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Der kranke Premier und die Folgen
Politik 1 3 Min. 06.07.2021
Xavier Bettel im Krankenhaus

Der kranke Premier und die Folgen

Xavier Bettel im Krankenhaus

Der kranke Premier und die Folgen

Foto: AFP
Politik 1 3 Min. 06.07.2021
Xavier Bettel im Krankenhaus

Der kranke Premier und die Folgen

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Der Regierungschef befindet sich weiterhin in klinischer Behandlung. Welche Konsequenzen hat dies für das politische Geschäft?

Xavier Bettel liegt nach acht Tagen Corona-Erkrankung im Krankenhaus. Diese Nachricht ging am Sonntag wie ein Lauffeuer durch Luxemburg. Der quirlige Premierminister und Krisenmanager in der Pandemie scheint also doch ernsthaft erkrankt zu sein. Am Montag teilte sein Ministerium mit, er müsse noch zwei bis vier Tage unter ärztlicher Beobachtung bleiben, sein Zustand sei „ernst, aber stabil“. 

Philippe Poirier sieht in der Infektion des Premiers eine schmerzhafte Mahnung, dass die Pandemie noch nicht überstanden ist.
Philippe Poirier sieht in der Infektion des Premiers eine schmerzhafte Mahnung, dass die Pandemie noch nicht überstanden ist.
Foto: Serge Waldbillig

Finanzminister Pierre Gramegna (DP) habe Zeichnungsbefugnis bekommen, um die laufenden Geschäfte weiterzuführen, so das Ministerium weiter. Bettel koordiniere die Regierungsarbeiten aber aus der Distanz. Dies findet Politologe Philippe Poirier in einem Interview mit den französischsprachigen Kollegen von wort.lu etwas befremdlich, wäre es doch an und für sich an einem der beiden Vizepremierminister Dan Kersch (LSAP) oder François Bausch (Déi Gréng) gewesen, diese Rolle interimistisch zu übernehmen. 

Poirier mutmaßt, man habe Gramegna wegen seiner Finanzkenntnisse für diese Aufgabe auserkoren. Der Experte kann sich aber auch vorstellen, dass Bettel lieber einen DP-Parteikollegen mit der Aufgabe betraut habe als einen Sozialisten oder Grünen. Für Poirier ist die mehrtägige Abwesenheit des Premiers politisch gesehen kein Drama: In Luxemburg leiten die einzelnen Minister die Geschäfte autonom, der Premier spielt keine so wichtige Rolle wie etwa die deutsche Bundeskanzlerin oder der Regierungschef von Belgien.

Mahnung

Für Poirier ist die Erkrankung von Bettel eine schmerzhafte Mahnung an die Bevölkerung, dass die Pandemie mitnichten vorbei ist und das Virus auch bei bereits teilgeimpften Personen mit gravierenden Konsequenzen zuschlagen kann. 


(FILES) In this file photo taken on June 25, 2021 Luxembourg's Prime Minister Xavier Bettel talks to journalists as he arrives on the second day of a European Union (EU) summit at The European Council Building in Brussels. - Luxembourg Prime Minister Xavier Bettel is self-isolating for 10 days after testing positive for Covid shortly after a European Union summit, his office said June 27, 2021. But none of the other 26 EU leaders who attended the Brussels summit Thursday and Friday is considered a contact case, a statement said. (Photo by Olivier Matthys / POOL / AFP)
Xavier Bettel bleibt im Krankenhaus
Der Premierminister muss für weitere zwei bis vier Tage hospitalisiert bleiben – sein Gesundheitszustand sei "ernst, aber stabil".

Besorgniserregend in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass die Infektionszahlen seit Tagen wieder ansteigen - zwischen Freitag und Montag wurden nicht weniger als 398 neue Corona-Fälle registriert. Mehr und mehr stellt sich die Frage, ob man neue Einschränkungen ins Auge fassen muss, auch wenn die Lage in den Krankenhäusern mit am Montag drei hospitalisierten Personen „entspannt“ ist.

Die Legitimation Bettels sieht Poirier durch die Infektion nicht in Gefahr - im Gegenteil: Boris Johnson und Donald Trump seien in Umfragen nach ihren Erkrankungen sogar gestärkt hervorgegangen.

Mutmaßungen und Spekulationen

Bettel sollte am Donnerstag vergangener Woche seine zweite Impfdosis bekommen.
Bettel sollte am Donnerstag vergangener Woche seine zweite Impfdosis bekommen.
Foto: SIP/Jean-Christophe Verhaegen

Wo hat Bettel sich angesteckt? Die Frage wird wohl - wie in den meisten Infektionsfällen unbeantwortet bleiben. Fakt ist, dass der 48-Jährige trotz strikt eingehaltener Vorsichtsmaßnahmen zahlreiche Kontakte hat. So war er wenige Tage vor seinem positiven Test in Brüssel auf einem EU-Gipfel. Das veranlasste die sensationshungrige schweizerische Zeitung „Blick“ sogar zum reißerischen Titel "Hat Luxemburgs Premier die EU-Spitze angesteckt?". Das Blatt ist sich nicht zu schade, auch die Impfstrategie des Großherzogtums infrage zu stellen. Sprecher der EU-Oberen weisen die These mit der Begründung zurück, auf dem Gipfel seien die sanitären Regeln strikt eingehalten wurden. Die Wochenzeitung „Lëtzebuerger Land“ berichtete vergangene Woche, Bettel sei am gleichen Tag positiv getestet worden, wie zahlreiche Besucher eines bekannten Nachtlokals.

Die meisten ausländischen Medien - so auch die Nachrichtenagentur Reuters - beschränken sich darauf, die Mitteilung des Staatsministeriums von Montag wiederzugeben. Auch der „New York Times“ war der erkrankte Luxemburger Regierungschef eine Meldung wert.


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(FILES) In this file photo taken on June 25, 2021 Luxembourg's Prime Minister Xavier Bettel talks to journalists as he arrives on the second day of a European Union (EU) summit at The European Council Building in Brussels. - Luxembourg Prime Minister Xavier Bettel is self-isolating for 10 days after testing positive for Covid shortly after a European Union summit, his office said June 27, 2021. But none of the other 26 EU leaders who attended the Brussels summit Thursday and Friday is considered a contact case, a statement said. (Photo by Olivier Matthys / POOL / AFP)
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