, der Jongbaueren & Jongwënzer und der Lëtzebuerger Bauerejugend übereinstimmend. Der Minister habe ihre Vorschläge, die sie zur Lösung der Krise vorgebracht hatten, nicht aufgegriffen, so der Vorwurf der Verbände bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Nun warten sie auf eine Antwort von Premierminister Xavier Bettel. Weil sie beim Ressortminister kein Gehör für ihre Sorgen gefunden hatten, hatten sie sich vergangene Woche an den Regierungschef gewandt, damit er einen Krisengipfel einberuft: "Wir fordern, dass die Regierung eine Diskussion über den künftigen Stellenwert der Landwirtschaft führt", so der Präsident der Bauernzentrale Marc Fisch.

Neben dem Preisverfall haben die Bauern vor allem mit den strengen Auflagen im Umweltbereich zu kämpfen. Immer mehr Flächen würden durch die zahlreichen Schutzzonen mit Auflagen belegt, kritisiert Marc Fisch. Auch die landwirtschaftlichen Gebäude werden dadurch immer teurer. "Da die Betriebe in der Grünzone liegen, müssen wir beim Bauen zusätzliche Auflagen erfüllen. Anstatt einen einfachen rechteckigen Stall zu bauen, sind wir verpflichtet, die Bauten zu verschachteln, damit sie besser in die Landschaft passen", so Fisch.

Ein Stundenlohn von 10,6 Euro

Louis Boonen vom Fräie Lëtzebuerger Baureverband (FLB) verwies darauf, dass die Einkommen der Bauern seit Jahren weit hinter dem Referenzeinkommen liegen: "Umgerechnet erhält ein Bauer einen Stundenlohn von 10,6 Euro. Damit bewegen wir uns auf dem Niveau des Mindestlohns", so Boonen. 

Den Bauern zufolge ist irgendwann etwas aus dem Ruder gelaufen: 1990 haben die Landwirte für 100 Kilogramm Brotweizen 17,65 Euro erhalten. 2014 waren es nur noch 15,86 Euro: "Im gleichen Zeitraum ist das Brot 50 Mal teurer geworden", so Boonen weiter. Die gleiche Entwicklung gibt es auch bei der Milch. 1990 lag der Preis, den die Bauern für eine Kilogramm Milch erhielten, bei 0,358 Euro. Im letzten Jahr waren es durchschnittlich noch 0,360 Euro. Mittlerweile ist der Erzeugerpreis unter die 30-Euro-Marke gefallen, und liegt jetzt nur noch bei 0,28 Euro. An eine Kosten deckende Produktion sei nicht mehr zu denken, monieren die Bauernverbände.

Dass die Bio-Landwirtschaft ein Ausweg aus der Krise sein könnte, bezweifeln die Bauern. Die Bio-Landwirtschaft habe genau wie die konventionelle Landwirtschaft mit größeren Preisschwankungen zu kämpfen und müsse ebenfalls staatlich subventioniert werden, erklärte Aloyse Marx von Fräie Lëtzebuerger Baureverband.

Der 1.000-Kühe-Stall

Es sind aber nicht nur die Aussagen des grünen EU-Abgeordneten Claude Turmes zur Bio-Landwirtschaft, die den Bauern aufs Gemüt geschlagen sind. Auch die Aussagen von Ackerbauminister Etgen in der Polemik um den 1.000-Kühe-Stall sorgen für allgemeines Kopfschütteln. Nachdem bekannt geworden war, dass dem Ministerium Anträge für den Bau eines Kuhstalls mit 1.000 Plätzen vorliegen, hatte Etgen erklärt, dass sein Ministerium über keine Handhabe verfüge, um den Bau zu verbieten. Er hoffe allerdings, dass das Umweltministerium über den Weg der Auflagen den Bau verhindern könne.

Die Bauern sind zwar auch nicht begeistert über die Initiative, doch es stehe Landwirtschaftsminister Etgen nicht zu, sich einfach gegen große Stallbauten auszusprechen und dann dem Umweltministerium den Ball zuzuspielen: "Landwirtschaftsminister Etgen liegt politisch einfach daneben. Es kann ja auch niemand dem Bäcker verbieten, eine Backstube für Tausende Brote zu bauen", so Louis Boonen vom FLB. Die Größe eines Betriebes entscheide nicht darüber, ob die Tiere artgerecht gehalten werden oder nicht. Es gebe im Ausland auch sehr große Bio-Betriebe mit 200 bis 300 Milchkühen.



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