Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"Der 23. Juni steht für die Geschichte, wie für unsere Zukunft"
Politik 5 Min. 23.06.2021
Nationalfeiertag am Kanounenhiwwel

"Der 23. Juni steht für die Geschichte, wie für unsere Zukunft"

Premierminister Xavier Bettel und Chamberpräsident Fernand Etgen während der Gedenkminute.
Nationalfeiertag am Kanounenhiwwel

"Der 23. Juni steht für die Geschichte, wie für unsere Zukunft"

Premierminister Xavier Bettel und Chamberpräsident Fernand Etgen während der Gedenkminute.
Jean-Christophe Verhaegen
Politik 5 Min. 23.06.2021
Nationalfeiertag am Kanounenhiwwel

"Der 23. Juni steht für die Geschichte, wie für unsere Zukunft"

Morgan KUNTZMANN
Morgan KUNTZMANN
Die Amtsträger gehen bei den Nationalfeiertagsreden auf die Pandemie und den Klimawandel ein und schwanken zwischen Gedenken und Hoffnung.

„Unser Nationalfeiertag steht symbolisch für unsere Freiheit, unsere Unabhängigkeit und unsere Geschichte“, sagte Premierminister Xavier Bettel bei seiner Rede zum Nationalfeiertag. Coronabedingt fand die öffentliche Feier des Geburtstags des Großherzogs auch in diesem Jahr wieder am „Kanounenhiwwel“ in der Stadt Luxemburg statt. 

Vor dem Nationaldenkmal der Luxemburger Solidarität bekräftigte Bettel, dass dieses Teil der nationalen Tugenden sei. „Wir passen einander auf und lassen keinen im Regen stehen. Diese Eigenschaften haben sich für uns als vorteilhaft erwiesen. Luxemburg ist bisher gut durch diese Krise gekommen. Und das ist vor allem Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verdanken“, so der Regierungschef bei der digital übertragenen Rede. 


Fête Nationale 2021 Rumelange - Rumelange -  - 22/06/2021 - photo: claude piscitelli
Luxemburg feiert sich selbst
Trotz Pandemie herrschte am Vorabend des Nationalfeiertags vielerorts Partystimmung. Einige Eindrücke.

„In einem normalen Jahr würden wir in der Philharmonie die Persönlichkeiten ehren, die sich in den vergangen zwölf Monaten besonders ausgezeichnet haben“, so der Premierminister. „Doch dieses Jahr wäre sie dafür zu klein gewesen“. Zu vielen Menschen müsse man danken, ob nun im Gesundheits- und Pflegesektor, bei der Polizei, Feuerwehr, den Beamten, im Schulwesen oder einfach den Menschen, die zu Hause geblieben sind oder „hinter einer Kasse oder zwischen den Regalen stehen“. 

In schwierigen Zeiten zeige sich die wahre Größe eines Landes: „Wenn es darauf ankommt, halten wir zusammen“. Das Jahr habe vieles von den Menschen abverlangt, um sich vor dem Virus zu schützen, so Bettel, der ebenfalls die Corona-Toten erwähnte: „Trotzdem haben wir Menschen für immer verabschieden müssen. Ich denke auch an sie, die in diesem Moment den Nationalfeiertag nicht miterleben können.“ 

Wie Chamberpräsident Fernand Etgen und Großherzog Henri, die anschließend ihre Reden zum Nationalfeiertag hielten, verband Bettel den Kampf gegen die Pandemie mit den anstehenden Einschränkungen, die zur Eindämmung des Klimawandels nötig sind

„Der 23. Juni steht gleichermaßen für die Geschichte, aber auch für unsere Zukunft. Die Zukunft eines Landes, das sich nicht unterkriegen lässt. Von einem Volk, das den Blick nach vorne richtet und die nächsten Herausforderungen mit dem nötigen Mut und Optimismus angeht“, so der Premierminister. 

„Wir sind es den nächsten Generationen schuldig, dass wir nichts unversucht lassen, um ihnen einen gesunden Planeten und eine lebenswerte Zukunft zu hinterlassen“. Luxemburg habe einen ambitiösen Klimaplan vorgelegt, den man jetzt so schnell wie möglich umsetzen müsse. Bei seinen Schlussworten seiner Rede ermahnte Bettel die Bevölkerung, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei. „Wir müssen weiter vorsichtig bleiben.“

Wehrhafte Demokratie und EU 

Fernand Etgen erinnerte an die Aufbruchsstimmung, die beim letztjährigen Nationalfeiertag herrschte: „Der Etat de crise war gerade vorbei. Wir hatten gehofft, die Pandemie sei vorbei. Ist sie aber nicht. Trotzdem sehen wir Licht am Ende des Tunnels.“ Die Wissenschaft gebe der Gesellschaft mit der Zeit mehr und mehr Werkzeuge, angefangen mit den Masken bis zu den Impfstoffen, um mit der Pandemie umgehen zu können. 

