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Der Weg in die Arbeitswelt
Politik 3 Min. 05.03.2018

Der Weg in die Arbeitswelt

In Zukunft können Studierende in Luxemburg leichter ein Praktikum absolvieren.

Der Weg in die Arbeitswelt

In Zukunft können Studierende in Luxemburg leichter ein Praktikum absolvieren.
Foto: Getty Images
Politik 3 Min. 05.03.2018

Der Weg in die Arbeitswelt

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) will das Praktikum per Gesetz klarer regeln und eine Praktikumskultur fördern. Gefahren, dass Studierende als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, sieht er nicht.

Ein Seufzer. Nicolas Schmit muss tief durchatmen. Es war bereits die fünfte kritische Frage zu möglichen Ausbeutungsgefahren des neuen Gesetzes, das eine Praktikumskultur in Luxemburg fördern soll. So hat sich der Minister, die Vorstellung des Entwurfs sichtlich nicht vorgestellt. Doch er behält Fassung, versucht die Bedenken der Journalisten durch Argumente zu zerstreuen.


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Dabei geht die Initiative zur Stärkung und Reglung des Praktikums in Luxemburg nicht von ihm aus. Sondern von der ACEL, der Luxemburger Studentenvereinigung. Im April des vergangenen Jahres ist man erstmals in Kontakt getreten, sagt Pol Lutgen, Präsident des ACEL. Die Idee: Eine Praktikumskultur in Luxemburg fördern, ähnlich wie im Nachbarland Deutschland. Denn bis jetzt befindet sich das Praktikum in Luxemburg rechtlich in einer Grauzone. Eine Verordnung von 1982 regelt nur im Ungefähren Modalitäten und lässt viele Fragen im Unklaren.

Dabei wächst die Nachfrage nach Praktika unter Studenten zunehmend. "Viele Studenten wollen bereits im Studium Berufserfahrung sammeln, um später auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen  zu haben", so Lutgen. Die aktuelle Situation erschwere dies jedoch erheblich.

Zwei Formen

Deshalb haben Arbeitsministerium und ACEL nun zwei Formen des Praktikums ausgearbeitet. Zum einen das konventionierte Praktikum im Rahmen eines Studiums. Das studienbegleitende Praktikum darf nicht länger als neun Monate dauern. Da es Teil eines Lehrplans an der Universität ist, müssen Unternehmen den Praktikanten kein Gehalt zahlen. Ausnahme: Die Hochschule schreibt es vor. ACEL-Präsident Lutgen begrüßt die Regelung ausdrücklich: "Die Bezahlung darf keine unnötige Hürde bei der Suche nach Praktikumsplätzen darstellen." 

Die zweite Form ist das freiwillige, nicht-konventionierte Praktikum. Es richtet sich an Studierende, die in den Semesterferien oder kurz nach dem Studium Berufserfahrungen sammeln wollen. Das freiwillige Praktikum kann eine maximale Dauer von sechs Monaten haben - darf kumuliert die Dauer von zwölf  Monaten jedoch nicht überschreiten.


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Laut Gesetzesentwurf sollen die freiwilligen Praktika, die länger als einen Monat dauern, auch bezahlt werden. Bei einer Dauer von einem bis drei Monaten muss der Arbeitgeber dem Praktikanten ein Drittel des unqualifizierten Mindestlohns zahlen (rund 666 Euro) - bei einer Dauer von drei bis sechs Monaten die Hälfte des unqualifizierten Mindestlohns (rund 1000 Euro).

Gefahren der Ausbeutung

Arbeitsminister Schmit machte deutlich, dass es sich beim Praktikum nicht um eine Form der Arbeit handelt und man dementsprechend auch nicht von einem Arbeitsvertrag reden könnte. "Es ist eine Weiterbildung, die den Übergang von Studium zur Arbeitswelt erleichtern soll." Sowohl ACEL als auch Schmit waren sich darüber im Klaren, dass es darum geht, eine Praktikumskultur in Luxemburg zu erschaffen.

Allerdings haben die Erfahrungen in Deutschland gezeigt, dass eine derartige Kultur zu Ausbeutung und Missbrauch führen kann. Kritiker führen an, dass sich das System verselbstständigt habe -  sprechen von der "Generation Praktikum" oder "Generation prekär". Praktikanten werden als billige Arbeitskräfte eingesetzt und hangeln sich von einem Vertrag auf Basis von 400 Euro zum nächsten.

"Die schlimmste Form der Prekarität  ist die Arbeitslosigkeit"

Schmit ist über die Gefahren einer Praktikumskultur informiert, sieht sie jedoch nicht für Luxemburg. "Die schlimmste Form der Prekarität  ist die Arbeitslosigkeit", so Schmit.  Das Gesetz sieht jedoch vor, ein Kontrollregister einzuführen, das Unternehmen auflistet, die Praktikanten engagieren. "Wir werden ein Auge auf die Unternehmen werfen", so Schmit. Auch dürfen lediglich zehn Prozent der Angestellten eines Unternehmens Praktikanten sein - die Zahl ist gedeckelt auf 50 Praktikanten insgesamt. Ein Geschäftsmodell beruhend auf Praktikanten kann es Schmit zufolge so nicht geben.

Zudem soll auch die Gewerbeaufsicht ITM strenge Kontrollen durchführen. Etwa, ob der Praktikant auch wirklich sinnvolle Tätigkeiten durchführt und nicht nur Kaffee serviert oder am Reißwolf Papier vernichtet. Oder, ob er gar als normale Arbeitskraft beschäftigt wird. ACEL-Präsident Ludgen fügt hinzu, dass der Anspruch auf ein Praktikum ein Jahr nach dem Abschluss des Studierenden verfällt. "So wollen wir Missbrauch verhindern."

Und als Schmit die Bedenken der Journalisten gegenüber einer Generation Praktikum ausgeräumt hat, ist er auch wieder zu Späßen aufgelegt. Auf die Frage, ob denn der Staatsrat nicht überfordert sei, so kurz vor den Wahlen noch den Gesetzesentwurf zu begutachten, sagte Schmit: "Der Staatsrat kann ja einige Praktikanten einstellen."

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