Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Der Plan geht nicht auf
Politik 1 3 Min. 15.10.2018

Der Plan geht nicht auf

Die CSV-Spitze kann ihre Enttäuschung nicht verbergen, als sie um 22.33 Uhr die Bühne betritt.

Der Plan geht nicht auf

Die CSV-Spitze kann ihre Enttäuschung nicht verbergen, als sie um 22.33 Uhr die Bühne betritt.
Foto: Gerry Huberty
Politik 1 3 Min. 15.10.2018

Der Plan geht nicht auf

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Sonntag, 18.30 Uhr. Es ist noch still in den Bonneweger Rotunden, der Parteizentrale der CSV.

Zu diesem Zeitpunkt befinden sich geschätzte 60 bis 80 CSV-Mitglieder und -Anhänger in dem abgedunkelten Raum. Alle blicken auf die große Leinwand und die aktuellsten Zahlen und Hochrechnungen.

Die Listenstimmen sind so weit ausgezählt, die CSV verzeichnet einen Verlust von knapp 5,5 Prozent. Das drückt aufs Gemüt. Im Gespräch mit Kandidaten und Parteimitgliedern wird schnell klar: Das hatte man nicht erwartet.

Nur die Ruhe

18.40 Uhr. Generalsekretär Laurent Zeimet gibt sich von den Zwischenergebnissen unbeeindruckt. „Da noch nicht abzusehen ist, wie der Abend ausgeht, bin ich emotional noch sehr gelassen“, sagt er. 19 Uhr. Der Osten ist ausgezählt. Die CSV verliert 7,5 Prozentpunkte, kommt auf 29,4 Prozent und behält ihren dritten Sitz. Dabei hatte sie sogar mit einem vierten Sitz geliebäugelt. Françoise Hetto-Gaasch, Léon Gloden und Octavie Modert schaffen den Sprung ins Parlament. 

Die CSV verliert im Zentrum und im Süden jeweils einen Sitz.
Die CSV verliert im Zentrum und im Süden jeweils einen Sitz.
Foto: Gerry Huberty

Kurz nach 19 Uhr. Aufatmen auch im Norden, wo die CSV auf 32,23 Prozent kommt und ihre vier Sitze trotz einem Stimmenverlust von 1,5 Prozent behalten kann. Spitzenkandidatin Martine Hansen wird Erstgewählte vor Marco Schank, Emile Eicher und Aly Kaes.

Im Zentrum sehen die Hochrechnungen weniger gut aus. CSV und LSAP büßen beide einen Sitz ein. Ein Schlag ins Gesicht für die beiden Spitzenkandidaten und Anwärter auf den Premierposten, Claude Wiseler und Etienne Schneider. Im Süden sieht es für die CSV nicht viel besser aus.

21:22 Uhr. Laut der ersten nationalen Hochrechnung kommen die drei Regierungsparteien auf 31 Sitze. Generalsekretär Laurent Zeimet tritt vor die Kamera. Die Enttäuschung ist ihm anzusehen. Doch so schnell gibt er nicht auf: „Wir sind nach wie vor die stärkste Partei im Land“, sagt er.

In den Rotunden ist die Stimmung den ganzen Abend gedrückt. Erst als LSAP-Spitzenkandidat Etienne Schneider auf der Leinwand erscheint und findet, die CSV verzeichne prozentual größere Verluste als die LSAP, kommt Stimmung in Form von Buhrufen auf.

Unser Wahlziel war, zu verhindern, dass die drei Parteien eine Mehrheit bekommen. Das ist uns nicht gelungen.

Und während das Nationalkomitee hinter den schwarzen Vorhängen zusammensitzt und sich berät, erscheinen die definitiven Ergebnisse im Zentrum. Die CSV kommt auf 29,14 Prozent (- 6,17 Prozent) und verliert ihren achten Sitz. Claude Wiseler, Serge Wilmes, Diane Adehm, Viviane Reding, Marc Lies, Laurent Mosar und Paul Galles schaffen den Sprung ins Parlament. Nicht mehr dabei und weit abgeschlagen auf Platz 13: Martine Mergen.

