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Der entschleunigte Journalismus
Politik 2 Min. 06.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Medienprojekt „Reporter”

Der entschleunigte Journalismus

Zwei Journalisten treten vor die Presse: Christoph Bumb und Laurence Bervard haben ihr neues digitales Magazin „Reporter” vorgestellt.
Medienprojekt „Reporter”

Der entschleunigte Journalismus

Zwei Journalisten treten vor die Presse: Christoph Bumb und Laurence Bervard haben ihr neues digitales Magazin „Reporter” vorgestellt.
Foto: B. Beffort
Politik 2 Min. 06.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Medienprojekt „Reporter”

Der entschleunigte Journalismus

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Zwei Journalisten, Christoph Bumb und Laurence Bervard, starten mit „Reporter” ein neues digitales Magazin. Das besondere daran: Sie wollen ihre Arbeit über Crowdfunding finanzieren. Damit es klappt, müssen mindestens 1.000 Abonnenten her.

(BB) -  Unabhängig, kritisch, investigativ und partizipativ. So würden viele Journalisten ihre Vorstellung von hochwertiger journalistischer Arbeit zusammenfassen. Im bestehenden medialen Angebot hatten Christoph Bumb und Laurence Bervard dennoch das Gefühl, dass Einiges zu kurz komme. So wollen die ehemaligen „Wort”-Journalisten mit einer eigenen Online-Plattform an der Start gehen. „Reporter” heißt das digitale Magazin. Das besondere daran: Zunächst müssen wenigstens 1.000 Abonnenten herangezogen werden, damit das Projekt zustande kommt.

„Unser Konzept wird von keiner Partei, keinem wirtschaftlichen Aktionär beeinflusst. Wir verstecken uns nicht hinter Investoren”, sagt Geschäftsführer und Gründer Christoph Bumb. Das Magazin soll in einer ersten Phase ausschließlich über Crowdfunding finanziert werden. Sprich die Leser zahlen für Analysen und Hintergrundberichte.

Anreize und Versprechen

„Reporter” braucht zuerst 150.000 Euro Kapital, um zu starten. „Dafür benötigen wir also mindestens 1.000 Unterstützer, die bereit sind, in ein Jahresabo von 150 Euro zu investieren”, rechnen Bumb und Bervard vor. Werden die Voraussetzungen und die Überzeugungsarbeit nicht eingelöst, so wäre das ehrgeizige Projekt „Reporter” schon wieder begraben.

„Reporter wird es nur geben, wenn die Leute es wirklich wollen”, formuliert es Laurence Bervard. Dennoch liegt die Herausforderung nicht nur darin, die Menschen neugierig zu machen. Das Kunststück wird sein, dass Menschen für etwas zahlen, was sie noch nicht kennen und von dem sie nicht wissen, ob es ihren Hunger auf Information wirklich stillen wird.

„Es gibt schon einen Wandel in der Gesellschaft”, zeigt sich Christoph Bumb zuversichtlich. Die Leute würden nicht nur die klassischen Kurznachrichten lesen wollen, sondern mehr Hintergrund, Analysen und Perspektiven erwarten. Und sie möchten wissen, wie unabhängig die journalistische Arbeit ist, also frei von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen. Hier könne „Reporter” durch sein Finanzierungsmodell punkten, meint Bumb.

Die staatliche Pressehilfe wollen die Journalisten in einer zweiten Phase beantragen.

Redakteure, freischaffende Autoren und Netzwerk

Der neue Internetauftritt soll jedenfalls ohne Werbe-Banner und Pop-Ups auskommen, versprechen die Gründer. Die journalistische Arbeit sei Programm. Das wollen Bumb, Bervard sowie ein weiterer Journalist (dessen Name noch nicht genannt wurde) zunächst als festangestellte Journalisten zu dritt stemmen. Beiträge liefern außerdem freischaffende Autoren, wie Kyra Fischbach und Marie-Laure Rolland. Und für neue Ideen werden auch die Leser einbezogen. Stichwort: partizipativer Journalismus.

Ziel von Reporter ist es, jeden Tag und das „an Werktagen wie am Wochenende” eine neue recherchierte Geschichte zu veröffentlichen. „Wir werden nicht auf jeden Trend und jeden Tweet eines Ministers aufspringen. Uns geht es nicht darum, Clicks zu erzeugen”, versichert Christoph Bumb. Im Onlinezeitalter soll Reporter eine „Entschleunigung” bieten.

„Reporter” hat die Messlatte hoch angesetzt. „Wir glauben, dass die Leute durchaus bereit sind, für Informationen im Netz zu zahlen. Es kommt vor allem darauf an, dass die Nachrichten gut aufbereitet sind”, so Christoph Bumb.

Am 15. November soll die Crowdfunding-Kampagne anfangen und sich über fünf Wochen erstrecken. Kommen 150.000 Euro zusammen, dürfte „Reporter” dann ab März 2018 die hiesige Presselandschaft aufmischen.