Für Etgen war es auch wichtig „einen Gedanken an die jungen Leute der Generation Covid-19“ zu haben. „In den letzten 16 Monaten mussten sie auf vieles verzichten, um andere zu schützen. Auch sie brauchen jetzt Unterstützung. Aber zuerst möchte ich mich bei den jungen Menschen bedanken. Vielen Dank, dass ihr euch so vorbildlich an die Regeln gehalten habt.“ 


Im vergangenen Jahr haben 200.721 Grenzgänger in Luxemburg gearbeitet.
Ausweitung des Impfprogramms auf Grenzgänger "realistisch"
Die rund 200.000 Grenzgänger, die in Luxemburg arbeiten, könnten nach Abschluss der sechsten Impfphase an die Reihe kommen.

Die Krise habe darüber hinaus gezeigt, dass wir unserer Demokratie vertrauen können, so Etgen. „Unsere Institutionen haben gut und schnell zusammengearbeitet. Uns ist in diesen schwierigen Zeiten wieder bewusst geworden, wie wichtig stabile und krisenfeste demokratische Institutionen sind, um Krisen zu bewältigen“, fügte Etgen an. Auch das über einem Jahr liegende einschneidende Kollektiverlebnis der Grenzschließungen fand sich in der Ansprache des Parlamentspräsidenten wieder. 

„Schengen lebt. Grenzkontrollen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit innerhalb des Schengenraums dürfen nicht existieren.“ Die letzten 16 Monate hätten gezeigt, wie wertvoll, aber auch wie „zerbrechlich“ diese Normalität sei.

Corona-Krise als Zäsur 

Etgen versteht die Covid-Krise, „als ein Alarmsignal, um unsere Lebensweise zu überdenken und uns mehr um unsere Erde zu kümmern“. Dabei steckt hinter der Liebe für den Planeten auch ein egoistisches Ziel: „Indem wir den Planeten schützen, schützen wir uns auch selbst“, so Etgen. Um die anstehenden Herausforderungen zu meistern, hat der Parlamentspräsident drei Mittel ausgemacht. 

Neben Europa helfen Wissen, Bildung, Digitalisierung und Forschung besser auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Auch der Wissenschaftsglaube solle gestärkt werden: „Wir sollen mehr Bescheidenheit beweisen und auch denen zuhören, die nicht nur das sagen, was man am liebsten hören würde.“ 

Der Großherzog erinnerte an die Toten 

Großherzog Henri analysierte in seiner Rede, inwieweit die Pandemie unsere Gesellschaft verändert hat. Das reduzierte Leben „in Zeitlupe“ habe Schönes offenbart, „wie grenzüberschreitende Solidarität und weniger Schönes wie Populismus und Unwahrheit, die keine Glaubwürdigkeit verdienen“, stellte Seine Majestät fest und fügte an: „Wir haben gesehen, dass die Globalisierung kein Allheilmittel ist, sondern dass es wichtig ist, eine lokale, regionale und europäische Produktion von essenziellen Produkten zu erhalten, um in Krisenzeiten schnell reagieren zu können“. 

Er rief dazu auf, optimistisch zu bleiben und wie sein Vorredner Etgen „auf Fakten und Wahrheit zu bauen“. Es gebe ständig verbesserte technische und digitale Lösungen, auch unkonventionelle Wege wie Homeoffice und -schooling würden beschritten. 


Große Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag finden dieses Jahr erneut nicht statt.
Ein Akt der bürgerlichen Solidarität
Gefühlt scheint die Welt an diesem 23. Juni wieder in Ordnung zu kommen. Da kommt der Nationalfeiertag gerade recht.

Das Staatsoberhaupt hielt eine Schweigeminute ab, um der 818 Menschen zu gedenken, die bisher dem Virus zum Opfer gefallen sind. „Gemeinsam mit der Großherzogin und unserer Familie möchte ich all jenen, die einen geliebten Menschen verloren haben, unser tiefstes Beileid aussprechen“, sagte der Großherzog und erinnerte daran, dass die Regierung später in diesem Jahr eine Zeremonie zum Gedenken an die Verstorbenen und zur Würdigung der Helfer organisieren wird. 

Der Großherzog beendete seine Rede mit einem gewissen Optimismus und erinnerte daran, dass es im Jahr 2022 „60 Jahre her sein wird, dass wir am 23. Juni den Nationalfeiertag zelebrieren. Meine große Hoffnung ist, dass wir dann wieder alle gemeinsam feiern können!

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Bettel vor UN-Vollversammlung
Vor der UN-Vollversammlung in New York spricht Premier Xavier Bettel über die Corona-Pandemie und die Klimakrise.
Luxemburg ist bereit, die Bemühungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie fortzusetzen, so Premier Xavier Bettel vor der UNO.
Die Corona-Krise drückt dem Festakt zu Nationalfeiertag ihren Stempel auf. Dabei loben die Redner ausdrücklich die Solidarität und Disziplin, die die Bürger in den vergangenen Monaten gelebt hätten.
S.A.R. le Grand-Duc