Urplötzlich keimt Hoffnung im Saal auf. Die DP verliert im Zentrum überraschenderweise einen Sitz an die Grünen. Damit wäre die Mehrheit der Dreierkoalition futsch und eine schwarz-grüne Mehrheit (21 + 10) möglich.


Norden: Blaues Auge für die DP
Die Mitte schrumpft, die Ränder wachsen: Diese Bilanz offenbart auch das Wahlresultat im Landesnorden. Dennoch brach die Region am Sonntag mit manch nationalem Trend. Während die CSV ihre Verluste hier weitgehend begrenzen konnte, stürzte die DP geradezu ab.

Doch die Hoffnung zerschlägt sich schnell wieder, als die endgültigen Ergebnisse aus dem Süden vorliegen. Anders als erwartet verliert die LSAP nur einen und keine zwei Sitze. Damit ist die blau-rot-grüne Mehrheit wiederhergestellt. Die CSV kommt auf 26,91 Prozent (- 5,33 Prozent), verliert einen Sitz und kommt auf sieben Mandate. Erstgewählter ist Parteipräsident Marc Spautz vor Félix Eischen, Georges Mischo, Michel Wolter, Jean-Marie Halsdorf, Gilles Roth und Nancy Kemp-Arendt. Nicht mehr dabei sind Laurent Zeimet und Sylvie Andrich-Duval.

Wahlziel verfehlt

Als die Parteispitze um 22.33 Uhr die Bühne betritt, sieht man ihr die Enttäuschung an. „Unser Wahlziel war, zu verhindern, dass die drei Parteien eine Mehrheit bekommen. Das ist uns nicht gelungen“, gibt Parteipräsident Marc Spautz unumwunden zu und beglückwünscht im gleichen Atemzug die Grünen für ihren Wahlsieg. „Doch weder die DP noch die LSAP sind bei diesen Wahlen gestärkt worden“, fügt Spautz gleich hinzu.

CSV-Spitzenkandidat Claude Wiseler ist enttäuscht, gibt aber die Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung nicht so schnell auf.
CSV-Spitzenkandidat Claude Wiseler ist enttäuscht, gibt aber die Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung nicht so schnell auf.
Foto: Gerry Huberty

Auch Spitzenkandidat Claude Wiseler macht einen zerknirschten Eindruck. Wohl wissend, dass die Regierungsparteien eine Mehrheit haben, will er sich dennoch nicht geschlagen geben. Das Land brauche eine stabile Regierung, meint Wiseler. „Die CSV ist nach wie vor und bei Weitem die stärkste Partei im Land.“ Als solche sei sie bereit, Verantwortung zu übernehmen, so Wiselers Botschaft um 22.40 Uhr an die anderen Parteien.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Macher verlieren drei Mandate
Enttäuschung bei den Sozialisten: 2,7 Prozent weniger Stimmen kosten sie drei Sitze - jeweils einen im Norden, im Zentrum und im Süden. Jetzt wird diskutiert, wie es eventuell doch mit der Koalition weitergehen kann.
"Wir haben als Koalition ein Prozent Stimmen dazu gewonnen und noch immer eine Mehrheit", sagte Etienne Schneider am Wahlabend.
Die Liberalen behaupten sich
Die DP kann ihr historisches Resultat von 2013 fast halten. Die Liberalen fahren zwölf Sitze ein. Spitzenkandidat Xavier Bettel kann sein Resultat von 2013 allerdings nicht wiederholen.
Wahlen 2018 - Headquarter DP - Xavier Bettel - Corinne Cahen -    - Photo : Pierre Matgé
Mehrheit ist Mehrheit
Blau-Rot-Grün wurde nicht abgewählt und die CSV bekam keinen Regierungsauftrag. Was aber bedeuten diese beiden Feststellungen für den politischen Alltag nach dem 14. Oktober?
So sehen Sieger aus: Claude Turmes verteidigt den Sitz der Grünen im Norden mit Bravour.