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Der neue Generalvikar Leo Wagener im Gespräch: Die Kirche im Umbruch
Politik 1 2 Min. 20.03.2015

Der neue Generalvikar Leo Wagener im Gespräch: Die Kirche im Umbruch

Nach dem Rücktritt von Erny Gillen wurde Leo Wagener zum neuen Generalvikar der katholischen Kirche ernannt. Für Wagener genießen die Umsetzung der Konventionen und die Pastorale Priorität.

(DS) – Vor einem Monat kam es zu einem Wechsel an der Spitze des Erzbistums. Der neue Generalvikar der katholischen Kirche, Leo Wagener, ist sich bewusst, dass er das Amt in einer schwierigen Zeit übernimmt. Die politisch gewollte Trennung zwischen Kirche und Staat fordert der katholischen Kirche eine Neuorientierung ab.

„Die Überführung der Kirchenfabriken in den geplanten Fonds stellt natürlich eine enorme Herausforderung dar“, so Generalvikar Wagener in einem Interview mit dem Luxemburger Wort. Wagener weiß, dass die Überführung nicht ohne Widerstand vonstatten gehen wird. Man werde noch jede Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen, bis man eine einvernehmliche Lösung präsentieren könne, so der Generalvikar.

Noch keine Details

Im Augenblick liege der Ball aber beim Innenministerium. Denn außer den Angaben, die schon in der Konvention enthalten sind, gebe es noch keine zusätzlichen Details. Noch wisse man nicht, wie der Fonds genau aussehen wird.

Derweil macht man sich im Erzbistum aber schon Gedanken über die interne Organisation des Fonds: „Erzbischof Hollerich hat den Gläubigen versprochen, dass der Fonds nicht zentralistisch geführt werden wird. Dieses Versprechen werden wir natürlich einhalten. Die lokale Partizipation wird gewahrt bleiben, dies vor allem auf Basis der neuen Pfarreien“, so Leo Wagener.

Auch die geplante Abschaffung des Religionsunterrichts sorgt im Erzbistum für einiges Kopfzerbrechen. Eine Lösung für die Religionslehrer habe man zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht parat, bedauert der Generalvikar.

Kein Ersatz für den Religionsunterricht

Allerdings will man eine moderne Pfarrkatechese als Alternative anbieten: „Ich will noch einmal daran erinnern, dass Katechese nichts mit Katechismus oder mit Indoktrinierung zu tun hat. Ich will aber auch klarstellen, dass man die Katechese nicht als Ersatz für den Religionsunterricht verstehen darf, sie erhebt keinerlei schulischen Ansprüche“, so Leo Wagener.

Unter Katechese verstehe man vielmehr eine Hinführung zum Glauben für diejenigen, die ihr Christentum aktiv leben wollen. Die moderne Katechese sei vielseitig, dynamisch und Generationen übergreifend, so seine weitere Erklärung.

Zu der rezenten Kritik an dem geplanten Werteunterricht will sich der Generalvikar nicht äußern. Er wartet lieber ab, bis Minister Meisch den Text offiziell vorstellt. Erst dann wird  die katholische Kirche u.U. Stellung beziehen. Kritiker monieren, der Unterricht sei zu "religionslastig".

35 Pfarreien

Den zweiten Schwerpunkt seiner Amtszeit legt Generalvikar Wagener auf die Pastorale. Auch in den Pfarreien stehen nämlich große Veränderungen an. Die Pfarreien werden zusammengelegt, am Ende werden etwa 35 übrigbleiben, so Wagener. Die Arbeit sei zu 95 Prozent abgeschlossen, nur in der Hauptstadt, die gewissermaßen einen Sonderstatus innehat, arbeite man noch an einer Lösung.

Die Frage, ob er gewährleisten könne, dass auch in zehn oder 20 Jahren jeder der möchte, eine Messe besuchen kann, beantwortet Wagener mit einem eindeutigen Ja: „Ja, auch in zehn oder 20 Jahren kann jeder der möchte, eine Messe mitfeiern, vorausgesetzt er ist mobil. Es gibt heute schon Gegenden, in denen die Menschen Flexibilität beweisen und eine längere Anfahrt in Kauf nehmen, um die Messe zu besuchen, etwa im ländlichen Raum.“


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