Denkmal für die Opfer der Schoah eingeweiht
Denkmal für die Opfer der Schoah eingeweiht
Im Beisein von Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa wurde am Sonntag am Boulevard Roosevelt in der Hauptstadt das Denkmal für die Erinnerung an die Opfer der Schoah eingeweiht. Das Datum war nicht zufällig gewählt: Auf den Tag genau vor 75 Jahren, am 17. Juni 1943, wurden die letzten Juden von den Nazis vom Bahnhof Luxemburg aus in die Vernichtungslager im Osten verschickt.
In ihren Reden unterstrichen Bürgermeisterin Lydie Polfer, der Vorsitzende des Consistoire israélite de Luxembourg, Albert Aflalo, und Premierminister Xavier Bettel daher unisono, dass sich derartige Gräuel nicht mehr wiederholen dürften. Die Skulptur des franko-israelischen Künstler Shelomo Selinger soll daher Denkmal und Mahnmal zu gleich sein. Sie soll an die Unmenschlichkeit der Nazis gegenüber der jüdischen Bevölkerung erinnern und sie soll dazu beitragen, dass sich derartige Verbrechen nie mehr wiederholen können.
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"Wir müssen die Erinnerung wach halten und an die nächsten Generationen weitergeben", so Lydie Polfer gleich zu Beginn ihrer Ansprache. Wie der Zeitpunkt wurde auch die Wahl des Ortes, an dem das Monument errichtet wurde, nicht dem Zufall überlassen. Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass die erste Synagoge des Landes am Boulevard Roosevelt, genau an dem Platz zwischen der Kathedrale und der früheren Sainte-Sophie-Schule stand. Das Gebäude war 1823 von der damals recht kleinen jüdischen Gemeinde in Luxemburg errichtet worden. Doch der Bau erwies sich recht schnell als zu klein. 1894 öffnete der Nachfolgebau an der Ecke zwischen der Rue Notre-Dame und der Rue Alderingen seine Türen. Und genau diese zweite Synagoge fiel im Zweiten Weltkrieg der der Menschen verachtenden Ideologie der Nazis zum Opfer. Die Synagoge wurde zuerst geschändet und zerstört und schließlich 1943 abgerissen.
Lydie Polfer erinnerte aber auch daran, dass das Leben in der Hauptstadt von den jüdischen Mitbürgern geprägt wurde. So war Emile Godchaux, der von den Nazis am 28. Juli 1942 deportiert wurde, zunächst Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Hamm, und anschließend Gemeinderat in der Hauptstadt. Auch der Maler Guido Oppenheim, der zusammen mit Godchaux deportiert wurde, hat bleibende Spuren hinterlassen.
Der Präsident des Consistoire israélite de Luxembourg, Albert Aflalo, zeigte sich zufrieden, dass nach der offiziellen Entschuldigung der Regierung nun auch ein Denkmal an das Leiden der jüdischen Gemeinde erinnert. Die Entschuldigung, die als Reaktion auf die Erkenntnisse aus dem Artuso-Bericht erfolgte, wie auch das Mahnmal sind für Aflalo ein Zeichen für die "endgültige Niederlage der Barbarei".
Für Premierminister Xavier Bettel ist die "Erinnerung unsere Pflicht", die es gelte an die kommenden Generationen weiter zu geben. Bettel zeigte sich stolz und beschämt zugleich. Er sei stolz, dass die Regierung den Entschluss gefasst habe, sich gegenüber der jüdischen Gemeinde zu entschuldigen, nach dem der Artuso-Bericht enthüllt hatte, dass die Zivilverwaltung dem Treiben der Nazis währen der Besatzungszeit nicht ganz so unbeteiligt zugesehen hatte, wie dies oft dargestellt wurde. Er sei auch stolz, dass neben dem Comité pour la Mémoire de la Deuxième Guerre Mondiale nun auch eine Schoah-Stiftung geschaffen wurde. Und er sei stolz, dass das Mahnmal endlich errichtet wurde. Etwas beschämt sei er aber, dass die das Vorhaben erst so spät, immerhin fast 75 Jahre nach Kriegsende Wirklichkeit wurde.
Nach der Enthüllung des Denkmals sprach Großrabiner Alain Nacache Kaddisch für all die vielen Opfer, denen das das jüdische Totengebet bei ihrer Ermordung verwehrt blieb.
Im Anschluss an die Einweihung des Schoah-Denkmals wurde in der Vorhalle des Bahnhofs eine Plakette enthüllt, die an die Deportationszüge während des Zweiten Weltkrieges erinnert. "Erënner Dech beim Laanschtgoen drun, datt vun 1941 bis 1943 vun dëser Gare 658 jiddesch Männer, Fraen a Kanner an d'Nazi Ghettoen a Lager déportéiert goufen, wou si kalbliddeg ëmbruecht gi sin", steht dort zu lesen. Von den 658 Juden, die sich nicht mehr rechtzeitig vor den Nazis in Sicherheit bringen konnten, haben nur 44 überlebt, so Laurent Moyse in seiner kurzen Ansprache.
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